Für die Köderfische:

Teures Fischwasser aus der Gemeindeleitung

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Solche Köderfische tummelten sich in dem Betonring, der mit Vilgertshofe­ner Wasser gespeist wurde.

Landsberg/Vilgertshofen – Ein recht ungewöhnlicher Fall ist am Donnerstag am Amtsgericht Landsberg verhandelt worden: Unter dem Vorsitz von Direktor Michael Eberle war zu beurteilen, ob sich ein 47-Jähriger aus Vilgertshofen des Trinkwasserdiebstahls in seiner Heimatgemeinde schuldig gemacht hat. Das Verfahren wurde eingestellt.

Laut Anklage soll der 47-Jährige im Dezember vergangenen Jahres 475 Kubikmeter Leitungswasser im Wert von 237,50 Euro, unerlaubt aus dem gemeindlichen Wassersystem entnommen haben. Auf die Schliche kam ihm die Gemeinde, weil sie zunächst einen ungewöhnlich hohen Wasserverbrauch registriert hatte und sich deshalb auf Lecksuche begab. Man sei schließlich auf dem Grundstück des Angeklagten fündig geworden. Ein höchst überraschender Anblick: Aus einem in die Erde eingelassenen Betonring sei eine Wasserfontäne in die Höhe geschossen und in dem gefüllten Ring schwammen nach Auskunft eines Zeugen etwa sechs bis acht Fische, allesamt etwa zehn Zentimeter groß.

Die Gemeinde fackelte nicht lange und stoppte die Wasserzufuhr über den dazugehörenden Schieber. Und stellte danach fest, dass besagte Leitung nicht über eine Wasseruhr verfügte. Somit ergab sich der Verdacht, dass das Wasser unerlaubt abgezapft sein musste.

Der Angeklagte hatte dafür vor Gericht eine Erklärung parat. Vor zwei Jahren habe eine Firma bei Baggerarbeiten auf seinem Grundstück eine ihm nicht bekannte Wasserleitung beschädigt. Diese Leitung führte „ins Nichts“, aber es sprudelte Wasser. Um dem ein Ende zu bereiten, habe man die Leitung zunächst mit einem alten Wasserhahn und später mit einem Plastikschlauch abgedichtet.

Die „anscheinend vor Jahr­zehnten“ verlegte Leitung endete in dem Betonring. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Angeklagte und Angler nun einige Köderfische besorgt. Diese habe er „vorübergehend“ in dem Betonring aufbewahrt und hierzu „etwas Wasser“ aus der besagten Leitung laufen lassen. Allerdings: Durch nicht näher bekannten Umstand, eventuell Frostschaden, platzte die Plastikleitung und es kam zu dem fontänenartigen Wasseraustritt und dem Schaden für die Gemeinde. Der Wert der ursprünglich entnommenen Wassermenge wurde vor Gericht auf „höchstens zwei Euro“ beziffert.

Nach der Vernehmung des Vilgershofener Bürgermeisters Dr. Albert Thurner schlug Richter Eberle vor, das Verfahren gegen eine Zahlung von je 250 Euro an die Gemeinde und den Tierschutzverein Landsberg einzustellen. Nach einer kurzen Beratung mit seinem Rechtsanwalt, Joachim Feller, erklärte sich der Angeklagte damit einverstanden. Bereits im Vorfeld war die Rechnung für die Suche und Beseitigung des Lecks kulanterweise beglichen worden.

Unter diesen Umständen war auch Staatsanwältin Julia Ehlert mit der Einstellung des Verfahrens einverstanden. 

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