Auftakt mit Regionalwettbewerb in Landsberg 

Zum 55. Mal "Jugend musiziert"

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Achthändig am Klavier: Hochkonzentriert zeigten sich auch die Teilnehmer der Kategorie „Besondere Ensembles“.

Landsberg  – Samstagmorgen kurz nach neun. Im Sitzungssaal des Rathauses erklingt Flötenmusik. Dass statt Debatten harmonische Klänge zu hören sind, kann nur eines bedeuten: Der Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ für die Region Landsberg-Schongau ist gestartet – 2018 schon zum dritten Mal in der Lechstadt. Über 180 Musiker stellen sich dem Urteil der Jurykandidaten. Streicher, Pianisten, Hackbrettspieler, Bläser in allen Varianten und Gitarristen. Ein Tag voller Musik, der man lauschen kann. Was viele tun. Und zwar kostenlos.

Als Erste auf die Bühne zu müssen, kann nervös machen. Denn vor der Bühne des Festsaals im Rathaus sitzen die drei Jurymitglieder, die mit gespitzten Ohren der Musik lauschen und sie bewerten. Ein paar wenige Zuhörer sind schon da. Mirja Baier steht vor ihrer Lehrerin Susanna Ricchio. „Stell dich mit beiden Beinen fest auf den Boden“, rät sie der jungen Musikerin. Mirja setzt die Sopranflöte an und spielt begleitet vom leisen Summen Ricchios erste Takte. Alles klar. Jetzt wird’s ernst. „Sehr geehrte Jury, liebes Publikum“, begrüßt Mirja mit fester Stimme. Sie wird Schickhardt spielen, also Renaissance. Und noch was Modernes. Denn die Stücke für den Wettbewerb müssen aus verschiedenen Epochen kommen. „Ich wünsch Ihnen viel Spaß beim Zuhören“, schließt Mirja ihre Ansage. Und legt los. 

Insgesamt wirken die vorspielenden Jugendlichen sehr souverän. Auch Mirja steht selbstsicher da und demonstriert ihr Können. Sprünge von hohen in tiefe Lagen meistern ihre Finger scheinbar spielerisch, langsame Passagen sind ausdrucksstark. Auch das moderne „Spatzenkonzert“ mit überblasenen Tönen gelingt ihr. Bis der Vogel trillernd davonflattert. Die Jurymitglieder sind angetan. Und so wird Mirja eine von denen sein, die mit einem ersten Preis belohnt wird und zum Landeswettbewerb nach Regensburg Ende März darf. Diese Auszeichnung gibt es nur, wenn man mindestens 23 der maximal 25 Punkte ergattert. Die pro Jury jeweils drei Juroren kommen aus Garmisch, Augsburg, München, Füssen, sogar aus Nürnberg und Regensburg. Allerdings nicht ganz freiwillig: Sie werden um Teilnahme gebeten. Mit dabei Oboist Julian Johannes, inzwischen an der Musikschule Füssen tätig. Oder auch Anton Lichtenstern. Am Ende berät sich die Jury zwar, aber jeder gibt seine eigene Wertung ab. Daraus ergibt sich die Gesamtpunktzahl. Wie beim Eiskunstlauf.

Weiter zum nächsten Raum: Im IKG stehen der Musikraum und der Raum der Stille bereit. Aber wo sind die? Kein Wegweiser ist zu sehen. Zum Glück sitzt da ein junger Mann. Vor sich einen Plan: „Da müssen Sie ganz nach hinten, die Treppe runter und rechts.“ Und tatsächlich, da ist der Raum. Leider steht an der Tür U 34, nicht „Raum der Stille“. Genauso wenig, wie am „Musikraum“ Musikraum steht. Immerhin weisen Menschenansammlungen den Weg. Auch Klavierlehrer Dr. Maximilian Hofbauer ist schon unterwegs. Tastenprobe. „Kommen Sie heute Nachmittag zu den besonderen Ensembles, Klavier achthändig, ich glaube das wird schön.“ Sagt’s und ist verschwunden. 

Die aus den 180 Anmeldungen resultierenden 100 Vorspielkonzerte sind in sieben Räumen untergebracht. Neben IKG und Rathaus sind das zwei Räume in der Musikschule, das Pfarrzentrum Mariä Himmelfahrt und das evangelische Gemeindezentrum auf der anderen Lechseite. Nur der „Raum der Stille“ wird von einigen negativ bewertet: „Wegen der Akustik versinken die Streicher da drin.“ Und es sei eben schon das dritte Jahr, dass gerade die in diesen Raum müssten. „Blechbläser wären da besser aufgehoben.“ 

