Wo laufen sie denn nur?

Trotz Publikum beim Diez: Dießener Fußgängerzone tut sich schwer

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Zum Untermüllerplatz mit der Diez-Säule strömen die Besucher aus den Dießener Seeanlagen. Die Mühlstraße hinauf bis zum Maibaum gehen aber nur wenige, wie Zählungen zur testweisen Fußgängerzone ergaben.

Dießen – Loriots Kultspruch „Ja wo laufen sie denn hin“ stammt zwar aus der Pferderennbahn, passt aber trefflich zur Situation in der testweisen Wochenendfußgängerzone in Dießen. Es sind gefühlt weniger Fußgänger da als vor Beginn der Testphase und sie tummeln sich vornehmlich auf dem Untermüllerplatz. Zur Mühlstraße laufen sie kaum. Die Fußgängerzone dort wird (noch) wenig angenommen.

So kann man das Ergebnis der ersten Zählungen des Stadt- und Verkehrsplaners Robert Ulzhöfer zusammenfassen. Auf Wunsch der SPD-Fraktion gab er in der letzten Marktgemeinderatssitzung einen Zwischenbericht. Die mit der Zählung beauftragten Studenten stellten fest, dass sich Samstagnachmittag und sonntags eine große Anzahl von Spaziergängern aus den Seeanlagen durch die Bahnunterführung auf den Untermüllerplatz bewegt. Von dort geht aber nur eine Minderheit die Mühlstraße hinauf bis zum Maibaum. Obwohl sie zum Flanieren die ganze Straße nutzen könnten, abgesehen von ein paar Falschparkern und die Fußgängerzone immer noch ignorierenden Autofahrern.

Einige Geschäfte haben Samstags bereits bis abends geöffnet, was aber die Besucher scheinbar nicht wissen. Auch das attraktive Tosbecken zum „Wasser-Erleben“ ist noch kein Besuchermagnet. Und vom Maibaum die Mühlstraße runter spazieren noch weniger Besucher, weil sie rund um den Marktplatz keine Parkmöglichkeiten finden.

Hohe Umsatzeinbußen

Leidtragende sind Gastronomen wie das „Eiscafé Venezia“ oder „Michihochzwei“, die an den Wochenenden über zum Teil drastische Umsatzeinbußen klagen. Bei Michaela und Michi Risch falle das Abholgeschäft nahezu aus. Selbst der „Unterbräu“ am Untermüllerplatz verzeichnet samstags und sonntags spürbar weniger Umsatz als vor Einführung der temporären Fußgängerzone. „Die Gäste wollen halt bequem mit dem Auto vorfahren und nicht vom Park-and-Ride-Parkplatz am Bahnhof herlaufen“, mutmaßt Gastwirt Marin Brink.

Erfahrungen sammeln

Laut den Auswertungen von Planer Robert Ulzhöfer beträgt die Verweildauer der Besucher auf dem Untermüllerplatz im Schnitt 15 Minuten. Danach verlaufen sie sich, zum Leidwesen der Gewerbetreibenden aber kaum die Mühlstraße hinauf. Gewerbereferent Thomas Hackl (Freie Wähler) bat den Planer, bei den nächsten Zählungen und Befragungen das Thema noch präziser anzugehen. Kommen die Besucher mit der Bahn, mit dem Schiff, mit dem Auto und wo parken sie? Auch Anwohner, Ladeninhaber und Gastronomen sollen ihre Erfahrungen beisteuern.

Vielleicht bessert sich die Lage, wenn jetzt endlich im gesamten Marktgemeindegebiet das neue Parkleitsystem eingeführt wird. Polizei, Straßenbauamt und Landratsamt hatten sich gegen die ursprünglich vorgesehenen bis zu 2,50 Meter breiten Schilder ausgesprochen, sodass jetzt abgespeckte Versionen mit einer Maximalbreite von 1,50 Meter zum Einsatz kommen.

Grün, gelb und rot

Es wird nur noch drei Versionen geben: „See-Süd“ in Grün als Hinweis zum Parkplatz am Sportzentrum, „See-Nord“ in Gelb zum P&R-Parkplatz am Bahnhof und „Münster“ in Braun-Rot zur Rotter Straße. Damit will man den innerörtlichen Parksuchverkehr reduzieren. Von allen drei Parkplätzen sind das Zentrum sowie Mühlstraße und Untermüllerplatz fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen.

Man darf also gespannt sein, wie die nächsten Zählungen und Umfragen zum Ende der Sommerferien und kurz vor Beendigung der Testphase im September ausfallen werden. Und ob der Marktgemeinderat daraufhin die Wochenendfußgängerzone für eine weitere Sommersaison beschließt.

Dieter Roettig

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