"The Twiolins" mit Landsberger Geigen

Das Geigenduo überzeugt mit Klassik und Artpop

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Virtuos und mit überbordender Leidenschaft absolvierten „The Twiolins“ ihr aktuelles Programm „Secret Places“ im Theatersaal des Augustinums. Das Publikum war begeistert von den neuen Dimensionen, die sich in der Mixtur aus Klassik, Avantgarde und Artpop auftaten.

Dießen – Fenster aufmachen und frischen Wind reinlassen! Mit diesem Motto eröffnete die Seniorenresidenz Augustinum ihr Kulturprogramm für das neue Jahr. Das Gastspiel des Violinen-Duos „The Twiolins“ entpuppte sich aber als ein musikalischer Sturm, der beeindruckend und nachhaltig durch den gut besuchten Theatersaal wehte. Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim boten eine neue und noch ungewohnte Klangwelt mit ihrem Programm „Secret Places“.

"The Twiolins" bezeichnen sich als Pioniere einer neuen Strömung namens „Progressive classical music“. Ohrverwöhnende Harmonik, weitgreifende Melodiebögen, aber auch exzentrisch pulsierende Rhythmen sind das Markenzeichen ihrer Musik, bei der Klassik, Avantgarde, Minimalmusik und Artpop zu einem rauschenden Klangkosmos verschmelzen.

Ohne Noten und mit überbordender Spielfreude sprangen die Geschwister zwischen den Genre-Grenzen hin und her. Vivaldis „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten eröffnete passend zum Wetter das Programm, um mit dem „Sommer“ zu enden. Dazwischen Werke zeitgenössischer Komponisten, um dann doch wieder auf Piazzolla zurückzukommen.

Da es speziell für zwei Violinen wenig Kompositionen gibt und deshalb auch weltweit kaum Violinen-Duos existieren, haben die Geschwister 2009 einen eigenen Kompositionswettbewerb ins Leben gerufen und fordern alle drei Jahre zum Wettstreit auf, wie Marie-Luise Dingler dem Publikum erklärte. Mit Erfolg: Über 500 Komponisten aus 55 Nationen haben bisher am „Progressive Classical Music Award“ teilgenommen. Und so haben die beiden Geigenkünstler inzwischen ein unglaubliches Repertoire an gewagten Klangkombinationen und betörenden Melodien, die sie mit wahnwitziger Virtuosität in ihre Programme einbauen. Auch im Programm „Secret Places“ war das zu hören, in dem Werke aus Deutschland, Polen, Ungarn und den USA zur Aufführung kamen.

Marie-Luise und Christoph Dingler servierten im Augustinum Musik am Puls der Zeit, die abenteuerlich und wild, aber auch zart und säuselnd war. Im perfekten Zusammenspiel, mit technischer Präzision und Leidenschaft berührten sie das Innerste des begeisterten Publikums. Wie in einer Trance hypnotisierten die Geschwister die Besucher und ließen Zeit und Raum zur Ruhe kommen.

Unter den aufmerksamen Zuhörern spitzte einer ganz besonders die Ohren: Geigenbaumeister Martin Schleske, der seit 2015 von seiner Werkstatt in der Landsberger Altstadt aus Violin-Virtuosen in der ganzen Welt individuell mit Instrumenten der Extraklasse ausstattet. Auch „The Twiolins“ schwören auf seine Geigen, die in der fein abgestimmten Akustik des Theatersaals optimal zu Geltung kamen.

Trotz über tausend Konzerten sind „The Twiolins“ noch ein Geheimtipp in der Klassik- und Artpop-Szene. Es ist den sympathischen Geschwistern absolut zu wünschen, dass sie bald einem breiten Publikum bekannt werden. Das Fernsehen muss ja auch nicht immer auf einen David Garrett zurückgreifen, wenn es um außergewöhnliches Geigenspiel geht.

Dieter Roettig

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