Gründer des Dießener Töpermarktes ist tot

Arthur Sudau: „Ich bin ein glücklicher Mensch“

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Arthur Sudau in seinem Keramikgarten. Der Töpfermarktgründer ist Anfang März gestorben. Die Aufnahme ist vom Mai 2010.

Dießen – Eines Tages hat er einmal einen schwarzen Ton-Taler auf meinen Schreibtisch gelegt. Beim genauen Betrachten entpuppte sich dieser als Gedächtnismünze, die an eine Töpfertagung erinnert, die 1978 in Dießen stattgefunden hatte – und die gleichzeitig den Start eines kleinen Töpfermarktes markierte, der in Dießen die Weichen gestellt hat. Es ist die Rede von Arthur Sudau, Gründer des Süddeutschen Töpfermarktes (heute Dießener Töpfermarkt), der am 1. März 2019 seinen tönernen Welten Adieu sagte. Seitdem brennen in vielen Werkstätten Kerzen für den Arthur, der Generationen von Töpfern einen Weg in die Vermarktung ihres Handwerks geebnet hat.

Arthur Sudau, am 30. August 1925 geboren, lebte für und mit der Keramik. In Studentenjahren entbrannte die Leidenschaft für Kunst und Handwerk aus Ton. So lernte er die Keramikszene der Welt kennen, schätzen und lieben vom hintersten Hindukusch bis in die heimischen Gefilde, er erforschte die Kulturen zwischen Nordafrika und China, zwischen Osteuropa und Sizilien, von Spanien bis Griechenland, Brasilien, Ägypten, Mexiko, Marokko … „Nur Amerika, das hat ihn nie interessiert“, erzählt seine Tochter Luise Sudau, die in den 1990-er Jahren als Töpferin in Raisting tätig war, sich dann aber ihrem studierten Beruf der Sozialpädagogik bis heute widmet.

Arthur Sudau 2010 vor dem zwei Meter hohen Vorratsgefäß, das die Besucher des Keramik-Kabinetts begrüßt.

23 Jahre schrieb Sudau zusammen mit seiner Frau Irmgard in Dießen Keramikmarkt-Geschichte. Das Grundstück an der Rotter Straße mit dem berühmten Keramik-Kabinett und den zahlreichen Nebengebäuden stand nur im Zeichen der Töpferei, des Handwerks, der Kunst. Allein das Wohnhaus war stets eine Dauerausstellung. Sogar das Bad und die Küche zeigten sich als lebendige Bühne für Keramisches aus aller Welt. Vom Sudau’schen Gelände ausgehend, war der Süddeutsche Töpfermarkt ein Meilenstein, den die Welt kannte – und der Dießen als Töpferort in den Blickpunkt rückte.

Zum Jahrtausendwechsel strebte er eine Veränderung an. Sein Irmchen und die zwei Kurzhaardackel wünschten sich mehr Ruhe rund ums Keramik-Kabinett und Sudau sagte eines Tages, „meine Kräfte werden auch nicht mehr.“ So reifte die Ideen, den Süddeutschen Töpfermarkt nach Landsberg zu verlegen. Das führte in Dießen – wie die Dießener halt so sind – zu Wortgefechten und Debatten, denen der damals junge Bürgermeister Herbert Kirsch eine positive Wende gab: „Der Töpfermarkt bleibt hier“, war seine Resümee, „er bekommt einen neuen Namen und wird in die Seeanlagen verlegt.“

Diese Lösung gefiel auch seinem Gründer, der die Marktlizenz des Süddeutschen Töpfermarktes in Landsberg ansiedelte und in Dießen blieb vieles, wie man es gewohnt war. Sudau stellte im Keramikkabinett an der Rotter Straße aus und blieb keramischer Treffpunkt, Trendsetter und Bewahrer großartiger Schätze. Er wurde damit auch eine Destination am Dießener Keramikweg, den Marktleiter Wolfgang Lösche als zusätzliche Attraktion mit dem neu gestalteten Töpfermarkt einrichtete, um die jetzt keramisch orientierten Seeanlagen mit dem Westen der Marktgemeinde zu vernetzen.

In der Seniorenresidenz

Ab 2017 ist es stiller geworden. Sudaus Besuche im Cafe Vogel wurden weniger und er zog um von der Rotter Straße nach Riederau in die Seniorenresidenz. Hier habe er sich sehr wohlgefühlt, hat viele Bücher gelesen und musste sich nicht mehr selber ernähren, „was ihm gutgetan hat.“ Auch wollte er Zeichen setzen, dass die Residenz für die älteren Mitbürger erhalten bleibt, deshalb fuhr er Anfang des Jahres noch nach Landsberg zum Demonstrieren.

Arthur ist ruhig eingeschlafen, ein paar Tage hielt er sich noch im Krankenhaus auf. Glücklich erzählte er kurz vor seinem Abschied noch, dass er erneut Urgroßvater wird und freute sich über das Bäuchlein seiner Enkeltochter. Und so erfüllte sich, was er öfters gesagt hat: „Ich bin ein glücklicher Mensch – so viel Glück, alles hat funktioniert.“

Die Sudaus stammen ursprünglich aus Chorin nördlich von Eberswalde im Brandenburger Landkreis Barnim. Die Region ist auch bekannt wegen Kloster Chorin, einer ehemaligen gotischen Zisterzienserabtei. Seinem Wunsch zufolge ist Arthur Sudau im engsten Kreis der Familie auf dem Friedhof St. Johann in Dießen bestattet worden. 

Beate Bentele

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