Völlig ausgezehrte Kühe

"Hätten wir doch früher eingegriffen!"

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Standen im Dreck und waren laut Veterinär völlig verwahrlost und verkrustet: die Kühe auf dem Ertl-Hof in Rott.

Landsberg/Rott – Im Verfahren gegen den Sohn und die Witwe des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Josef Ertl hat der zuständige Amtstierarzt gestern schwere Vorwürfe erhoben. Mutter und Sohn stehen, wie im KREISBOTEN berichtet, wegen Tierquälerei vor dem Amtsgericht Landsberg.

Die Kühe auf dem Hof der beiden Angeklagten seien abgemagert und ungepflegt gewesen, schilderte der Tierarzt im Zeugenstand. Aufgrund der Unterernährung hätten ein Jahr alte Rinder augesehen wie sechs Monate alte Kälber. Einmal habe er beobachtet, wie 30 Tiere eine halbe Tonne Silage innerhalb von zehn Minuten auffraßen. „Die hatten einfach Hunger.“

Auf die Frage, warum nicht ausreichend gefüttert werde, habe der Angeklagte damals geantwortet, die Tiere würden „das nur wieder herausscheißen“. Laut Anklage sind sieben Kühe an den Folgen der schlechten Haltung verendet. Der Amtstierarzt sprach von einem qualvollen Tod. „Die Tierkörper waren vollständig ausgezehrt.“ Das Fell der Kühe beschrieb er als struppig und verkrustet, da keine sauberen Liegeplätze vorhanden gewesen seien. Somit hätte den Tieren auch ihr natürlicher Schutz vor Hitze und Kälte gefehlt. „Das ist, als wenn ein Mensch ständig in nasser Kleidung herumlaufen muss“, erklärte der Veterinär vor Gericht.

Tiere entzogen

Rund 20 Mal seien Behördenvertreter im vergangenen Jahr auf dem Hof in Rott gewesen, manchmal in Begleitung der Polizei, weil der Angeklagte tätlich geworden sei. Im November schließlich wurden dem Be- trieb im Lechrain die Tiere weggenommen. Sie erholen sich mittlerweile auf einem anderen Hof. „Wir füttern dort die vierfache Menge dessen, was sie vorher bekommen haben“, so der Tierarzt. Im Nachhinein wünsche er, seine Behörde wäre früher eingeschritten. „Der größte Fehler war, dass wir die Tiere nicht schon 2010 weggenommen haben. Wir hätten viele retten können.“

Die Einlassung der Angeklagten, Schuld an der Misere sei möglicherweise unsauberes Wasser aus dem Leitungsnetz der Gemeinde, hielt der Zeuge für unglaubwürdig. Eher sei von dem Hof eine Gefahr für das Wasser ausgegangen als umgekehrt – Stallungen und Gelände seien stark mit Gülle und Mist verschmutzt gewesen.

Die Verteidigung warf dem Zeugen Befangenheit vor und versuchte wiederum darzulegen, dass die Angeklagten durchaus um das Wohl der Tiere besorgt gewesen seien. Der schlechte Ernährungszustand habe andere Ursachen als unzureichende Fütterung. Dazu sollen nun weitere Zeugen gehört werden. Verteidiger Andreas Schwarzer kündigte entsprechende Beweisanträge an. Ein weiterer Verhandlungstermin wird voraussichtlich im März stattfinden.

Der Fall erregt mittlerweile auch das Interesse der überregionalen Presse. Im Zuschauerraum saß unter anderem ein Vertreter des Axel-Springer-Verlages und des Münchner Merkurs sowie der tz München.

Ulrike Osman

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