Rott: Diebstahl für ein warmes Schlafplätzchen

Wenn der Pizzabäcker den Dieb durchs Lechrain-Dorf treibt

Rott - sebastian salzmann - dieb jagen
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Jagte den Geldbeuteldieb am Freitag so lange durch Rott, bis dieser nach 30 Minuten völlig erschöpft aufgab: Koch Sebastian Salzmann.

Rott – Alles andere als einen gemütlichen Feierabend hat es am Freitag für die Mitarbeiter der Pizzeria in Rott gegeben. Ein mit Pfefferspray „bewaffneter Gast“ schnappte sich die Tageskasse und ergriff die Flucht per Pedes. Und rechnete wohl nicht mit der Hartnäckigkeit seiner gastronomischen Verfolger. Inzwischen sitzt der 50-Jährige hinter Schoss und Riegel.

Kurz vor der Schließung des Italo-Außerhausverkaufs, gegen 20.45 Uhr, besprühte ein Mann die Tochter der Besitzerin, die eine bestellte Pizza abkassieren wollte, mit einem Pfefferspray. Nachdem er die 23-Jährige mit dem Spray auch noch attackierte – sie erlitt dabei Verletzungen am Hals und im Gesicht –, flüchtete er mit dem Geldbeutel der jungen Frau. Und den darin befindlichen Tageseinnahmen.

Doch der Dieb hatte die Rechnung ohne den Wirt, respektive den Koch gemacht. Sebastian Salzmann, der während des Überfall in der Küche beschäftigt war, nahm sofort die Verfolgung auf. „Ich hab da auch gar nicht lange darüber nachgedacht“, berichtete Salzmann. Zwei Bekannte aus dem Lechraindorf, die er unweit der Pizzeria antraf, unterstützten den rasenden Koch. „Mit einem habe ich den Täter dann kreuz und quer durch Rott verfolgt. Der andere verständigte die Polizei und teilte ihr via Handy ständig unseren Standort durch“, berichtete Salzmann.

Nach einer knappen halben Stunde „Treibjagd“ ergab sich der Flüchtende dann bei der Bushaltestelle in der Ortsmitte. „Wir haben ihn dann in Schach gehalten, bis die Polizei kam und ihn verhaftete“, berichtete der unerschrockene Koch nach dem erfolgreichen Ende der Verfolgung. Den gestohlene Geldbeutel samt Inhalt hatte der Täter noch bei sich, die Tatwaffe jedoch nicht mehr. Allerdings fand sich das Pfefferspray nach kurzer Suche beim benachbarten alten Rotter Friedhof. „Das hat er offensichtlich bei der Flucht über die Friedhofsmauer geworfen“, erzählte Salzmann.

Warmer Schlafplatz

Die beteiligten Polizisten aus Landsberg und Dießen verhafteten den Täter, einen 50-Jährigen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau, der die Tat auch gleich einräumte. Als Grund gab er an, dass er zurzeit nur in einem unbeheizten Wohnwagen schlafen könne und er wieder einen warmen Platz zum Schlafen brauche – notfalls auch in einer Gefängniszelle.

Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck übernahm in der Zwischenzeit die Ermittlungen. Am Samstag wurde der Beschuldigte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des Verdachts des „schweren Raubes“ und der „gefährlichen Körper­verletzung“ dem Haftrichter beim Amtsgericht Augsburg vorgeführt. Dieser erließ auch gleich einen Haftbefehl. Anschließend wurde der Täter „wunschgemäß“ in eine warme Justizvollzugsanstalt überstellt.
Roland Halmel

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