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Die »Bulldog-Fledermaus« von Landsberg

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Von: Sabine Fleischer

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Comes Lipps mit Bat Detektor Landsberg
Fledermaus-Experte Michael Comes-Lipps gibt über den Lech jagende Fledermäusen mit dem Bat-Detektor eine Stimme. © Fleischer

Landsberg – Dass heimische Fledermäuse Blutsauger sind und sich gerne in den Haaren verheddern – absolute Fake Facts. Die Jäger der Nacht scheuen den menschlichen Kontakt und stürzen sich lieber auf Insekten. Um zu überleben, braucht das Tier vor allem eines: keine Störungen beim Schlafen und in der Wochenstube. Wie man den ‚flatternden Mäusen‘ helfen kann, darüber informiert die Landsberger Fledermaus-Führung.

Das deutsche Wort ‚Fledermaus‘ kommt von ‚flattern‘ und ‚Maus‘. Zum einen schauen die einzigen flugfähigen Säugetiere den Nagern wirklich ähnlich, zum anderen scheinen manche Arten wie Mäuse wirklich über den Boden zu ‚flattern‘. Es gibt global 1.700 Arten, davon leben aber nur 24 in Bayern. Im Landkreis kommen vor allem die Zwergfledermaus (passt in eine Streichholzschachtel), die Wasserfledermaus sowie Maus- und Langohren aus der Familie der Glattnasen vor.

Ansprechpartner im Landkreis Landsberg ist Fledermaus-Experte Michael Comes-Lipps. Auf seiner Fledermausführung vor dem Landsratsamt und Mutterturm erzählt er Wissenswertes. Dass per Echo die Nahrung gesucht wird, lernt man schon in der Grundschule. Dass die kleinen Nachträuber aber zusätzlich allerlei Rekorde halten, weiß nicht jeder: Ihr Herz schlägt je nach Art bis zu 1.000-mal pro Minute, ihr Kehlkopfmuskel kontrahiert bis zu 200-mal in der Sekunde, ihre Geschwindigkeit kann 100 Kilometer pro Stunde erreichen, die Weibchen fangen ihre Babys bei der Geburt mit dem Flügel auf und finden diese anhand von Geruch und Stimme unter tausenden Höhlenmitbewohner wieder. Und sie können bis zu 40 Jahre alt werden.

Fledermäuse leben im Sommerhalbjahr an Orten ohne großen Luftzug und mit konstanten Temperaturen, in Baumhöhlen, hinter Holzverkleidungen an Gebäuden, im Kirchturm und auch in künstlichen Nistkästen. „Sie mögen es halt gerne eng und kuschelig,“ beschreibt Comes-Lipps die Schlafstuben der Tierchen, die am besten ab fünf Meter Höhe aufgestellt werden sollten. Lärmempfindlich sind sie weniger, im Kirchturm in Erpfting fühlt sich schon länger eine kleine Fledermauskolonie wohl. Im Herbst ziehen manche Arten bis zu 1.500 Kilometer weit in frostsichere Winterquartiere.

Der Bat-Detektor

Auch in Landsberg finden sich zahlreiche Exemplare. Wenn man Glück hat, kann man die Jäger der Nacht aus den eingebauten Nistkästen an der Fassade des Landratsamts huschen sehen. Um sie besser zu Gesicht zu bekommen, hilft ein Bat-Detektor: ein kleines Gerät, das die Echorufe der Fledermäuse hörbar macht. Comes-Lipps macht manchen Nachtschatten dadurch für das menschliche Auge erst sichtbar. Denn: Die Tiere fliegen so zackig über den Fluss am Lechwall entlang, um Insekten zu fangen, dass der Beobachter sie in der Dämmerung kaum erkennen kann. „Die Tiere ‚schreien‘ unterschiedlich, daher die verschiedenen Frequenztöne,“ erklärt der Experte Klang und Takt der Pieps-Töne. Und just in diesem Moment ertönt ein tiefes Knattern wie von einem Traktor. Die „Bulldog-Fledermaus“ von Landsberg sei unterwegs, scherzt der Fachmann.

Erfolgreiche Jäger verspeisen ihre Beute oft an einem Ast hängend. Ein Drittel ihres Körpergewichts müssen die kleinen Flugsäugetiere täglich futtern. Da Käfer und Co oft am Boden kreuchen, geht es für die Räuber auch auf allen Vieren über die Erde. Wasserfledermäuse haben sogar kleine Fische auf ihrem Speiseplan.

Wie für die meiste Tiere ist der Mensch der schlimmste Feind. Zerstörte Naturräume, Ruhestörung, fehlende Schlaf- und Nistplätze, Straßenverkehr und vor allem der Rückgang der Insekten als Nahrungsgrundlage setzen den Fledermäusen zu. Daher stehen sie unter Naturschutz. 18 der bayrischen Arten stehen auf der Roten Liste. Probleme mit ihnen sollten dem Landratsamt gemeldet werden. Verletzte oder tote Fledermäuse müssen mit Lederhandschuhen angefasst werden, da in seltenen Fällen ein Tollwut-Risiko besteht. Falls sich wirklich mal ein Flattertier in Wohnung und Haus verirrt: einfach in Ruhe lassen und Fenster auf. Die kleinen Insektenfresser finden von alleine hinaus.

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