Die Zahl der Reparaturen im Landsberger Repair Café steigt

Retten statt wegwerfen

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Besucher und Reperateure arbeiten zusammen.

Landsberg – Kaffeemaschine ist kaputt? Egal, dann wird eine neue gekauft. Die Uhr geht nicht mehr, kann wieder eine geholt werden. Das Radio gibt kaum mehr ein Geräusch von sich? Was solls, kam aus China und hat nicht so viel gekostet. Für das Repair Café gelten solche Aussagen nicht: Hier wird nichts weggeworfen, hier wird repariert!

Die ehrenamtlichen Helfer, alle treten lediglich mit Vornamen auf, treffen sich einmal im Monat im Jugendzentrum Landsberg und reparieren gemeinsam kaputte Kleingeräte beispielsweise Toaster, Radios, Spielzeug, Kleinmöbel, geflickt werden aber auch Hosen und Stricksachen. In dem 150 Quadratmeter großen Raum reihen sich die Tische aneinander. An der linken Wand sitzen Menschen, die gerne ihre mitgebrachten Elektrogeräte und Spielzeuge repariert haben möchten. Wolfgang Biehr, Initiator und Projektleiter des Repair Cafés, nennt diese Menschen nicht Kunden sondern Besucher oder Gäste, da sie nichts kaufen; sie sind dort, um ihre Sachen gemeinsam mit den Ehrenamtlichen zu reparieren. „Es ist nicht so, dass jemand kommt und sagt ‚ich leg dir das hin und geh jetzt einen Kaffee trinken und dann macht‘s mal‘. Sondern er muss sich dazu setzen und auch helfen“, stellt Biehr klar. Bei allem, was die Helfer nicht wieder flott machen können, werden die Besucher an entsprechende Spezialisten und Werkstätten verwiesen.

Der Großteil der Helfer ist seit dem ersten Treffen im Januar 2015 mit dabei. Insgesamt wurden bisher 1.800 Dinge von rund 2.400 Besuchern gerichtet. Schon ersten Termin dieses Jahres waren es mehr als 80 Geräte. Darunter eine Uhr, ein Staubsauger, Radio, Stereoanlage, auch ein einfacher Knirps - ein Taschenschirm -, eine über 100 Jahre alte Lampe und ein metallenes Mobile aus Künstlerhand.

Im Repair Café wird allerdings nicht alles repariert und einige bereits von vornherein abgelehnt: Viele Geräte seien in ihrer Elektronik sehr verschachtelt oder auch verklebt, erklärt Biehr: Etwa Drucker und Handys. Rasierer werden beispielsweise aus hygienischen Gründen nicht gerichtet. Rund die Hälfte der mitgebrachten Gegenstände kann allerdings erfolgreich repariert werden. Bei 20 Prozent ist ein Ersatzteil nötig, das der Besucher organisieren muss, dann kann es im Café eingebaut werden. Der Rest muss jedoch entsorgt werden, diese Aufgabe muss auch der Besucher übernehmen.

Alles Freiwillige

Johannes ist Informatiker, doch in seiner Freizeit befasst er sich gern mit der Elektrotechnik.

Die Freiwilligen sind zu 80 Prozent Senioren: Diese sind berufliche Hochkaräter, merkt Biehr an. Unter ihnen sind auf den Plätzen Ingenieure und Techniker, ein Gymnasiallehrer neben einem Rettungssanitäter, Diplom-Ingenieure und Informatiker - sie schauen selbst, was sie von den Geräten reparieren können und was nicht. Manch einer von ihnen ist auch noch berufstätig.

„Eigentlich hab ich mit der Elektrotechnik eher als Hobby zu tun“, sagt Johannes, ein Informatiker, der sich auch gern um Radios oder Lampen kümmert. „Da ich das wirklich liebe und so wenig zu reparieren habe, leb ich das hier aus.“

An der Pinnwand hängen alle Aufträge, die bei der Anmeldung eingegangen sind. Die Freiwilligen müssen nicht alles erledigen, sie können selbst entscheiden, was ihnen Spaß macht und was sie sich zutrauen, erklärt Peter. Er wird als Universalist angesehen, weil er alles macht; in seiner Vergangenheit hat er von der Holzverarbeitung bis hin zur Elektrotechnik gearbeitet. Gerade liegt ein Diaprojektor vor ihm. Peter öffnet das Gerät und schraubt die Birne heraus, die offensichtlich defekt ist. „Bei vielen Sachen sind es oft nur eine Kleinigkeit“, erklärt er dazu.

Das Repair Café in Landsberg hat sich bereits etabliert und sowohl Besucher wie auch Reperateure sind davon begeistert. „Das ist eine wundervolle Möglichkeit sich zu treffen und miteinander zu reden“, beschreibt eine Besucherin, die sich selbst als „die Alte“ bezeichnet. Ihr gefällt die Atmosphäre und dass es keinen festen Geldbetrag kostet. „Da spendet man gerne.“ Peter ist von der Idee ebenso überzeugt: „In den drei Jahren hab ich ein einziges Mal gefehlt und das war am Karsamstag im ersten Jahr.“

Das Repair Café öffnet immer am letzten Samstag im Monat und lädt zum gemeinsamen Reparieren ein. Biehr freut sich neben neuen Gästen auch über neue Reperateure. Wieso ihm das Café gefällt, zeigt sich an einer Anekdote, die Biehr erzählt, „einmal kam einer dazu, mit Rucksack und Werkzeug. Er fragte, was kann ich helfen? Er hat sich hingesetzt und angefangen zu reparieren.“

Franziska Rothermel

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