Käfer im Mehlsilo der JVA Landsberg

Knast-Brot mit Einlage

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Beim herzhaften Biss in das JVA-Produkt „Roggenmischbrot“ dürfte im Herbst vergangenen Jahres so manchem Insassen der Appetit vergangen sein – im Mehlsilo hatten sich Käfer breit gemacht.

Landsberg – Der Vorgang liegt bereits mehrere Wochen zurück, weniger unappetitlich wird er damit aber nicht: Wegen massiven Schädlingsbefalls musste die komplette Mehlsilo-Anlage in der Bäckerei der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg nach Informationen des KREISBOTEN über zwei Monate lang geschlossen werden.

Wolfgang Müller bestätigt den Sachverhalt. „Es gab dort ein größeres Problem mit Käferbefall“, so der Pressesprecher des Landratsamtes, „der Silo wurde vorübergehend dichtgemacht.“ Dass Ungeziefer eine Vorliebe für Mehl haben, ist nicht ungewöhnlich, auch in anderen Bäckereien treten Probleme auf. Im Landsberger Gefängnis nahm das Ganze aber offenbar extreme Ausmaße an, wie Angehörige eines Gefangenen berichten.

Als die Plage überhand nahm, bissen offenbar mehrere Insassen in den Backwaren teilweise auf Insekten, wie auch Anstaltsleiterin Monika Groß auf Nachfrage des KREISBOTEN bestätigt. „Die eingebackenen Vorratsschädlinge wurden am 22. Oktober von Gefangenen im Roggenmischbrot der Abendkost entdeckt.“ In der Bäckerei habe man von dem Problem bis dahin nichts bemerkt.

In der JVA reagierte man prompt, am folgenden Tag wurde Tiefkühlware aufgebacken, „der örtliche Mehllieferant hat dann sofort auf eine Belieferung mit Sackware umgestellt“, erläutert Groß. Und ab 24 Oktober habe es damit auch wieder frische Backwaren gegeben. Seitdem wurden viele Säcke geschleppt: pro Woche werden in der JVA aus 1000 Kilo Mehl rund 800 Kilo Roggenbrot und 400 Kilo Weißbrot und Semmeln gebacken.

Thermisch gereinigt

Des Problems mit dem Ungeziefer wurde man allerdings lange nicht Herr. Die Siloanlage am Hindenburgring war lange Zeit geschlossen und musste komplett thermisch gereinigt werden. Erst am 18. Dezember ergab eine „abschließende Nachschau“ durch den Schädlingsbekämpfer keinen Befall mehr, am 8. Januar wurde erstmals wieder Mehl eingefüllt, seitdem läuft der Betrieb wieder regulär.

„Unsere Experten haben das mehrfach überprüft, es ist jetzt alles wieder in Ordnung“, beteuert Wolfgang Müller. Er lobt ausdrücklich das Vorgehen der Verantwortlichen in der JVA. „Man hat dort nicht zugemacht, sondern bei uns angerufen und um Beratung angefragt.“ Zu diesem Zeitpunkt sei das Mehl bereits vernichtet gewesen, „es waren aber noch Proben vorhanden.“

Während die Lebensmittelkontrolleure des Landratsamtes oft die Erfahrung machten, dass versucht werde, Mängel zu vertuschen, sei man im Gefängnis in die Offensive gegangen. „Wir sind froh, wenn sich jemand so verhält.“

Christoph Kruse

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