„Die ländliche Idylle muss erhalten bleiben.“

Tobias Linke (25) von der Bayernpartei will Landsberger Landrat werden

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Für den Erhalt der dörflichen Idylle: Tobias Linke.

Hofstetten - Mit 25 Jahren ist Tobias Linke einer der jüngeren Landratskandidaten. Der Elektromeister lebt und arbeitet, im eigenen Betrieb mit zwei Festangestellten und zwei Subunternehmern, in Hofstetten. In seiner Freizeit ist er in der Vorstandschaft des Trachtenvereins „D’Windachtaler Hofstetten“, ist 2. Vorsitzender in der Arbeitsgemeinschaft der Trachtenvereine im Landkreis und Delegierter im Kreisjugendring.

Tobias Linke tritt bei der Kommunalwahl für die Bayernpartei an. Im Interview mit dem KREISBOTEN erklärt er, warum und für wen er Politik machen möchte.

KB: Herr Linke, Sie sind noch relativ jung. Was hat Sie denn dazu bewogen, in den Wahlkampf einzusteigen?

Linke: Politisch interessiert war ich eigentlich immer schon. Nicht nur kommunal, sondern auch auf Landes- und Bundesebene. Mir ist wichtig, dass ich mich an dieser Gesellschaft beteiligen kann. Ich kann nicht immer nur daheim hocken und schimpfen, das bringt mich nicht weiter. Also habe ich mir gesagt: OK, ich lasse mich aufstellen und vielleicht kann ich es ja besser machen. Ob ich der Weisheit letzter Schluss bin, weiß ich nicht, aber ich möchte mitgestalten. 

KB: Warum lassen Sie sich für die Bayernpartei aufstellen? 

Linke: Der erste Gedanke war, dass ich mich für den Gemeinderat auf jeden Fall aufstellen lassen möchte. Dann ist die Bayernpartei auf mich zu gekommen und hat mich gefragt, ob ich nicht auch auf die Liste für den Kreistag möchte. Und wenn ich nun die Chance bekomme, dass ich was tun kann, dann muss ich diese Chance auch wahrnehmen. 

KB: Wie viel Zeit nimmt die politische Arbeit im Moment in Anspruch? 

Linke: Es kommen sehr viele Anfragen per E-Mail rein, wo ich nach meiner Meinung gefragt werde. Ich muss viel recherchieren, um einen Einblick in die Angelegenheiten des Kreises zu bekommen. Wenn man nichts weiß, soll man besser nichts sagen. Also informiere ich mich sehr gründlich und gewissenhaft. Und es gibt die Podiumsdiskussionen. Die Vorbereitung auf eine Podiumsdiskussion kann ein paar Stunden dauern. 

KB: Wenn man nun durch Hofstetten fährt, sieht alles sehr idyllisch aus. Eigentlich brennt es doch nirgendwo, oder? 

Linke: Es geht darum, diese Idylle zu erhalten und das kostet sehr viel Arbeit. Und man macht sich natürlich immer Gedanken darüber, was man besser machen könnte. Wir haben in Hofstetten eine sehr gute Dorfgemeinschaft. Wir haben starke Vereine und eine starke Jugend, die zusammenhält. Es gibt viele Betriebe, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde funktioniert. Hofstetten ist ein gutes Beispiel für ein attraktives Dorf, wo man einfach gerne lebt. Und diese Attraktivität des ländliches Raumes möchten wir erhalten und fördern. 

KB: Großes Thema ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Wie kann der verbessert werden? 

Linke: Es muss viel, viel mehr Werbung bspw. für das Anrufsammeltaxi gemacht werden. Die wenigsten wissen überhaupt, dass es das gibt. Mein Lieblingsmobilitätskonzept lautet allerdings: Daheim bleiben. Wenn vor Ort die richtigen Angebote da sind, also Geschäfte, Betriebe und Vereine, dann muss man nicht quer durch den Landkreis fahren. Die Dorfgemeinschaft muss verbessert und gestärkt werden. 

KB: Das gilt dann wahrscheinlich auf für seniorengerechtes Wohnen? 

Linke: Die großen Pflegeheime sind doch langfristig wahrscheinlich gar nicht gut. Kleine und ambulante Pflegeeinrichtung sind doch besser, damit die Leute nicht aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Wenn ältere Menschen wenigstens in ihrer gewohnten Ortschaft bleiben können, dann gibt ihnen das Halt. 

KB: Damit sind wir dann natürlich bei dem Thema, dass auch das entsprechende Personal dafür gebraucht wird. 

