Aus der Traum vom Bahnhof mit WC

Die Deutsche Bahn AG hat einen Rückzieher in Sachen Bahnhofsverkauf gemacht. Wie Bürgermeister Dr. Klaus Bühler beiläufig auf der jüngsten Gemeinderatssitzung verkündete, habe er ein Schreiben der DB erhalten, wonach das Unternehmen nicht mehr an einer Veräußerung des Kauferinger Bahnhofs interessiert sei. Für die zahlreichen Pendler heißt dies, dass sie vorerst auch auf eine Toilette am Bahnhof verzichten müssen.

Seit gut drei Jahren hat die Marktgemeinde als potenzieller Käufer ein Auge auf das Objekt geworfen. Wie Bürgermeister Dr. Klaus Bühler gegenüber dem KREISBOTEN bestätigte, seien die Verhandlungen schon sehr weit gediehen gewesen. „Für uns kam die Meldung sehr überraschend, dass die Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin plötzlich einen Verkauf grundsätzlich ablehnt.“ Damit stellte das Unternehmen die Marktgemeinde vor vollendete Tatsachen. „Wir fordern jetzt von der DB eine Begründung. Denn allein zu sagen, wir verkaufen nun doch nicht mehr, reicht uns nicht. Wir möchten schon die Hintergründe wissen“, so Bühler. Der geplatzte Kauf hat nun zur Folge, dass die Gemeinde ihren Plan, in diesem Jahr eine neue Toilettenanlage am Bahnhof zu errichten, auf Eis legen muss. 75000 Euro waren dafür schon im Haushaltsentwurf vorgesehen. „Wir wollten alles in einer Hand behalten: Den Bahnhof kaufen, sanieren und im Rahmen der Außenanlagen auch die Toilettenanlage bauen“, bedauert Bühler die Entscheidung der Deutschen Bahn. Das bisherige marode Toilettenhäuschen ist seit 2008 nicht mehr geöffnet, weil der Unterhalt mit dem Bahnhofskiosk gekoppelt ist und dieser seither ebenfalls nicht mehr betrieben wird. Laut Bühler war der Kiosk bis 2008 von der Marktgemeinde angemietet und wiederum an einen Betreiber weiter vermietet gewesen. Doch solange ein Verkauf des Bahnhofes an die Marktgemeinde nicht gesichert ist, „macht es keinen Sinn, jetzt mit dem Toilettenhäuschen vorzupreschen“, sagte Bühler im Marktgemeinderat. Stattdessen könnten die 75000 Euro für einen behindertengerechten Toilettenanbau am Sportzentrum verwendet werden. Ein Projekt, das bei den Haushaltsberatungen zugunsten der Bahnhofs­toiletten auf das kommende Haushaltsjahr verschoben worden war. Thomas Salzberger (SPD) bezweifelte angesichts der veranschlagten Summe die Notwendigkeit einer solchen Anlage: „In 50 Metern Entfernung haben wir in der Gaststätte Lechau Toiletten, die genutzt werden können. Die Gemeinde könnte sich dort mit einem gewissen Anteil an den Reinigungskosten beteiligen.“ Auch Gabriele Triebel (GAL) war es „zuviel Geld für eine Toilettenanlage.“ Die gegenüberliegende Realschule ver­füge als öffentliches Gebäude über Toiletten, die Gaststätte Lechau habe ab 17 Uhr immer geöffnet. „Wenn es danach ging, dann müssten wir an jedem Spielplatz ein WC bauen.“ Das sei aber dem Pächter nicht zumutbar, meinte Meinrad Mayrock (CSU). Dr. Börries Graf zu Castell (UBV) sprach sich mit seiner Fraktion für den Bau aus, da die Anlage behindertengerecht ausgestattet werden soll. Ein Aspekt, der auch Rosina Heinle (CSU) überzeugte: „Auf dem gesamten Areal haben wir sonst keine Behindertentoilette.“ Die Frage sei nur, ob es „so pompös“ sein müsse oder es eine Nummer kleiner auch täte. Die Leitungen müssten so oder so verlegt werden, ob bei drei oder nur zwei Toiletten, außerdem sei die Ausstattung vandalensicher, erklärte Herrmann Bader vom Bauamtes. „Beim Sparen bin ich dafür, aber wir sollten die Toiletten so bauen, dass wir später nicht so hohe Unterhaltskosten haben“, sagte Hans Koch (SPD). Das wäre am falschen Ende gespart. Mit 13:4 Stimmen sprach sich das Gremium schließlich für die Toilettenanlage am Sportzentrum aus. Bei kleineren Veranstaltungen auf dem Festgelände kann diese mitbenutzt werden. Die Betreiber des Flohmarktes können ebenfalls gegen einen Zuschlag darauf zugreifen und damit auf die bisherigen mobilen Dixie-Toiletten verzichten. Der Festwirt des Kauferinger Volksfestes muss hingegen selbst für „Stille Örtchen“ sorgen. Die Marktgemeinde will, so Bühler, „umgehend mit dem Bau beginnen.“

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