Warum denn aus Tirol?

Die Hubschrauber der Bundeswehr, hier eine Bell UH-1D des Luftransportgeschwaders 61 aus Penzing, sind im zivilen Bereich immer seltener im Einsatz.

Landsberg – Vor kurzem stürzte ein Junge im Inselbad von der Leiter des Sprungturmes. Wie berichtet, flog ein Rettungshubschrauber aus Tirol das Kind in die Unfallklinik nach Murnau. Doch warum aus Tirol, wenn im nahegelegenen Penzing ein SAR-Rettungshubschrauber der Bundeswehr stationiert ist?

Kann es etwa sein, dass die Bundeswehr den privaten Rettungsorganisationen keine Konkurrenz machen darf? Geht es wieder mal in erster Linie ums Geld und nicht um den Menschen und seine Gesundheit? „Dem ist nicht so“, sagt ein Sprecher der Integrierten Rettungsleitstelle in Fürstenfeldbruck. Sie ist für alle Notrufe zuständig, die über die Notruf-Nummer „112“ aus den Landkreisen Landsberg, Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg eingehen. Das geschulte Personal muss innerhalb von Sekunden anhand eines Kriterienkataloges (Notarztindikations) prüfen und entscheiden, welche medizinische Hilfe nötig ist und ob auch ein Notarzt gerufen werden muss.

Wird, wie jüngst im Fall des zehnjährigen Jungen im Inselbad, die Entscheidung getroffen, dass bei den Kopfver­letzungen nicht nur ein Notarzt unbedingt erforderlich ist, sondern auch ein Rettungshubschrauber als das geeignetste Transportmittel, so wird unverzüglich dessen Verfügbarkeit geprüft.

Die Helikopter „Christoph Murnau“ und „Christoph 17“ in Kempten seien im konkreten Fall laut Aussage der Integrierten Rettungsleitstelle nicht verfügbar gewesen. „Der nächste verfügbare Rettungshubschrauber mit Notarzt war der aus Tirol.“ Und der wurde schließlich alarmiert. „Dass ein Hubschrauber aus Österreich kommt, ist eher die Ausnahme“, sagte Robert Prestele von der Polizei Landsberg. Er könne sich an keinen derartigen Fall erinnern.

Auf den in Penzing stationierten SAR-Hubschrauber der Bundeswehr kann die Integrierte Rettungsleitstelle in Fürstenfeldbruck nicht direkt zugreifen. Die dem Heer unterstellten Rettungsflieger werden über ein eigenes Alarmierungssystem der Bundeswehr in Münster/Westfalen gesteuert. Die Bundeswehr unterhält derzeit für den gesamten Festlandsbereich nur noch drei SAR-Hubschrauber (für die Küstenbereich ist die Marine zuständig), die für zivile Einsätze angefordert werden können.

Das K.o.-Kriterium für einen Einsatz des SAR-Hubschraubers aus Penzing war jedoch die Tatsache, dass kein Notarzt an Bord ist, sagte der Sprecher der Rettungsleitstelle in Fürstenfeldbruck. Die Bundeswehr hat sich seit 2006 fast vollständig aus dem zivilen Aufgabenbereich zurückgezogen, auch wenn die Fernsehserie „Die Rettungsflieger“ ein anderes Bild vermittelt. Die Luftrettung ist heute überwiegend zivil organisiert ist.

Die SAR-Dienste des Bundes (SAR steht für Search and Rescue, also Suchen und Retten) haben ein anderes Aufgabenfeld. Primär zählen die Suche nach in Not geratenen Luftfahrzeugen, Rettung von Crews und Passagieren und die Unterstützung der eigenen und verbündeten Streitkräfte zu den Aufgaben. Sofern Kapazitäten vorhanden sind, kann im Rahmen der Amtshilfe bei Notfällen im zivilen Bereich geholfen werden. Die moderne Ortungstechnik in der Luftfahrt hat sogar dazu geführt, dass viele SAR-Hubschrauberstandorte der Bun­- deswehr aufgegeben wurden.

Die Verantwortung der zivilen Luftrettung liegt bei den Bundesländern. In Bayern ist die Grundlage des zivilen Rettungsdienstes das Bayerische Rettungsdienstgesetz. Die Luftret­- tungsdienste wurden in einem Ausschreibungsverfahren vergeben, wobei in Deutschland viele vom ADAC bedient werden.

Siegfried Spörer

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