Hat ein Vorspiel eines Schülers im eng getakteten Programm begonnen, muss gewartet werden. Nur schade, wenn das Vorspiel, das man unbedingt hören wollte – „Ich hab’s meiner Nichte versprochen!“– fünf Minuten zu früh anfängt. Kurz mal reinhören? Fehlanzeige. „Leider gibt es heuer auch keinen Kaffee“, bedauert eine der gut 30 ehrenamtlichen Helferinnen. Die Retter in der Not führen verirrte Gäste durch Gänge und Gassen und versuchen, alle Fragen zu beantworten. Irgendwann muss eine Pause sein. Kaffee, Tee zum Aufwärmen. Einerseits ist es schön, dass „Jugend musiziert“ die ganze Stadt miteinbezieht. Oft sieht man Gäste mit Programmheft durch die Straßen eilen. Aber eben eilen. Manchmal kommt einem Loriots „Ich will einfach nur hier sitzen“ in den Sinn. Könnte man ja auch. Aber dann gibt‘s eben nicht „Waldviertler Nächte“ auf der Gitarre, Charpentiers monumentales „Te Deum“ auf der Trompete und daneben Astor Piazzollas „Libertango“. Den spielen Teresa und Ellinor Karius aus Hofstetten vierhändig am Klavier. Drängend , temporeich, dynamisch. Auch sie erhalten einen ersten Preis und dürfen mit nach Regensburg. 

Zum Abschluss konzertieren die besonderen Ensembles: Garanten für Außergewöhnliches. Das zeigt sich auch am vollen Vortragssaal der Musikschule. Es gibt Klavier satt: zweimal achthändig, einmal sechshändig. Für den Wettbewerb habe man sich vier Flügel leihen müssen, erzählt Musikschulleiter Lothar Kirsch. Schaut man dem Konzert zu, scheint das gar nicht notwendig: Da drängen sich drei Pianisten an einen Flügel – ohne Probleme. Und dann kommen Eliane Abe und Daniela Christina Janker aus Landsberg, schwarze Hose, feuerrote Bluse; ihre männlichen Mitspieler Kevin Li (FFB) und Anton Enzensberger (Kaufbeuren) ganz in schwarz. Und siehe da: Auch acht Hände haben Platz an einem Flügel. Schnelle Läufe? Kein Problem, einfach über die Hand des Nachbarn greifen. Umblättern tut der, der Zeit hat. Die Pedale sind einem Fuß vorbehalten. Ein großartiges Zusammenspiel. Und auch das wird in Regensburg zu hören sein.

Insgesamt dürfen 23 Musizierende des Landkreises Landsberg nach Regensburg. Und elf davon sind alt genug, um auch am Bundeswettbewerb Mitte Mai in Lübeck teilnehmen zu dürfen. Wenn sie denn in Regensburg gewinnen. Es heißt also Daumen drücken. 

Susanne Greiner

Ergebnisse der Erstplatzierten aus dem Regionalwettbewerb in Landsberg

1. Preise mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb Landkreis Landsberg (ab AG III besteht die Möglichkeit zur Weiterleitung zum Bundeswettbewerb) 

Besondere Ensembles, Altersgruppe (AG) V, Klavier achthändig: 
Eliane Abe und Daniela Christina Janker, LL Kevin Li, FFB
Anton Enzensberger, Kaufbeuren

Blechbläser, AG II:
Isabel Maier, Dießen 

Blechbläser, AG IV:
Christian Berger, Pürgen 

Blockflöte, AG II:
Lilian Reiter, Landsberg
Luzie Greiner, Landsberg
Finja Lutz, Landsberg 

Blockflöte, AG III:
Mirja Baier, Landsberg
Luna Backes, Kaufering

Blockflöte, AG IV:
Amrei Fichtl, Landsberg 

Duo, Klavier und Streichinstrument, AG II:
Lucia und Emily Hoefkens (Cello), Weil 

Duo, Klavier und Streichinstrument, AG III:
Matthias Sturm und
Thomas Brüsselbach (Violine), Landsberg
Yuhan Ye, Landsberg
Elias Preißinger (Violine), Dießen 

Gitarre, AG II:
Ignaz Spengler, Landsberg 

Gitarre, AG III:
Raphael Steinmeier, Denklingen 

Holzbläser, AG II:
Helena Hinterberger, Windach 

Klavier vierhändig oder an zwei Klavieren, AG II:
Teresa und Ellinor Karius, Hofstetten
Emily und Lucia Hoefkens, Weil 

1. Preise ohne Weiterleitung, da noch zu jung (AG I)
Blechbläser, AG IB:
Laurenz Krabisch, Schondorf 

Blockflöte, AG IB:
Julius Backes, Kaufering
Jonah Lutz, Landsberg
Carla Forstner, Landsberg 

Klavier vierhändig oder an zwei Klavieren, Altersgruppe IB:
Franziska Finsterwalder, Forst,
Simon Langeder, Huglfing

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