Italien lässt grüßen

"Trio Italiano" in der Landsberger Christuskirche

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Michele Carulli (rechts) begeisterte durch sanfteste Klarinettentöne, Giovanni Menna verzauberte mit weichen Bratschenklängen.

Landsberg – Italien, das dolce fa niente, süßes Nichtstun im Zitronenhain. Ganz so süß war das Konzert des „Trio Italiano“ am Sonntag in der Christuskirche nicht. Denn immerhin stand neben Mozart und Nino Rota auch Brahms auf dem Programm. Die sanften Klänge, die Serena Chillemi dem Klavier, Michele Carulli seiner Klarinette und Giovanni Menna seiner Bratsche entlockten, ließen aber die Mundwinkel lächeln und regten zum Träumen an.

„Fräulein Klarinette“ nannte Brahms das Holzblasinstrument scherzhaft. Und als der den Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld spielen hörte, war er so hingerissen, dass er 1894 gleich zwei Sonaten komponierte. Die heißen zwar Klarinettensonaten, sind aber wahlweise auch mit der Bratsche zu spielen.

Die Sonate in f-moll beginnt düster und schwer – nicht umsonst liebt die Romantik diese Molltonart. Brahms habe hier auf den „schneidenden und schluchzenden Klang der Klarinette“ gebaut, stellte sein Biograph Max Kalbeck fest. Ein Klang, den Menna eins zu eins auf die Bratsche übertragen kann. Mit starkem Strich kredenzt er die eher abgebrochen wirkenden Tonfolgen des ersten Satzes, auf der Suche nach einer Melodie – die Brahms über das ‚Walzer-Allegretto‘ schließlich in der jubelnden Kadenz des vierten Satzes erreicht.

Brahms zweite Klarinetten-Sonate, sein letztes Kammermusikwerk, bevor er zwei Jahre später starb, ist dagegen nahezu lieblich, ohne jedoch auf grelle Kontraste zu setzen. Ein scheinbar einfacher, heiterer Abschied, den Carulli in klaren Tönen darbietet. Begeisternd ist sein Pianissimo, das fast nur noch ein Hauch ist, dem Ton aber nichts an Fülle raubt.

Steht Brahms in der Mitte des Konzerts, bilden Nino Rota und Mozart Anfang und Ende. Mit dem eher als Filmkomponisten bekannten Rota – für seine Musik zum Paten II erhielt er den Oscar – und seiner „Sonata in Re“ starten Carulli und Chillemi den Abend. Und obwohl sich Rota als klassischer Komponist verstand, schlängeln sich auch in diesem Werk Notenfolgen hervor, die an Filmmusik, an lautmalerische Musik denken lassen. Und vielleicht gerade wegen Rotas Meisterschaft, Musik zu komponieren, die immer überrascht, ohne zu krampfhaft bewusst zu sein, wahrt der Komponist die Leichtigkeit des Spiels.

Den Abschluss macht Mozarts Kegelstatt-Trio – angeblich beim Kegeln mit den Kindern des befreundeten Professors komponiert. Ein Trio deshalb, da Mozart das Geschwisterpaar auf der Bratsche selbst begleitete. Und hier wird deutlich, was das „Trio Italiano“ so hervorhebt: Die drei Musiker scheinen eins im Spiel zu werden. Ein diskreter Seitenblick, ein Heben der Klarinette um Millimeter reichen, um ein perfektes Zusammenspiel erklingen zu lassen. Die Besucher im Gemeindesaal, in dem Veranstalterin der Konzertreihe Cornelia Meyer noch den letzten Platz ausnutzen musste, um allen Besuchern Raum zu bieten, dankte mit großem Applaus.
Susanne Greiner

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