50 Jahre Transall C160

Die Luftwaffe feiert ihren "Engel der Lüfte"

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Auch beim LTG 61-Geschwader sind einige Transall weiß lackiert. Sie sind für Hilfseinsätze vorgesehen. Die UNO-Logos dürfen allerdings nur verwendet werden, wenn die Maschinen tatsächlich im UNO-Auftrag fliegen.

Penzing – Es war eine Geburtstagsfeier der besonderen Art. Das Lufttransportge­schwader LTG 61 feierte den 50. Geburtstag ihres „Arbeitsgerätes“ – dem zweimotorigen Transporter vom Typ C160 Transall. Wegen der vielen Hilfseinsätze in allen Teilen der Welt erhielt der Standardtransporter der „German Air Force“ auch den Beinamen „Engel der Lüfte“.

Zwar sind ihre Tage gezählt, doch die Ablösung durch den neuen Transporter Airbus A400M lässt wegen technischer Schwierigkeiten noch einige Zeit auf sich warten.

Oberst Markus Bestgen, Kommodore des LTG 61, konnte als Hausherr am Freitag mehr als 300 Ehrengäste, Politiker und viele seiner Vorgesetzten begrüßen. Die „Zivilisten“ befanden sich allerdings in der Minderheit, unter ihnen Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner und CSU-Landtagsabgeordneter Thomas Goppel. Für die „technischen“ Informationen rund um die Transall sorgten in der riesigen Wartungshalle systembetreuende Firmen wie ASG Luftfahrttechnik oder Liebherr Aerospace. Der Triebwerkshersteller MTU war nicht nur mit einem Transalltriebwerk präsent. Die Münchner hatten sogar ein 1:1-Modell des Originaltriebwerkes samt Propeller des neuen A400 M mitgebracht. Für das militärische Zeremoniell sorgte das Luftwaffenmusikchor 1 aus Neubiberg mit einem Appell.

Die weiteste Anreise hatte eine Abordnung der türkischen Luftwaffe, die mit einer weiß lackierten Transall angereist waren. Die Türkei hatte in den 70er Jahren einen Teil der deutschen Transallbestellungen übernommen und somit Deutschland wegen zu viel bestellter Flugzeuge aus der „Patsche“ geholfen. Auch Transall­betreiber Frankreich feierte mit in Penzing.

Die Geschichte des LTG 61 ist eng mit dem Flugzeugmuster Transall verbunden. Zwar flog man seit der Gründung des Geschwaders im Jahr 1957 in Erding in den ersten Jahren noch C 47 Dakota und die legendäre Noratlas. Das neue Zeitalter begann 1963, als erstmals eine Transall in Frankreich zum Jungfernflug abhob. Deutschland hatte 110 Flugzeuge bestellt. Die erste Auslieferung an die Luftwaffe erfolgte 1968. Abgeschlossen war die Umrüstung auf die Transall 1971. Im gleichen Jahr zog das LTG 61 mit ihren Transallmaschinen von Neubiberg nach Penzing.

Grenzen aufgezeigt

Generalleutnant Joachim Wundrak, der Kommandeur des Kommandos Operative Führung Luftstreitkräfte, lobte die C 160 vor allem wegen ihrer Zuverlässigkeit. Für ihn ist die Maschine, die zusammen mit den Franzosen entwickelt und gebaut worden war, ein veritables Stück Deutsch-Französischer Freundschaft. Er verschwieg aber auch nicht, dass der Flugzeugtyp heute in manchen Einsatzgebieten an seine Grenzen stößt. Als Beispiel nannte er Afghanistan, ein Land das mit seinen 7000 Meter hohen Bergen doppelt so hoch liegt wie die Schweiz – die Dienstgipfelhöhe der Transall aber liegt bei knapp über 8000 Metern.

Die C 160 Transall, so führte Wundrak weiter aus, sei als „Kampfzonentransporter“ für die norddeutsche Tiefebene entwickelt worden. Bewährt hat sich die „Trall“, wie sie von ihren Besatzungen liebevoll genannt wird, aber vor allem in zahlreichen Hilfseinsätzen rund um den Globus.

Auch General Martin Schelleis, der Befehlshaber des Luftwaffenführungskommandos, konnte als ehemaliger Tornadopilot seine Sympathie für die Transall nicht verleugnen. Gerade in Auslandseinsätzen sei das sonore Brummen der C 160 ein Stück Heimat für die Soldaten im Auslandseinsatz, vergleichbar mit der JU52 in frühe­- ren Zeiten, sagte er.

Trotz des schlechten Wetters zeigte eine Transallbesatzung den Ehrengästen eine Demonstration der Leistungsfähigkeit des Flugzeuges. Mehrere Vorbeiflüge im Langsam- und im Hochgeschwindigkeitsflug oder mit offener Ladeluke beeindruckten die Gäste. Höhepunkt war allerdings die Landung. Die Transall kam im extrem steilen Winkel herein, im Fachjargon auch „Sarajevo-Anflug“, genannt. Der Volksmund würde es als Sturzflug bezeichnen. Sarajevo liegt in einem Talkessel und konnte bei den damaligen Hilfseinsätzen nur im extrem steilen Winkel mit bis zu 20 Prozent angeflogen werden. Zum Vergleich: Verkehrsflugzeuge landen im 3-Grad-Winkel.

Viele Hilfseinsätze Unvergessen bleiben die Hilfsflüge der Transall, auf die die Luftwaffenführung noch heute stolz ist. Von staubigen Sandpisten in Afrika versorgten Transall­piloten notleidende Menschen im Sudan, Äthiopien oder Biafra. Einige Maschinen des LTG 61 waren auch dabei, als Hilfsflüge für die Erdbebenopfer in der Türkei im Jahr 1970 die Betroffenen mit dem Notwendigsten versorgten.

Die Liste der Hilfseinsätze ließe sich beliebig fortsetzen. Es flogen Transallmaschinen der Luftwaffe in Rot-Kreuz-Bemalung, in Weiß bei UNO-Missionen oder bei Katastrophen­ein­- sätzen auch in Olivgrün. Kein anderer Flugzeugtyp der Nachkriegszeit hat sich einen derartigen humanitären Ruf erflo­- gen wie die Transall – eben ein „Engel der Lüfte“.

Siegfried Spörer

Lufwaffe feiert ihren "Engel der Lüfte"

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