Trügerische Winteridylle

Die Retter zeigen, dass man sich im Fall eines Einbruchs am besten liegend auf dem Eis bewegt. Foto: Wasserwacht

Eislaufen in der freien Natur klingt trotz der frostigen Temperaturen verlockend. Allerdings kann ein Ausflug auf die zugefrorenen Seen fatal enden, denn die Eisdecken sind oftmals noch nicht tragfähig. Daher warnen die Wasserwachten und Rettungsdienste eindringlich vor Einbruchgefahr.

„Auch bei lang anhaltender Kälte besteht beim Betreten von Eisflächen weiterhin Gefahr für Leib und Leben“, warnt Siegfried Dumbsky, technischer Leiter der Kreiswasserwacht Landsberg. Die Tragfähigkeit der Eisflächen schwanke stark. Das habe mehrere Ursachen, wie Strömungen, Zuflüsse oder Bodenwärme. Um das Eis sicher betreten zu können müsse das sogenannte Kerneis mindestens eine Dicke von zehn Zentimetern haben, bei mehreren Personen oder Gruppen sogar 20 Zentimeter. „Es ist zu beachten, dass die Eisdecke in der Regel zur Mitte des Gewässers abnimmt.“ „Wenn es zu einem Einbruch im Eis kommt, dann bleibt für eine Rettung oft nur sehr wenig Zeit, bevor die eingebrochene Person unterkühlt“, sagt Andrea Wiskow, Ausbildungsleiterin der Johanniter im Regionalverband Oberbayern. Binnen Minuten könne man dadurch die eigenen Kräfte nicht mehr mobilisieren. Auch käme es sehr schnell zu schweren Erfrierungen oder sogar Kreislaufversagen. Wichtig sei es bei der Rettung aus winterlichen Gewässern, sich auf der Eisfläche liegend und mit gespreizten Armen und Beinen zu bewegen. Das gelte für die Selbstrettung genauso wie für die Retter. „Als Ersthelfer sollte man immer zuerst den Notruf 112 wählen.“ Zivile Helfer sollten wenn möglich vermeiden, das Eis bei der Rettung eines anderen zu betreten und sich Gegenstände wie Äste, Leinen oder Bretter zur Hilfe nehmen. Eine gerettete Person muss dann unbedingt weiter vor einer Unterkühlung bewahrt werden. „Daher sollte der Körper flach gelagert und in Decken, Mäntel oder ähnliches gewickelt werden“, erklärt Wiskow. Weil es auch in den vergangenen Jahren im Landkreis schon zu Einbrüchen kam, haben sich die Wasserwachtgruppen bereits bestens gerüstet. Immer wieder wird die Eisrettung praxisnah geübt. „Die Einsatzgruppen sind mit modernen Eisrettungsgeräten und Wärmeschutzanzügen ausgestattet“, berichtet Siegfried Dumbsky. Sowohl Wiskow als auch Dumbsky weisen auf die allgemeinen Verhaltensregeln auf dem Eis hin: Die Eisflächen dürfen erst betreten werden, wenn das Eis dick genug ist. Markierungen, Schilder oder Warnhinweise müssen unbedingt beachtet werden. „Wenn es knistert und knackt, muss man das Eis sofort vorsichtig verlassen“, rät Dumbsky. Falls eine Person einbricht, gilt es, Panik zu vermeiden und sofort die Rettungskräfte zu verständigen. Dumbsky versichert: „Die Wasserwachten im Landkreis sind 24 Stunden alarmierbar.“

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