"Noahs Flut" in der Heilig-Kreuz-Kirche

"Noah, bau ein Boot!"

Landsberg – Zwei Kamele, zwei Elefanten, zwei Mäuse. Tiermasken aus Papier liegen in der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Boden. Immer paarweise. Die Kinder warten auf ihre Maske, dann geht es vor die am Altar aufgebaute Arche. Hier wird geprobt. Und zwar „Noahs Flut“, eine Kirchenoper des englischen Komponisten Benjamin Britten. Doch es ist keine gewöhnliche Oper. Britten schrieb sie für Laiendarsteller. Vor allem für Kinder und Jugendliche. Nur zwei professionelle Sänger mischen mit. Und es gibt eine Sprechrolle, die Stimme Gottes. Das übernimmt Landrat Thomas Eichinger.

Britten nannte sein Werk ein „mittelalterliches Mysterienspiel“, etwas, das traditionell vom „einfachen Volk“ aufgeführt wurde. Auch bei dem Projekt in Landsberg sind Laien in der Überzahl. Kinder aus dem Landsberger Jugendchor, dem Unterstufenchor des IKG und aus anderen Landsberger Schulen stemmen die Tierrollen. Der Jugendchor des Musikstudios Robinson trägt zu den „Tratschen“ bei. Und das Volk wird durch Mitglieder aus anderen Landsberger Chören dargestellt – oftmals Eltern der beteiligten Kinder. Instrumental begleitet werden sie von Profis. Aber auch zahlreiche Instrumentalisten der Landsberger Musikschule sind mit dabei. So sorgt „Licca Percussiva“ für das in Brittens Komposition immens wichtige Schlagwerk.

Das Einstudieren und die Leitung des Mammutprojekts mit gut hundert Beteiligten übernimmt Marianne Lösch, Leiterin des Landsberger Kinderchors. Sie ist zugleich Initiatorin. Denn im Orgelsommer letztes Jahr schwelgte ihr Martin Baker aus London von einer Aufführung von „Noye‘s Fludde“ vor – so heißt Brittens 1957 entstandenes Werk im Original. „Das Stück wollte ich schon immer machen, das ist nun während der Kreiskulturtage und den Europa-Tagen der Musik möglich“, freut sich Lösch. Bei der Besetzung setzt sie auf Vielfalt: „Kunterbunt gemischt, das ist mein Anliegen.“ Die Heilig-Kreuz-Kirche biete durch Mittel- und Seitengänge sowie die Altarstufen ideale räumliche Möglichkeiten, ohne dass ein ausgetüfteltes Bühnenbild nötig sei.

Die Titelrolle des Noah übernimmt Daniel Weiler aus Germering, der am Salzburger Mozarteum studierte. Vanessa Fasoli, unter anderem an der Kammeroper München engagiert, ist Noahs Frau. Die hat in Brittens Komposition übrigens eine ungewöhnliche Rolle: Der Aktion ihres Mannes, auf Geheiß Gottes eine Arche zu bauen und von jedem Tier ein Paar mitzunehmen, steht sie skeptisch gegenüber. Ihm helfen? Fehlanzeige. Während die ganze Familie mit anpackt, trinkt sie mit ihren Freundinnen – und wird gerade noch rechtzeitig auf die Arche getragen, bevor die Flut sie wegschwemmt. Ansonsten bleibt Britten bei der biblischen Fassung. Samt Taube, die den sehnlichst erwarteten Ölzweig bringt: „Den gibst du dann Noah durchs Fenster“, weist Lösch die Taube an. Kinder lachen, singen, sind konzentriert. Die Stimmung ist entspannt. Wenn Sonne, Mond und Sterne scheinen sollen, kann Lösch auch sanft ermahnen: „Die Sonne wackelt nicht, die fliegt ganz ruhig über den Himmel.“

Die Arbeiten für die diversen Requisiten haben Familien übernommen. Zum Beispiel das Segel, das nun gerafft und gehisst werden kann. Oder auch die Arche. „Die besteht aus Pappe-Einzelteilen, da sie während des Stückes ja erst zusammengebaut wird“, erklärt Katharina Schellenberger. Sie hat mit den Kindern die Tiermasken gestaltet: Von ihr kam die Form, von den Kindern die Farbe. „Der etwas ausgefallenere Marienkäfer war dabei ein ausdrücklicher Kinderwunsch“, lacht sie.

Alle Beteiligten haben Spaß an der Sache. Die Musik klingt jetzt schon beeindruckend schön. Und so verspricht der 30. Juni zwei optisch und akustisch einmalige Aufführungen (16.30 und 19.30 Uhr). Karten gibt’s im Stadttheater. Es lohnt sich.

Susanne Greiner

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