Wer überholt da schon?

Im August kam bei einem Verkehrsunfall in Pürgen ein 19-jähriger Pkw-Fahrer ums Leben: Er war in einen auf die Staatsstraße abbiegenden Sattelschlepper gekracht. Foto: Feuerwehr LL

Zwei Menschen mussten in den letzten drei Jahren bereits ihr Leben lassen, jetzt will der Gemeinderat Pürgen nicht mehr tatenlos zusehen: Nachdem sich erst jüngst wieder auf der Staatsstraße 2057, der Ortsumgehung von Pürgen, ein schwerer Verkehrsunfall mit Todesfolge ereignet hat, fordern die Räte in einem Antrag an das Straßenbauamt Weilheim ein Überholverbot sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Kilometer pro Stunde.

Immer wieder kracht’s auf der Strecke bei Pürgen, sowohl in der lang gezogenen Kurve als auch in den Einmündungsbereichen: Meist sind es Kleinunfälle mit Blechschaden und leichten Verletzungen, doch be­reits zweimal verliefen die Unfälle so schwer, dass zwei Menschen dabei ums Leben kamen. So überholte im November ‘07 eine 18-jährige Fahranfängerin in dem unübersichtlichen Streckenabschnitt einen anderen Pkw und kollidierte mit einem entgegenkommenden VW-Bus, der mit zehn Personen besetzt war. Insgesamt 14 Personen wurden damals schwer verletzt, ein 25-Jähriger erlag wenige Tage später seinen schweren Kopfverletzungen. Erst Ende August dieses Jahres kam ein 19-jähriger Autofahrer ums Leben, der in Richtung Landsberg unterwegs und in einen Sattelschlepper mit Anhänger gefahren war. Der Lkw kam aus dem Gewerbegebiet Pürgen und wollte nach links auf die Staatsstraße Richtung Weilheim abbiegen. Schon nach dem ersten tödlichen Unfall 2007 hatte Bürgermeister Klaus Flüß, selbst ehemaliger Polizeibeamter, ein Überholverbot und eine Geschwindigkeitsbegrenzung gefordert. Bis etwa 2001 hatte es diese dort auch gegeben. Sie war jedoch aufgehoben worden, weil die Unfälle, so begründeten es damals die Verkehrsexperten von Polizei und Landratsamt, Franz Kreuzer und Thomas Szczepkowski, nicht auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen waren und in der lang gezogenen Kurve an ein Überholen ohnehin nicht zu denken sei. Worauf noch warten? „Wir nehmen den jüngsten schweren Verkehrsunfall nun zum Anlass, erneut an das Straßenbauamt Weilheim zu appellieren, nicht länger eine Geschwindigkeitsbegrenzung und ein Überholverbot im Bereich der Ortschaft Pürgen abzulehnen“, sagte Flüß jüngst im Gemeinderat. Man sei sich durchaus bewusst, dass nicht immer Verkehrsunfälle durch verkehrsregelnde Maßnahmen verhindert werden könnten, so Flüß, aber „der Gemeinderat ist überzeugt, dass besonders im Bereich der Einmündungen eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer und einem Überholverbot nicht nur der Verhinderung schwerer Unfälle dient, sondern auch eine Erleichterung bei der Einfahrt auf die Staatsstraße bedeuten würde. Auch wenn in erster Linie die Verkehrsteilnehmer durch vernünftige Fahrweise für eine unfallfreie Fahrt sorgen sollten, ist die Straßenverkehrsbehörde nicht frei von Verantwortung für eine vorsorgende Verkehrsführung“, heißt es wörtlich in dem Antrag an die Straßenbaubehörde. Flüß sieht darin die einzige Möglichkeit, schwere Unfälle in Zukunft zu vermeiden: „Wir wollen damit einen Punkt setzen. Das Straßenbauamt soll sich jetzt was überlegen.“ Gegenüber dem KREISBOTEN sagte Jörn Wettering, in Straßenbauamt Weilheim Sachgebietsleiter für den Landkreis Landsberg, dass die Behörde zusammen mit dem Straßenverkehrsamt des Landratsamtes die Straße und alle Einmündungen bereits 2007 nach dem ersten Antrag der Gemeinde unter die Lupe genommen hätte. „Damals kam man zu dem Schluss, dass die Sichtverhältnisse in Ordnung sind und dass es in diesem Streckenabschnitt keine besonderen Auffälligkeiten gibt, die eine Geschwindigkeitsbeschränkung rechtfertigen“, sagte Wettering. Zudem habe sich jeder Autofahrer nach den Grundparagraphen der Straßenverkehrsordnung entsprechend zu verhalten. Mit Schreiben vom 10. Januar 2008 sei dies der Gemeinde vom Landratsamt mitgeteilt worden, seither habe sich auch nichts Gravierendes verändert. Bei einem weiteren Ortstermin vor rund zwei Monaten seien die Experten ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis gelangt. Der Termin sei allerdings kurz vor dem zweiten tragischen Unfall gewesen. „Das muss man natürlich berücksichtigen. Uns liegt das unfallanalytische Gutachten noch nicht vor, wie es zu dem schrecklichen Unfall kommen konnte“, so Wettering. „Aber wir sind dran und behalten das Thema im Auge.“ Das Straßenverkehrsamt im Landratsamtes als letztlich anordnenden Behörde konnte dazu „noch nichts Neues“ sagen.

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