Über Berge, Stock und Stein

Gewann ihre Altersklasse: FT-Jahn-Läuferin Ildiko Wermersche. Foto: Privat

101 Kilometer, dazu 5672 Höhenmeter: Was klingt wie die Mehrtagestour eines Wanderers, galt es jüngst für die Teilnehmer am Zugspitz Ultratrail binnen 26 Stunden zu bewältigen. 405 Läufer ließen sich davon nicht abschrecken, immerhin 376 überstanden die Strapazen des erstmalig ausgetragenen Wettkampfes rund um das Wetterstein-Massiv und erreichten das Ziel in Grainau. Nur wenige Athleten waren dabei schneller unterwegs als Ildiko Wermerscher. Die gebürtige Ungarin, die für die FT Jahn Landsberg startete, benötigte für die anspruchsvolle Bergstrecke gerade einmal 15 Stunden und sieben Minuten. Der Lohn der Mühen: Platz 2 in der Gesamtwertung bei den Frauen und der erste Rang in ihrer Altersklasse.

Für die Veranstalter dürfte der Erfolg der 46-Jährigen durchaus überraschend gekommen sein, denn mit Nummer 372 zählte die Ungarin nicht zu der Gruppe von Elitestartern, die vom Ausrichter mit niedrigen Startnummern bedacht worden war. Dabei hätte im Vorfeld ein kurzer Blick in die Statistik der Deutschen Ultramarathon Vereinigung genügt, um festzustellen, dass es sich bei Wermerscher keineswegs um ein unbeschriebenes Blatt in der Szene der Ultraläufer handelt. Seit 2007 hat die 46-Jährige 28 Rennen über mindestens 50 Kilometer bestritten. 17 Mal stand sie dabei ganz oben auf dem Siegertreppchen. Bei der Weltmeisterschaft 2009 in Frankreich, dem Merrel Sky Race, das unter anderem über den legendären Tour de France-Berg Galibier führte, lief Wermerscher die zehntschnellste Zeit in der Frauenkonkurrenz. Vielleicht hatten sich die Veranstalter auch einfach durch den Vereinsnamen der Ungarin irritieren lassen, schließlich gilt die FT Jahn Landsberg nun nicht unbedingt als Hochburg für Ultraläufer. So wussten selbst die Verantwortlichen des Vereins bis zuletzt nicht, welches Talent sich mit Wermerscher in ihren Reihen verbarg. Als Entschuldigung mag gelten, dass die Ungarin offiziell erst seit Ende Mai zu den Mitgliedern der FT zählt. Vor einem Jahr war die Mutter zweier Töchter von Budapest nach Landsberg gezogen, wo ihr Mann lebt und arbeitet. Dieser wartete am Samstagabend voriger Woche in Grainau wie viele Zuschauer gespannt auf die Ankunft der Athleten, die den Ort um 7.15 Uhr verlassen hatten. Das Höhenprofil der Strecke, das zu Beginn vor den Ultraläufern lag, hätte jedem Feierabend-Jogger den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Rauf zum Feldernjöchl, runter zur Geisterklamm, hoch zur Alpspitz-Bergstation, runter nach Grainau: Insgesamt summierten sich die Anstiege auf 5672 Höhenmeter und damit hatten die Läufer noch Glück. Denn ursprünglich hatten die Veranstalter rund 400 Höhenmeter mehr eingeplant, die Strecke jedoch kurzfristig aus Naturschutzgründen ändern müssen. Schön, aber schwer sei der Trail dennoch gewesen, urteilt Wermerscher, die zu anfangs dem Tempo der Spitzengruppe nicht folgen konnte und als 22. die Zeitmessung bei zehn Kilometer passierte. Doch je länger der Wettkampf dauerte und je schwieriger das Terrain wurde, desto besser lief es für die 46-Jährige. Nach und nach überholte sie ihre Konkurrentinnen, bis sie schließlich auf Rang zwei lag. Erst Die einbrechende Dunkelheit machte der Aufholjagd jäh ein Ende, denn mit der Nacht kam die Feuchtigkeit. „Da ist die Strecke ganz schön rutschig geworden“, erklärt Wermerscher, „da habe ich sicher eine halbe Stunde verloren.“ An die Siegerin wäre die 46-Jährige wohl aber auch ohne den Zeitverlust nicht mehr herangekommen. Julia Böttger überquerte bereits 52 Minuten vor Wermerscher die Ziellinie in Grainau. Mit ihrer Leistung zeigt sich die Ungarin dennoch mehr als zufrieden. Im nächsten Jahr will sie wieder hier starten, doch zuvor liebäugelt Wermerscher noch mit einer Teilnahme am Ultratrail du Mont Blanc. Dessen Eckdaten: 160 Kilometer, mehr als 9000 Höhenmeter, Zeitlimit 46 Stunden. Dagegen wirkt der Zugspitz Ultratrail fast schon wie ein sonntäglicher Spaziergang.

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