Das Spiel mit den Stilen

„Trio Sfera“ zum ersten mal live im Stadttheater Landsberg

Trio Sfera Landsberg
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Die Cellistin Fanny Kammerlander (Mitte) mit Pianist Jo Barnikel (links) und Norbert Nagel an der Klarinette.

Landsberg – Es ist eine Uraufführung – in gewissem Sinne: Vorher wurde nur gestreamt. Vergangenen Woche ist „Trio Sfera“ dann zum ersten Mal live zu hören: auf einer Bühne, mit Menschen und Klatschen, ohne Äther, ohne Bits and Bites. Cellistin Fany Kammerlander, Pianist Jo Barnikel und Saxophonist Norbert Nagel – in einer Doppelrolle als Moderator – führten das Publikum auf Einladung der Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum im Stadttheater zum Tango, in Weills Welt oder gar in die Bach‘sche Karibik. 

Richtig gelesen, Bach und Karibik kann einen gemeinsamen Nenner finden. Barnikel leitet mit einer klassischen Bachpassage ein, die Nagel mittels Klatschen aus ihrem strikten Rhythmus holt – worauf Barnikel sogleich zum Egg Shaker greift und neben seinem Klavierspiel mit der linken Hand den Sand ganz wörtlich in Bewegung setzt. Wenn dann Nagel mit seinem Tenorsax einsetzt und Kamerlander ihr Cello nicht nur zum Streichen, sondern auch als Rhythmusgerät verwendet, wachsen Bach karibische Flügel.

Kamerlanders, Barnikels und Nagels Wege sind teilweise parallel gelaufen oder haben sich gekreuzt. Barnikel und Nagel – Ersterer 61, Zweiterer 64 Jahre alt – haben beide am Konservatorium Nürnberg ihre musikalischen Meriten erworben. Sie haben den Liedermacher Hannes Wader und Udo Jürgens begleitet, Barnikel war auch mit Angelika Milster oder Ulla Meinecke unterwegs, und angeblich haben sie beide auch im Bierzelt Schlagersänger begleitet. Das sagt zumindest Nagel. Der hat neben Klassik-Ausflügen zu LangLang bei Max Greger und auch Hugo Strasser gespielt. Und da ist es nicht verwunderlich, dass er, ganz im Bigband-Modus, die Moderation des Abends übernimmt. Getroffen haben sich alle drei bei Konstantin Wecker. Und das hört man einigen der Stücke an, die in der Melancholie schwelgen wie beispielsweise Barnikels Eigenkomposition, Nagel nennt es ein „Schmuckstück“: Cello und Flügel scheinen gemeinsam zu singen, das Sopransaxophon improvisiert auf dem Zusammenklang, bevor alle drei im reinsten Dur das Stück hoffnungsvoll ausklingen lassen.

Spannend ist das Programm vor allem nach der Pause des gut zweistündigen Konzerts: Bei „Youkalie“ von Kurt Weill singt die erste Reihe fast mit, bevor die drei Musiker zu ihrer Interpretation eines Schumann-Stückes übergehen, das Nagel mit der Bassklarinette satt begleitet. Klassik im neuen Hörformat: Das lässt aufhorchen, zeigt neue Ecken des Altbekannten. Ein Walzer wechselt zum Volkslied, ein Bach-Hit wird von Barnikel zum Jazz getragen und Kamerlander lässt in einer Eigenkomposition ihr Cello mehrsaitig erklingen – fast eine Meditation.

Am Ende tänzeln die drei von Kamerlanders Eigenkomposition zu Piazzola und hin zu Stings „Fragile“. Ja, auch Pop funktioniert mit Klarinette, Piano und Cello. Und manch einem mag dieses Arrangement besser gefallen haben las das Arrangement.

Die Zuschauer im fast ausverkauften Stadttheater – unter den aktuellen Besucherzahlbeschränkungen – ließen das Trio natürlich nicht einfach so gehen. Drei Zugaben konnten sie sich erklatschen. Und eine davon war natürlich der Tango-Klassiker Piazzolas, der „Libertango“, vom Trio Sfera mit äußerster Präzision und schnellem Takt gespielt.

Dass sich die drei Musiker auf das Spiel vor einem im selben Raum anwesenden Publikum gefreut haben, war ihnen anzumerken. Dabei ist keiner musikalisch dominierend. Insgesamt stellt ihr Spiel das Wichtige in den Vordergrund: die Musik.

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