Hoffnungsschimmer beim A96-Tunnel-Ärger

Bei Stau links vorbei?

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Mit Frühwarnsystem und einseitiger Durchfahrtsmöglichkeit könnten die Vollsperrungen der A96-Tunnel abgemildert werden.

Landkreis – Sie ist eine der Hauptverkehrsadern der Region: die A96. Für viele Pendler wird sie jedoch auch immer öfter ein Albtraum. Denn die durch die Höhenkontrolle ausgelösten Staus bei Eching und Etterschlag rauben jedem Autofahrer den letzten Nerv. Auch der ehemalige Denklinger Bürgermeister und jetzige Bundestagsabgeordneter Michael Kießling (CSU) steht regelmäßig vor dem geschlossenen Tunnel: „Das ist keine hinnehmbare Situation.“ Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab.

Den Ärger der Autofahrer könne er deshalb absolut nachvollziehen. „Ich stehe in engem Kontakt zum Verkehrsministerium und zur Autobahndirektion Südbayern zu dem Thema. Dort arbeitet man mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation“, verspricht Kießling weiter.

Aufgrund der zahlreichen Sperrungen des Tunnels liegt die Annahme nahe, dass die Kontrolle fälschlich ausgelöst wurde. Dem ist aber angeblich nicht so: Die Höhenkontrolle sei wohl bisher immer korrekt ausgelöst worden, habe ihm die Autobahndirektion versichert, betont Kießling. Denn jeder Auslösung könne ein Fahrzeug zugeordnet werden, das die zulässige Höhe der Straßenverkehrszulassungsordnung erheblich überschritten habe. Das ändere natürlich nichts an dem volkswirtschaftlichen Schaden, den eine Vollsperrung nach sich ziehe: „Das ist Zeitvernichtung für Autofahrer und eine Belastung für die Anwohner in den anliegenden Gemeinden“, sagt der Bundestagsabgeordnete.

Umso wichtiger sei es, dass nun an einer wirksamen, mehrstufigen Lösung gearbeitet werde, die auf einer Kombination aus zusätzlicher Verkehrstechnik und neuen verkehrsrechtlichen Möglichkeiten beruhe. Zum einen sollen die überhohen Fahrzeuge frühzeitiger erfasst und durch Anzeigetafeln in weiter vorne liegenden Autobahnabschnitten, hinter denen noch eine Ausfahrtmöglichkeit besteht, von der Autobahn ausgeleitet werden beziehungsweise überhaupt gar nicht erst auffahren können.

Linke Spur frei?

Komme dann trotzdem ein überhohes Fahrzeug bis zum Tunnel, solle es durch geeignete Anzeigen und eine rechtliche Sonderregelung möglich sein, dass der linke Fahrstreifen trotz eigentlicher Tunnel-Vollsperrung für Pkw freigegeben wird – wenn diese langsam fahren. Stockenden Verkehr wird es dadurch wohl dennoch geben. Aber Vollsperrungen könnten so verhindert werden. Dieses langsame Vorbeifahren auf der linken Spur werde eventuell bereits im Frühjahr möglich sein, stellt Kießling in Aussicht.

Insgesamt müssten für die Installation dieses zusätzlichen Höhenwarnsystems 50 Standorte für Messsensoren und elektronische Anzeigetafeln aufgestellt und mit Strom versorgt werden. Voraussichtlich Mitte des Jahres werde dann das gesamte System in Betrieb gehen. „Sollten die Pläne so umgesetzt werden und funktionieren, wird das zu einer echten Entlastung aller Beteiligten führen“, hofft Kießling.

Die Nachrüstung der beiden Tunnel bei Eching und Etterschlag mit moderner Sicherheitstechnik wie Löschvorkehrungen oder besondere Scheinwerfer sei wegen neuer Sicherheitsvorgaben der EU notwendig gewesen, betont Kießling. Mehrere schwere Unfälle in Straßentunneln hätten dazu geführt, dass die EU diese Regelungen erlassen habe. Die Höhenkontrollen in Eching und Etterschlag dienten nun in erster Linie dem Schutz der neu installierten und äußerst empfindlichen digitalen Sicherheitssysteme im Tunnel. Denn sollten diese beschädigt werden, müsse der Tunnel so lange gesperrt werden, bis die System wieder funktionstüchtig seien.

Es habe bereits Fälle gegeben, bei denen überhohe Lkw Lösch­wasserleitungen oder schwere Scheinwerfer von der Decke herabgerissen hätten. Und in solchen Fällen seien ja neben dem Ausfall der Sicherheitstechnik auch erhebliche Schäden an den nachfolgenden Fahrzeugen und Verletzungen der Fahrzeuginsassen nicht auszuschließen.

Pendler werden sich freuen, wenn sie im Frühjahr statt zu stehen wenigstens auf der linken Spur durch die Tunnel kriechen können. Ob das ‚Frühwarnsystem‘ die erhoffte Lösung wird, bleibt abzuwarten.

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