Widerstand hält an

Vehement gegen das Bootshaus

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Die Uttinger kämpfen vehement gegen den Bau eines Bootshaues für das Ammerseepolizeiboot (kleines Bild) am Holzhauser Dampfersteg.

Utting – Da verstehen die Uttinger keinen Spaß, wenn es um den ungetrübten Blick auf ihren geliebten Ammersee geht. So wurde lange und (vorerst) vergeblich gegen das „Strandbad-Monster“ gekämpft, eine Schwenk­arm-Markise, die die Aussicht auf See und Sprungturm einschränkt. Zumindest bis zum Ende des Pachtvertrages des Badbetreibers bleibt jetzt das „Monster“, nachdem der Gemeinderat die Tektur abgesegnet hat. Aktueller „Kriegsschauplatz“ für heimatverbundene Uttinger ist der Dampfersteg in Holzhausen, der gleichsam als überdimensionale Warze ein Bootshaus für die Wasserschutzpolizei bekommen soll.

Dagegen wehren sich vehement Bürgerinitiative und Dorfverein. Ihnen geht es um den Erhalt der historischen Uferlinie der Holzhauser Bucht und des einzigartigen 360-Grad-Panoramablicks sowie um die nachhaltige Sicherung des freien Zugangs zum Dampfersteg. Trotz Protest, sachlichen Argumenten und Gegenvorschlägen scheint dieses Anliegen endgültig verloren. Denn das Bayerische Innenministerium hat entschieden: Das Bootshaus wird am Steg gebaut!

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 14. Januar, werden Oberregierungsrat Richard Filser sowie Vertreter von Ministerium und Polizei den Gemeinderäten und Bürgern die Gründe für die Entscheidung mitteilen und gleich Gestaltungsvorschläge für das Bootshaus unterbreiten. Entscheidung hin oder her – die Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ und der Verein „Unser Dorf“ wollen sich noch nicht geschlagen geben. Sie rufen alle Uttinger Bürger auf, sich um 19 Uhr am Dampfersteg zu treffen und dann gemeinsam in die Gemeinderatssitzung in der Bayerischen Verwaltungsschule Holzhausen zu marschieren, wo es dann wohl hoch hergehen wird…

Seit Jahren wird am Ammersee um ein endgültiges „Dahoam“ für das Polizeiboot WSP7 diskutiert. Das im Jahr 2002 für die Polizeiinspektion Dießen für 165.000 Euro angeschaffte Boot mit neun Metern Länge und drei Metern Breite liegt bislang über den Sommer am Dießener Dampfersteg für Einsätze bereit. Dazu gehören in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Rettung von ver­unglückten Wassersportlern, Bergung von Leichen, Aufklärung von Bootsdiebstählen oder -beschädigungen und auch der Schutz des Fischerei­rechts. Sein Winterlager hat das Polizeiboot in der Stege-ner Werft. Stegen war denn auch eine angedachte Alternative für ein Polizeibootshaus, ebenso Dießen, St. Alban oder Wartaweil. Den unerwünschten Zuschlag hat jetzt aber Holzhausen bekommen.

Die Gegner des Bootshauses hoffen, dass sich bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag das Blatt doch noch zu ihren Gunsten wendet oder dass sie zumindest bei der Planung mitgestalten dürfen, damit der Steg nicht zu sehr verschandelt wird. Der Dampfersteg mit knapp 100 Metern Länge ist einer der am weitesten in den See hinausragenden Bauwerke der Bayerischen Seenschifffahrt am Ammersee. Aufgrund seiner exponierten Lage im See ergeben sich von ihm aus einmalige Rundum­blicke.

Vor allem aber sind die Perspektiven auf Andechs und das Alpenpanorama einmalig. Die Uferlinie der Holzhauser Bucht, vom Wasser aus gesehen, gehört nach wie vor zu den schützenswerten Ensembles dieser Art am Ammersee. Die Uttinger befürchten, dass der freie Zugang auf den Steg wegfällt, wenn die Wasserschutzpolizei dort ihren festen Standort hat. Um 1900 bereits wurde der Dampfersteg in Holzhausen erbaut. Er diente als Ankunftsort für unzählige Schiffsreisende, die neben der Landschaft das heute immer noch ursprüngliche Dorf Holzhausen erkunden wollten. Der in die Jahre gekommene Steg wurde in den letzten zehn Jahren von Holzhauser Bürgern in Absprache mit der Bayerischen Seenschifffahrt renoviert und instand gehalten. Diese einmalige Kooperation sicherte Holzhausen als Haltestelle der Ammerseeschifffahrt. Kein Wunder bei diesem Engagement, dass die Uttinger Bürger vehement ein Mitspracherecht einfordern, wenn es um „ihren“ Dampfersteg geht.

Dieter Roettig

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