Das Wunder vom Marienmünster

Turmsanierung Marienmünster Dießen: Kosten deutlich günstiger als geplant

Immer noch eingerüstet: der Kirchturm des Dießener Marienmünsters.
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Der Kirchturm des Dießener Marienmünsters ist immer noch eingerüstet, weil die aufwendigen Sanierungsarbeiten corona-bedingt noch nicht abgeschlossen sind. Erst dann und nach Ende der Frostperiode wird das 25 Etagen hohe Gerüst abgebaut.

Dießen – Bei öffentlichen Bauvorhaben ist man mittlerweile daran gewöhnt, dass die Kosten explodieren, siehe Warmbad Greifenberg. Ganz anders bei der Sanierung des Kirchturms beim Marienmünster. Daniel Günther, Abteilungsleiter beim zuständigen Staatlichen Bauamt Weilheim, hat diesbezüglich gute Nachrichten, die man als ‚das neue Wunder‘ vom Marienmünster bezeichnen kann.

„Anders als es die aktuelle Hochkonjunktur im Bausektor erwarten lässt, fallen die Kosten der Sanierung wesentlich günstiger aus als im genehmigten Rahmen von 700.000 Euro. Die avisierten Vergabekosten der gewerkweisen öffentlichen Vergaben wurden dabei deutlich unterschritten.“ Damit werden die Gesamtkosten bei rund 280.000 Euro liegen.

Zum Jahreswechsel sollte die Sanierung des Glockenturms am Marienmünsters eigentlich abgeschlossen sein. Doch noch immer steht das mit Staubschutznetzen verhüllte 25 Etagen hohe Rundum-Gerüst. Die Arbeiten der bis zur Zwiebelkuppe-Unterkante 54 Meter hohen Fassade samt Turmuhr dauern noch an.

Daniel Günther erklärt die Verzögerung mit der Corona-Pandemie: „Aufgrund des Corona-bedingten Ausfalls von Handwerkern und der daran anschließenden Quarantäne konnten einige Arbeiten noch nicht fertiggestellt werden.“

Die Malerarbeiten auf der 2.400 Quadratmeter großen Fassadenfläche seien zwar zu 90 Prozent abgeschlossen, aber es stehen noch Restarbeiten an der unteren sockelnahen Turmzone an. In Abstimmung mit der Denkmalpflege werden zwei Farbtöne in jeweils drei Farbschichten aufgetragen. Da hierzu und auch für die Uhr das Fassadengerüst benötigt werde, müsse der Turm noch eingerüstet bleiben.

Während die Sanierung der hölzernen Schallläden sowie die Instandsetzung der Glockengang-Nebenausgangstüre als erledigt abgehakt werden konnten, stehen bei der Turmuhr noch etliche Arbeiten an. Aufgrund der Höhe konnten die Schäden am Ziffernblatt und an den Zeigern erst nach dem Aufbau des Gerüsts festgestellt werden wie verbogene Zeiger oder Abplatzungen bei der ­Goldauflage.

Nach Abschluss der Malerarbeiten sowie der Uhrensanierung samt Vergoldung der Zeiger wird das Gerüst abgebaut, sofern Frostfreiheit besteht. Denn parallel zum Rückbau müssen die Gerüstankerlöcher geschlossen werden.

Sanierung überfällig

Die Sanierung des Kirchturms war überfällig geworden, nachdem Wind und Regen vor allem an der Westseite erhebliche Verwitterungsschäden verursacht hatten. Die Handwerker mussten ihre Qualifizierung und Erfahrung bei ähnlichen Arbeiten durch entsprechende Referenzen belegen. Der Kirchenturm ist zwar nicht denkmalgeschützt, aber er liegt in einem „denkmal-historischen Umfeld“, wie Kirchenpflegerin Barbara Mann betont. Die Sanierungsarbeiten werden von Architektin Verena Selmigkeit vom Staatlichen Hochbauamt in Weilheim koordiniert. Denn zuständig für den Unterhalt ist wegen der Säkularisierung vorrangig der Freistaat Bayern.

Der Turm ist wesentlich jünger als das ehrwürdige Marienmünster, das 1739 als Stiftskirche der Augustiner Chorherren festlich eingeweiht wurde. Mit der Säkularisierung wurde sie 1809 Dießens Pfarrkirche und schließlich 1989 vom Augsburger Bischof Josef Stimpfle zum Münster geadelt. Der Oberteil des ursprünglichen Glockenturms wurde 1827 durch Blitzschlag und Schwelbrand zerstört, schmucklos wieder aufgebaut und anschließend mit einer neugotischen Spitzhaube besetzt. Erst 1985 wurde der jetzige Turm durch den Münchner Architekten Richard Zehentmeier nach den ursprünglichen Plänen von Baumeister Johann Michael Fischer (1692 - 1766) errichtet. Finanziert vom Freistaat Bayern, der Diözese Augsburg und der Dießener Kirchengemeinde, die viele Spenden von der Bevölkerung einsammeln konnte. Der Turm mit einem Grundriß von 8,5 mal 8,5 Metern ist ein Stahlbetonbau mit einer Wandstärke von bis zu einem Meter. Inklusive Zwiebelkuppe und Kreuz misst er stolze 80 Meter. Die massive Bauweise hat ihren Grund: Allein die acht Glocken im Gestühl wiegen fast 16 Tonnen.
Dieter Roettig

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