"Lass die Schultern tanzen"

Pam Pam Ida bringt Glück ins Stadttheater

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Vom Landsberger Publikum euphorisch gefeiert: die sechs Musiker von Pam Pam Ida beim Schlussapplaus im Stadttheater.

Landsberg – Stellen Sie sich einen dieser ganz besonderen Abende vor. Tolle Musik, die Band umwerfend, die Stimmung – unbeschreiblich. Ausgelassenes Johlen, das Grinsen im Gesicht festgetackert, alle Körperteile im rhythmischen Zucken. Gut, oder? Sollten Sie das schon lange nicht mehr gehabt haben, hier eine Empfehlung: Gehen Sie zu einem Konzert der bayerischen Band Pam Pam Ida. Da ist es genau so. Der Beweis: Am Sonntagabend brachten die sechs Jungs aus dem Hintertupfingen-Kaff Sandersdorf das komplett ausverkaufte Stadttheater zum Kochen. Und streuten jedem im Publikum statt Sand Glück in die Augen.

Schon diese Bühne: Baulichter und Diskokugel, dazwischen massenweise Instrumente, von der Blockflöte übers Kinderklavier bis hin zum historisch angematteten Euphonium: „Ich spiel das im Originalzustand“, schwört das nach eigener Aussage „musikalische Mastermind“ von Pam Pam Ida Andreas Eckert. Der auch für die verdrehen Texte über Gockel, Diesel und Liebe verantwortlich ist, denen man aufmerksam lauschen sollte.

Was im Konzert für ‚Neigschmeckte‘ nicht wirklich einfach ist. Denn gesungen wird in tiefstem Bayerisch. Über im Wirtshaus geräucherte Inhalte, versehen mit schillernder Fantasie, tiefgründig, klug. Nicht zu vergessen den Humor. Zum Beispiel in der Hymne „Tommy“, die Pam Pam Ida in Landsberg zum Einstieg anstimmt. Keine Rockoper. Sondern eine Elegie an den totgefahrenen Kater. Oder „Gockel“ aus dem ersten Album „Optimist“: „Keana losst mi on sich ro, und i hob so an Drang. Do fang i o zum Krahn“, ein Text, der Eckert von Herzen zu kommen scheint. Aber da sind eben auch Liebeslieder wie das mit dem Nebentitel „Untergang“ und dem Refrain „Bleib bei mir, lass uns einfach untergehen.“ Oder der Abgesang an den Konsum im Lied „Kaff den Scheiß!“, zu finden auf dem zweiten Album „Sauber“. Bei dem Drummer Julian Menz als Konsumkönig das Abendmahl mit dem „Wort des lebendigen Geldes“ austeilt.

Die Texte sind ungeschnörkelt, echt, vielleicht sogar kitschig. Aber nie peinlich. „Man wäscht seine Seele rein oder man macht sich mal wieder so richtig nackert und beschäftigt sich mit den Problemen, die man nicht weglügen kann“, sagt Eckert dazu. Glaubt man aufs Wort. Denn wie er da auf der Bühne steht, äußerlich den 80ern huldigend in Shirt und Pastell-Jacket, könnte er den größten Schmalz im Schlagermodus singen, es wäre immer noch begeisternd. Was ihm und der Band zutiefst zu eigen ist, ist eben der Spaß an der Musik. Ein Blick auf den grinsenden Gitarristen Daniel Randlkofer, „aus einer Jazzband gerettet“ oder den hintergründig lächelnden Multiinstrumentalist Christian Winkler bestätigt das.

Beim Aufwärmen für den "Schultertanz".

Freude ist auch der Grundton in den abwechslungsreichen Arrangements, die in so ziemlich jedem Stil wildern. Mal Reggae, mal Rap wie in „Bis auf die Knochen“, ein bisschen Liedermacherepos in „Flug zum Mond“. Und immer wieder der gute alte Pop, solide und bekömmlich. Dabei ist die Instrumentierung manchmal abenteuerlich. Es gibt Blockflötenduette von Thomas Thumann und Eckert, Akkordeonarpeggien mit Klimpertönen vom Kinderklavier und dazu satten Bass von Jürgen Neumeier.

Entdeckt wurden Pam Pam Ida von Bayern-3-Moderator Matthias Matuschik 2015. Zwei Jahre später gab‘s das erste Live-Konzert und schließlich den Durchbruch beim Heimatsoundfestival in Oberammergau. Umso bemerkenswerter, dass ‚Musikredakteur‘ des s‘Maximilianeums Armin Federl die Band schon ins Programm einlud, als sich noch niemand über deren seltsamen Namen gewundert hat. Den übrigens Schlagzeuger Menz geträumt hat.

Vielleicht ist es nicht nur die Musik, die beim Publikum diese überschäumende Euphorie erzeugt. Irgendwas machen die sechs Musiker, das sofort jegliche Distanz unmöglich macht. Denn nach dem ersten Titel johlt das Publikum im Stadttheater begeistert, beim dritten tanzt ein Großteil und am Ende sind alle auf den Beinen und huldigen dem „Schultertanz“. Wenn Eckert dann vorne steht und Landsberg preist, das Publikum als das „beste der Welt“ nominiert – „Ihr schaut‘s so gut aus vor dieser Kulisse!“ – und die Organisatoren vom s‘Maximilianeum über den grünen Klee lobt, dann glaubt man gerne auch das. Denn so glücklich war man schon lange nicht mehr.

Susanne Greiner

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