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„twoWell“ eröffnen Dießener Münsterkonzerte

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Maria und Matthias Well im Dießener Marienmünster.
Sehnsuchtsvolle Klänge: Maria und Matthias Well im Dießener Marienmünster. © Kramer

Dießen – Es ist ein ehrliches Wort, mit dem Maria Well am Samstagabend im Marienmünster das Publikum begrüßt: „Da legst di nieder, wir kommen wieder“. Damit drückte die Cellistin ihre Ehrfurcht vor dem Spielort aus. Gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Violinisten Matthias Well, eröffnete die Musikerin die diesjährige Saison der Münsterkonzerte in Dießen. 

Gleichzeitig war das Klassikkonzert auch ein Teil der Kreiskulturtage. Daher hatte das Duo „twoWell“, wie sich die Geschwister nennen, das Thema „Sehnsucht“ in den Fokus ihres Programms gestellt. Ganz abgesehen von diesem Motto hatte Maria Well auch wirklich Sehnsucht, denn sie stand zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder mit ihrem Bruder auf dem Podium. Was die beiden, unabhängig von den Stücken, die sie interpretierten, auszeichnete, war die Moderation des Abends. Sie gaben kurze Erklärungen und kleine Geschichten zu den Programmpunkten. Das lockerte den musikalischen Vortrag auf und ließ die Besucher nicht ratlos allein mit dem Programmzettel.

„Sehnsucht“ gehört zu den Empfindungen, die einen festen Platz in der Musik haben. Wunderbar illustrierte das Duo Sehnsucht in dem irischen Volkslied „Danny-Boy“. Ganz zart geriet der Dialog zwischen Geige und Violoncello. Die beiden eng verwandten Instrumente unterscheiden sich nicht nur in der Größe, sondern vor allem darin, dass der Tonumfang des Cellos deutlich weiter ist, als der der Violine. Es kommt wesentlich tiefer herunter, aber fast so weit nach oben wie die Geige. Das Cello gibt der Melodie in dieser inoffiziellen Hymne der Iren, in der es um die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen und dessen Wiederkehr geht, eine wunderbar melancholische Note.

Begonnen hatten die Zwei ihren Auftritt im Münster mit dem „Mozart“ des Violoncellos, dem französischen Komponisten Jean-Baptiste Bréval (1753 – 1823). Sie spielten sechs Duos aus dessen opus 19 und führten damit hochvirtuos in die Klangwelt der beiden Instrumente ein. Zudem drückte es auch eine weithin unbekannte Sehnsucht und einen nicht mehr erfüllbaren Wunsch aus: Maria Well erklärte nämlich den rund 170 Zuhörern, dass Wolfgang Amadeus Mozart kein einziges Stück für Violoncello geschrieben habe. Der Mann aus Salzburg habe das Instrument einfach vergessen. Hätte er nicht tun sollen. Die musikalische Welt wäre reicher geworden.

Fast akrobatisch war anschließend der Soloauftritt von Matthias Well mit der herausfordernden Etüde Nr. 3 von Astor Piazolla. Natürlich kamen dann noch fünf Tangos des Argentiniers, die allerdings ursprünglich für Violine und Kontrabass komponiert waren. Doch hier zeigte sich wieder die Flexibilität des Violoncellos. Reizend in der Folge die „Regentropfen“ von Jean Sibelius (1865 –1957), ein „feines, kleines Stück“, wie Maria Well sagte. Tatsächlich ist dieses Werk, das in seiner Pizzicato-Art ganz selten zu hören ist, eine Versöhnung mit dem und fast eine Sehnsucht nach dem Regen. Mit dem nahezu ‚bluesigen‘ „St. James Infirmary“, einem nordamerikanischen Volkslied und späteren Jazz-Standart, endete das Programm – ein Ende, dessen Geheimnis sich in dem nicht wirklich fröhlichen Inhalt des Songs versteckt: Der Titel bezieht sich auf eine Krankenstation.

Mit Bravorufen und Standig Ovations erklatschten sich die Besucher zwei Zugaben – darunter eine Komposition von Charles Chaplin.
Alois Kramer

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