Turbulenzen in Pink

Wirrwar um einen vermeintlich toten Untermieter: Matthias Spandl, Harald Dollinger und Benjamin Hellmann (von links nach rechts, unter der Decke Götz Hofmann). Fotos: Eckstein

Meldungen, in denen Menschen mit kleiner und großer krimineller Energie den Sozialstaat betrügen, finden sich regelmäßig in den Medien. Meist ist das nicht witzig. Die landsberger bühne hat es mit ihrer Inszenierung von Michael Cooneys skurril-zynischer Komödie „Cash“ geschafft, das Publikum von einem Lachanfall zum nächsten zu treiben.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der arbeitslose Eric Swan (Harald Dollinger), der mithilfe von fiktiven Handicaps noch fiktiverer Untermieter Geld von diversen Ämtern kassiert. Doch gerade, als ihm die zahllosen Geschichten über den Kopf wachsen und er beschließt, seine „Mitbewohner“ nacheinander sterben zu lassen, klingelt ein Kontrolleur des Sozialamts (Benjamin Hellmann) an der Tür. Swan muss in die Rolle eines seiner „Antragsteller“ schlüpfen, sein einziger echter Untermieter Norman Basset (Matthias Spandl) muss als Vermieter Eric Swan auftreten, denn dummerweise hat Swan am Morgen Basset telefonisch als tot gemeldet. Doch nicht genug der Turbulenzen: Nacheinander mischen sich noch eine Familienfürsorgerin (Gabriel Raum), ein Bestatter (Franz Krauß), Swans Onkel George (Götz Hofmann) und nicht zuletzt Swans cholerische Ehefrau Linda (Sabine Mühlbauer) samt Therapeutin (Daniela Echterbruch) ein. Für die finale Auflösung sorgt schließlich die Vorgesetzte des mittlerweile derangierten Sozialprüfers (Franziska Dittrich – für die erkrankte Edelgard Dörre eingesprungen). Da fliegen die Türen, stürmen die Darsteller über die Bühne, ein ständiges, turbulentes Rein- und Raus, Verwechslungen, Verkleidungen, Missverständnisse, ein Gag jagt den nächsten. Die Darsteller überzeugen und begeistern in ihrer Überdrehtheit und haben sichtlich Spaß am Spiel, was sicherlich auch an der perfekten Besetzung liegt. Besonders hervorzuheben sind Harald Dollinger als Eric, der sich immer mehr im Strudel seiner Betrügereien verliert, und Matthias Spandl als übersensibler Norman Basset, der sich gegen seinen Willen zum Komplizen machen lässt. Rasante Handlung, ein plakatives Bühnenbild in Schwarz-Weiß-Knallpink, überzeichnete Charaktere. Regisseurin Sabine Kittel spielt mit den Merkmalen des Boulevards, ohne jedoch den Hintersinn des Stücks aus den Augen zu verlieren. Der Behördenwirrwar als Labyrinth (auch im Bühnenbild visualisiert), in dem man sich verlieren, mit vielen Tricks und Finessen aber seinen Weg finden kann. Zynisch die Szene, in der sich Eric quasi als Opfer stilisiert, das die finanziellen Hilfen der Ämter nahezu aufgedrängt bekam. Ein sehr witziges, turbulentes Stück mit Tiefgang, das mit Standing Ovations bedacht wurde. Weitere Vorstellungen sind am 20., 21., 22. und 25. Januar jeweils um 20 Uhr und am 23. Januar um 18 Uhr.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Neue Könige der Gesellschaft?
Neue Könige der Gesellschaft?

Kommentare