Festzug entfällt, aber:

Gut aufgelegte Leut‘ beim Huosigau-Heimattag in Geltendorf

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Gemeinsamer Tanz: Beim „Gauschlag“ in Geltendorf zeigten die Vorplattler der Huosigau-Trachtenvereine, was sie können.

Geltendorf – Der 62. Huosigau-­Heimattag am Sonntag sollte der Höhepunkt der 70-Jahr-Feier des Heimat- und Trachten­vereins Geltendorf werden – und er wurde es in vielerlei Hinsicht auch. Nur der große Trachtenumzug durch die fahnengeschmückten Straßen der Gemeinde fiel buchstäblich ins Wasser.

Eine knappe Stunde vor dem Start musste Vorsitzender Wolfgang Kurz im Festzelt die traurige Nachricht verkünden. „Leider Gottes“ müsse der Umzug abgesagt werden. Weder den edlen Trachten noch den Blasinstrumenten hätte ein Marsch durch den Regen gutgetan. „Musik spielen und dabei einen Regenschirm halten, ist halt schwierig.“ Immerhin hatte der Kirchenzug am Vormittag wie geplant stattfinden können, so dass die zwölf angereisten Musikkapellen wenigstens eine Kostprobe ihres Könnens geben durften. Enttäuscht auch Schirmherr Landrat Thomas Eichinger, der den Trachtenum­zug für ein Video über den Landkreis hatte filmen lassen wollen. Es sei wichtig zu zeigen, „was es Erhaltenswertes gibt an wunderbarem Brauchtum“.

1.700 Vertreter von Heimat- und anderen Vereinen waren in das Festzelt neben dem Geltendorfer Bürgerhaus gekommen. 27 Trachtenvereine aus dem Huosigau – er reicht vom Münchner Stadtrand quer durch die Landkreise Fürstenfeldbruck und Landsberg bis nach Starnberg und Weilheim – zeigten die reiche Vielfalt dessen, was unter dem Oberbegriff Brauchtum zusammengefasst wird, aber viele verschiedene Gesichter hat. Jeder Verein bekam die Gelegenheit, mit Fahnen und Standarten auf die Bühne zu marschieren und sich dem Publikum zumindest kurz in voller Pracht zu zeigen.

Zwischendurch gehörte das Podium den Vorplattlern aus den Trachtengruppen mit ihren jeweils eigenen Tänzen. „Das Gleichmacherische wollen wir nicht“, so Wolfgang Kurz am Rande der Veranstaltung. Nur einen Tanz gibt es, den alle Plattler der Huosigau-Vereine beherrschen – den Gauschlag, den sie zum Auftakt des Nachmittags gemeinsam vorführten.

Dass Brauchtum nicht zu verwechseln ist mit Heimattümelei, betonte Max Bertl, Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands. Vielmehr gehe es darum, Traditionen an die nächsten Generationen weiter­zugeben und damit die Zukunft positiv zu gestalten. „Was die Trachtler ausmacht, brachte Bertl auf einen einfachen Nenner: „Es sind gut aufgelegte Leut‘, die Freude ausstrahlen.“ Und das sogar in schlechten Zeiten, wie in jenen ersten Nachkriegsjahren, als der Geltendorfer Trachtenverein gegründet wurde. „Die Leute damals haben sicher andere Sorgen gehabt. Aber sie haben auch gesehen: Wir müssen die Heimat mitgestalten, damit die Zukunft besser wird als die Vergangenheit.“ Deshalb sei es auch heute noch wichtig, jedes Jahr einen Heimattag oder ein Gaufest zu feiern.

Dass aber ist nicht mehr selbstverständlich. Laut Dieter Keller, dem Vize-Vorsitzenden des Geltendorfer Trachtenvereins, feierte der Huosigau zuletzt im Jahr 2017. Genügend Ehrenamtliche für die zeitinten­siven und anstrengenden Vorbereitungen zu finden, gelingt nicht mehr jedes Jahr. Keller selbst ist ein gutes Beispiel für jemanden, der notgedrungen gleich mehrere Funktionen ausübt – er ist 2. Vorsitzender, Schriftführer und Pressewart in einem. Dass das Engagement sich lohnt, ist für ihn keine Frage, denn es sorgt für den Zusammenhalt im Trachtengau. „Wenn es die Veranstaltungen nicht mehr gibt, würde man sich gar nicht mehr sehen.“

Ulrike Osman

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