Linke: Das erste, was ich machen werde, wenn ich im Kreistag sitze: Ich werde einen Antrag stellen für eine vernünftige Aufklärungskampagne für die klassischen Ausbildungsberufe der Handwerker*innen, Pflegekräfte, Krankenschwestern und -pflegern, Kindergärtner*innen und viele andere. Die müssen attraktiver gemacht werden. Das sind die Menschen, die in unserer Gesellschaft etwas bewirken. In einer Ausbildung lernt man auch, sich selbst zu helfen. Und dafür möchte ich mich stark machen. 

KB: Dann müssen aber die kleinen Betriebe und Handwerker auch gestärkt werden. 

Linke: Da habe ich eine ganz spezifische Idee. Mir schweben kommunal betriebene Handwerkerhöfe vor. Die Gemeinde stellt ein Grundstück zur Verfügung, auf dem eine Halle gebaut wird. In dieser Halle befinden sich dann verschiedene Abteile mit Werkstätten und Büros. Damit sich junge Leute leichter tun, wenn sie sich selbständig machen wollen. In Wohngebieten verstoßen sie gegen Auflagen. Auf dem freien Markt etwas mieten, ist schwierig. In Landsberg zum Beispiel kostet das ein Vermögen. Ein Gewerbegrundstück kaufen, ist auch problematisch, da braucht man viel Glück und Geld. In dieser Halle, die mir vorschwebt, könnten junge Betriebe arbeiten und wären auch untereinander vernetzt. Gleichzeit schaffen wir Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort. 

KB: Sehen Sie auch Handlungsbedarf bei der Landwirtschaft?

Linke: Die bäuerliche Landwirtschaft stirbt. Das ist einfach Wahnsinn. Die Bauern möchten nicht länger „Schweigegeld“ aus Brüssel und vom Staat bekommen, sondern sie möchten vernünftig mitreden. Das ist eine berechtigte Forderung und ich kann den Bauern im Kreistag Gehör verschaffen. Umweltschutz und Landwirtschaft dürfen keine Gegensätze sein. 

KB: Alternative und regenerative Energien sind in aller Munde. Da sind Sie ja als Elektriker nahezu Fachmann. Was muss sich ändern und wie? 

Linke: Ich bin der Meinung, dass es hierbei keine flächendeckenden Lösungen gibt. Man kann nur auf Gemeindeebene schauen und arbeiten. Was kann ich vor Ort anbieten? Was macht Sinn? Jeder kann sich ja mal schlau machen, was gerade in Fuchstal geschieht. Eine sehr individuelle Lösung, wodurch die Fuchstaler günstigeren Strom bekommen. Viele Biogasanlagen blasen Ihre Restwärme einfach raus, da ist noch so viel Potential drin! Man kann in diesen Fragen aber keine Verordnungen über die Köpfe der Leute hinweg veranlassen. 

KB: Das gilt wahrscheinlich auch für die vielgepriesene E-Mobilität? 

Linke: Wir stürzen uns da auf eine vermeintliche Lösung, die deutschlandweit funktionieren soll. Ich kenne mich in diesem Bereich natürlich hervorragend aus. Im Moment können an einer großen Ortsnetz-Trafostation, wenn man Blind- und Verlustleistung mal außer Acht lässt max. 30 Autos gleichzeitig geladen werden. Nur hängen an dieses großen Ortsnetztrafos oft mehrere hundert Abnehmer. Um E-Autos flächendeckend laden zu können, müsste das gesamte Stromnetz umgebaut werden. Dann müssen wir in Deutschland jede Straße öffnen und Leitungen legen. Ob das am Ende des Tages noch ökologisch ist, wage ich zu bezweifeln. 

KB: Wie lief die Podiumsdiskussion mit den jungen Leuten am letzten Dienstag? 

Linke: Die wurde von Schülern des IKG moderiert und war sehr interessant. Jeder Kandidat sollte mal auf eine Tafel schreiben, was für ihn zur Grundausstattung in einem Klassenzimmer gehört. Natürlich fielen die Begriffe „Beamer“, „W-Lan“ oder „Whiteboard“. Ich habe geschrieben: „Vernünftige Lehrkräfte“. Das gehört für mich zur Grundausstattung. Natürlich sollen die Leute nicht denken, dass wir hier das Licht mit dem Hammer ausmachen. Ich bin ganz vorne dabei, wenn es um Digitalisierung geht. Aber es müssen Grundsätze und Charakterstärke an den Schulen vermittelt werden. Vernünftiger Umgang miteinander, Respekt voreinander und Toleranz. Das ist mir wichtiger, als das jeder ein iPad vor sich stehen hat. 

KB: Wir bedanken uns für das Gespräch. 

edl

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