Dießener Töpfermarkt:

Im keramischen Himmelreich

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Im keramischen Himmelreich „Töpfermarkt Dießen“: Die Gartenkeramik „Terre Vernissée“ von Sabine Stenert aus Caromb in Frankreich vor der traumhaften Kulisse des Ammersees.

Dießen – Der Abschied ist ihnen heuer gar nicht leichtgefallen: 160 Töpfer aus Europa bauten am Sonntagabend ihre Zelte und Stände ab und verabschiedeten sich vom Ammerseeufer und vom 17. Diessener Töpfermarkt. Schweren Herzens, so schien es, starteten sie in ihre Heimat und in der Abenddämmerung lagen sich viele noch in den Armen. Glücklich über gute Verkaufserfolge und über vier Tage in der großen europäischen Kera­miker-Gemeinschaft, wo man sich immer näherkommt und auch beruflich zusammenwächst. „Dießen“, jubelt Nele Havlíková aus Tschechien, die das erste Mal auf dem Markt am Ammersee ausgestellt hat, „da ist das keramische Paradies.“ Sie schaut nochmal zurück: „Nein. Es ist das keramische Himmelreich!“

Der 17. Dießener Töpfermarkt geht in die Geschichte als ein „ganz besonderer Markt“ ein. Einmal ist die große Qualität – das Gütesiegel Dießen – noch einmal getoppt worden. Die Besucher, bilanziert Marktleiter Wolfgang Lösche, seien voll des Lobes gewesen und hätten die Qualität des „berühmtesten deutschen Marktes“ bei jeder Gelegenheit betont und dessen Vielfalt gelobt. „Mir ist dieses Jahr keine negative Kritik zu Ohren gekommen“, fährt der Marktleiter fort. Vielmehr hätte er immer wieder gehört, dass auch die neuen, von der Jury ausgewählten Werkstätten dem Markt insgesamt gut getan haben mit ihren zeitgenössischen Akzenten und ihren Keramiken, die von Großobjekten fürs Freie bis zu verspielten kleinen Kostbarkeiten den Charme des modernen Töpferwesens in positives Licht gerückt haben.

Entsprechend sind Besucher aus ganz Deutschland gekommen. Wer die Kennzeichen der Autos wahrgenommen hat, fühlte sich wie auf einem Streifzug durch die Republik. Auch die europäischen Länder waren nicht nur durch Töpfer am Markt vertreten, sondern durch Gäste aus allen Himmelsrichtungen des Kontinents. Bekannte Keramik-Fachleute sind gesehen worden, ebenso berühmte Töpfer, die sich den Markt ansehen wollten, der momentan in aller Munde ist. Natürlich auch dabei Sammler und Galeristen, die sich hier schon vor der offiziellen Eröffnung, also vor Christi Himmelfahrt niederlassen und mit interessanten Funden und tollen Exponaten rechnen.

Wohlfühl-Atmosphäre

Natürlich ist der Markt in diesem Jahr auch vom Wetter geadelt worden. Diesmal kann niemand behaupten es sei kalt gewesen und nass. Von der Eröffnung bis zum Abbau, der sich bis in den Montag hineinzog, tauchte die Frühsommersonne den Ammersee mit seinen bewaldeten Hügeln in verführerisches Licht. Darüber ein herzerfrischender weiß-blauer Himmel. Er bescherte zusätzliche Harmonie – die die Besucher mit den Ausstellern verbunden hat: „Es ist eine Wohlfühl-Atmosphäre beinahe rund um die Uhr“, strahlte Sepp Kaindl vom örtlichen Trachtenver­ein, der täglich für die Kuchen- und Tortennachlieferung im Markt-Café sorgte. Für Kuchen aus heimischen Küchen, die untrennbar seit 2001 mit dem Töpfermarkt verbunden sind und neben den Fischsemmeln der Ammersee-Fischer und den Brotzeiten der Feuerwehr unterm schattigen Lastenfallschirm einen wesentlichen Teil der Markt-Gastronomie bedienen.

Mitten in der Töpferwelt

Romantische Landschaftsimpressionen von der aufgehenden Sonne über Andechs bis zum Abendrot, bevor die Töpfer im Kalkspatz-Zelt miteinander After-Work-Party und andere Anlässe feierten – verzauberten die Gesellschaft, die sich zu Tausenden vier Tage in den Seeanlagen tummelten. „Alles gut“, lacht Dießens Polizeichef Alfred Ziegler. Er hat den Markt begleitet und meinte am Ende: „Es ist alles gut gegangen, keine Unfälle keine Unregelmäßigkeiten.“ Das liege einmal an der guten Organisation der Großveranstaltung und an der aktiven Mitarbeit der örtlichen Feuerwehren.“ Eingebracht hat sich auch die Ortspolizei: Am nördlichen Zugang gab es eine Infostation, wo sich die Marktbesucher über Sicherheitsmaßnahmen, über Fahrradel-Vorschriften und viele Dinge informieren konnten, wo die Polizei hilft und berät. Es gab auch was zu gewinnen und es wurde viel gelacht mit dem Bayerischen Löwen im Arm.

Zur Verkehrssituation und den Besucherzahlen hat die Polizei täglich Bilanz gezogen. Insgesamt sind auf den ausgewiesenen Parkplätzen, aber auch innerörtlich rund 6.500 Fahrzeuge gezählt worden. Der große Besucheranteil ist übrigens via S-Bahn Herrsching und von dort aus mit den Ammersee-Dampfern angereist. Jedes Mal, wenn die Regionalbahn in den Diessener Bahnhof eingefahren ist, sind Hunderte von Besuchern im Pulk auf dem Marktgelände angekommen. Die Zahl der Radfahrer sei heuer sehr hoch gewesen, berichtet Ziegler, aber auch Biker und die Einheimischen zu Fuß hätten einen wesentlich Anteil der Marktbesucher ausgemacht, die von der Marktorganisation mit 50.000 bis 52.000 angegeben wird. Da bleibt nichts mehr hinzuzufügen: Es war eben großartig!

Beate Bentele.

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