Über den Wolken im Eigenbau

Rolf Korth und sein UL Kiebitz: Bislang stecken 1200 bis 1500 Arbeitsstunden im Bau des historischen Doppeldeckers. Bis zum ersten Flug ist noch einiges zu tun. Foto: Eckstein

Es gibt Menschen, die schon beim Zusammenbau eines Bücherregals verzweifeln. Andere brauchen nur einen Satz Pläne und viel Zeit und Geduld, um ein komplettes und funktionstüchtiges Flugzeug entstehen zu lassen. Zur zweiten Gruppe gehört der Landsberger Rolf Korth: Sein Doppeldecker UL Kiebitz steht nach jahrelanger Arbeit kurz vor der Vollendung.

„Mein Leben lang hat der offene Doppeldecker eine große Faszination auf mich ausgeübt, ich wollte immer mal einen fliegen“, erzählt der Flugzeugliebhaber dem KREISBOTEN. Doch sein Beruf führte ihn zunächst zu größeren Maschinen. Als Offizier und Berufspilot saß Rolf Korth jahrelang im Cockpit von Transportflugzeugen, hauptsächlich Transalls. Doch der Doppeldecker ließ ihm keine Ruhe. 1987 kaufte er die Baupläne des Kasseler Ingenieurs Michael Platzer für den von ihm konstruierten UL Kiebitz, der in seiner Form an Flugzeuge aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Doch die Pläne sollten erstmal in der Schublade bleiben, denn als Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61 in Penzing fehlte Korth die Zeit für die aufwändige Konstruktion. Das änderte sich mit seiner Pensionierung. In einer alten Werkstatt, die der Luftsportverein im Fliegerhorst des LTG angemietet hat und für die Korth als Vereinsmitglied eine Nutzungsgebühr zahlt, entsteht Zug um Zug ein ganzes Flugzeug. „Es gibt keinen Bausatz, nur die Pläne“, betont Rolf Korth. Und so benötigt man zahllose Einzelteile, damit aus einem Stapel Aluminiumrohre Rumpf und Tragflächen entstehen. „Die kritischen Stellen wie beispielsweise die Aufhängung des Motors werden von Fachleuten gefertigt, aber sonst baue ich vorwiegend alles selber“. Zwar geben die Pläne das meiste vor, doch bleibt jedem Kiebitz-Bauer Raum für eigene Ideen, wie etwa die Wahl der Instrumente. „Ich brauche keine Instrumententafel wie in einer Boeing 747. Bei schlechtem Wetter bleibt man mit einem offenen Doppeldecker sowieso am Boden.“ Überhaupt steht für Rolf Korth beim Bau seines Kiebitz der Genuss im Vordergrund: „Ich möchte Luftwandern, dafür wird dieses Flugzeug leicht und sehr leise. Warum soll ich andere Menschen mit Lärm belästigen, nur weil ich fliegen will?“ Aus diesem Grund verwendet Rolf Korth einen ruhig laufenden, wassergekühlten Viertaktmotor. Die Höchstgeschwindigkeit für den nostalgischen Doppeldecker liegt bei 110 bis 120 Stundenkilometern. Kiebitze erfreuen sich bei Sportfliegern immer größerer Beliebtheit, rund 200 davon sind in Deutschland zu bewundern. Erstaunlich, denn zu kaufen gibt es sie höchstens gebraucht. In der Regel baut jeder Pilot sein Flugzeug selbst, jedes ist ein Unikat. Und bis es in der Luft ist, gilt es viel Arbeit und Zeit zu investieren. Rolf Korth begann 2004 mit der Konstruktion, spätestens im nächsten Jahr will er zu seinem ersten Flug starten. Als nächster Schritt steht der Einbau von Triebwerk und Propeller an. Die Rohbauabnahme ist schon erfolgreich absolviert, darum kann Korth im Sommer mit der Bespannung beginnen. Es folgen noch zwei weitere Überprüfungen, die übrigens der Konstrukteur Platzer alle selbst abnimmt, bevor der Kiebitz starten darf. Wenn sich der rote Doppeldecker mit Rolf Korth und seiner Frau an Bord dann in die Lüfte schwingt, werden die rund 2000 Arbeitsstunden wohl vergessen sein.

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