Ort der Begegnung

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Tonröhren-Bauwerke dienten im KZ-Außenlager bei Landsberg als Häftlingsunterkünfte. Jetzt könenn sie als Denkmal von nationaler Bedeutung gesichert und konserviert werden – die „Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte“ wünscht sich in der Nähe auch ein Besucherzentrum.

Landsberg – Über drei Jahrzehnte hat es gedauert, jetzt ist ein Dokumentationszentrum am ehemaligen Konzentrationslager bei Erpfting auf gutem Wege. Im vergangenen Jahr erkannte die Bundesregierung das Areal als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ an. Nun fließen auch endlich Fördergelder.

In diesen Tagen rollten die Bagger auf dem Gelände an, die Baustelle wird eingerichtet, um die drei noch intakten Tonröhrenbunker auf der Anlage zu konservieren. Die in ihrer Art einzigartigen Bauwerke waren lange vom Verfall bedroht – durch die Einstufung zum Denkmal von nationaler Bedeutung fließen nun endlich die dringend benötigten Fördergelder. Diese forderte die Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte, die sich für den Erhalt der Bauwerke und auch den Bau eines Dokumentationszentrums einsetzt. 

Studie zugesichert

Die Kosten für die gesamte Konservierungsmaßnahme belaufen sich auf rund 700000 Euro, berichtet Manfred Deiler, Vizepräsident der Stiftung. Der Freistaat beteiligt sich dabei mit 255000 Euro, weitere 215000 Euro bezahlt der Bund. Eine weitere freudige Nachricht erhielten Deiler und seine Mitstreiter vor wenigen Tagen: Die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten versprach eine Machbarkeitsstudie für ein Dokumentationszentrum, das auf dem ehemaligen KZ-Areal entstehen könnte. Das Konzept dafür schlummert schon seit 2012 in Deilers Schublade.

Um das Gedenken in Landsberg zukunftsweisend weiterzuentwickeln, sei laut Deiler ein Dokumentationszentrum als „Ort der Information, des Erinnerns und der Begegnung“ notwendig. Es sollte nahe den Bau- und Bodendenkmälern stehen und eine Dauerausstellung beherbergen. Sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen könnten sich in einem solchen Besucherzentrum mit der Geschichte des KZ-Lagerkomplexes und den nationalsozialistischen Verbrechen auseinandersetzen.

Sieben verschiedene Module schlägt Manfred Deiler in seinem Konzept vor, darunter die Konservierung der Tonröhrenbauwerke. Als nächstes werden die pechhaltigen Straßen auf dem östlichen Teil des Areals durch Folienabdeckungen gesichert. „In diesem Bereich könnten Orte der Begegnung und Information geschaffen werden“, erklärt Deiler. Auch die weiteren Module, bestehend aus Totenbunker, Gebäuderesten, Fundamenten, dem Gedenkbereich mit Gedenksteinen, dem KZ-Friedhof, Massengräber und der „Weg der Menschenwürde und Men-schenrechte“ sollen sichtbar gemacht beziehungsweise in ein Dokumentationszentrum eingebunden werden.

Janina Reich

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