Glückliche Rindviecher auf dem Tonihof

Wir lassen die Kuh raus!

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Wir lassen die Kuh raus: 55 Bio-Milchkühe auf dem Tonihof in Dießen-St. Georgen starteten kürzlich in einen langen Weidesommer.

Dießen/St. Georgen – Das erlebt man nicht alle Tage: Jung­landwirt Johannes Wernseher öffnet die Stalltüren und 55 Milchkühe galoppieren im Pulk auf die frühlingsgrüne Weide hinter der Burgwaldstraße. Die Erde bebt und automatisch drängen sich Bilder auf aus dem Wildwestfilm. „Ich spüre die Kraft der Tiere, empfinde ihre Energie und ihre Urgewalt“, sagt Verena Wirth vom TV Bayern-Team, das zum ersten Mal einen „Weidegang“ erlebt und langsam auch wahrnimmt, dass Bio-Kühe gut für den Boden sind und ihre Milch die Gesundheit fördert.

Viele Weidegänge hingegen hat die Chefin der Andechser Molkerei Scheitz, Barbara Scheitz, erlebt. „Trotzdem immer wieder ein Erlebnis“, freut sie sich, dass sie auf dem Tonihof von Anneliese und Anton Wernseher dabei sein kann, wenn für die Milchkühe der Winter zu Ende geht und die Freiluft-Saison beginnt. „Das hat aber auch viele private Gründe“, informiert sie, dass die Wernsehers schon seit 1995 ihren Hof biologisch-organisch bewirtschaften und seitdem zum Bioland-Verband gehören und ihre Tiere somit das Gütesiegel tragen, Andechser Bio-Milchkühe zu sein.

Rund 530 verbandszertifizierte Bio-Kuhmilchbauern im Umkreis von 160 Kilometern liefern ihren wertvollen Rohstoff zur Veredelung an die Andechser Molkerei. Ein großer Teil der Bio-Kuhmilchbauern schwört auf die Vorteile des Weidegangs. „Unsere Andechser Molkerei ist auch die einzige ihrer Art in Deutschland, die einen Zuschlag für Weidehaltung auf den Milchpreis zahlt“, sagt Scheitz. Damit honoriere die Molkerei das Engagement der Bauern, die ihre Kühe auf die Weide lassen. Das sei auch an Vorgaben gebunden: Bei Bioland sind frisches Gras und Weidehaltung vorgeschrieben. Dafür benötige der Landwirte genügend Fläche und freie Zugangsmöglichkeiten für die Tiere.

Beste Rohstoffe

Johannes Wernseher kennt jede seiner Bio-Milchkühe mit Namen.

Betriebswirtschaftliche Maxime und Tierhaltungsrichtlinien sind der Grund dafür, dass sich der Weidegang im Rücklauf befindet, berichtet Barbara Scheitz. Deshalb sähe man in den Dörfern immer seltener Kuhherden, die abends von der Weide in den Stall zum Melken gehen und den fließenden Verkehr aufhalten. Ein Erlebnis, das kaum noch jemand kennt. „Die Wernsehers“, fährt Barbara Scheitz fort, „sind da schon was ganz Besonderes – und wir arbeiten in einer Partnerschaft auf Augenhöhe.“ Die Milchkühe vom Tonihof leben auf den landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe des Stalls und sie tragen mit ihrer naturnahen Ernährung (frisches Gras, Gras-Silage und Heu) ihren Teil dazu bei, dass sie beste Rohstoffe an die Molkerei liefern. Ohne künstliche Zusatzstoffe, ohne Aromen und ohne gentechnisch veränderte Substanzen. So produziert die Andechser Molkerei jährlich zirka 100 Millionen Kilogramm der wertvollen Bio-Milch.

Damit nicht genug: Der junge Nachwuchsbauer vom Toni­hof, Johannes Wernseher, erklärt das zeitgemäße Wirtschaften: „Wir arbeiten mit unseren Lebensräumen und Umweltgütern ökologisch verantwortungsvoll und unsere Bio-Kühe sind gut für den Boden.“ Ökologische Bewirtschaftung der Flächen böte Vorteile für Umwelt- und Heimatschutz, wie etwa die Schonung von Ressourcen, es fördere die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität. Regelmäßiger Weidegang fördere ausgewogene landwirtschaftliche Nutzung, weil nicht jedes Land für Feldfrüchte geeignet ist. Außerdem erhalten die Kuhherden die typische Kulturlandschaft im Alpenvorland und der berglerischen Regionen.

Zapfsäule Milch

Dass eine Kuhherde den Weidegang lernen muss, war auch noch ein Thema. Sie würden bereits als Jungvieh an den Weidezaun gewöhnt, berichtet Johannes über eine andere Seite seiner Arbeitszeit, die er 39 Stück Jungvieh und Kälbern widmet. Beim Weidegang leben die Tiere ihren Bewegungsdrang aus, ihr Sozialverhalten und ihre Instinkte entwickeln sich optimal, weist er auf kämpfende Kühe hin, „die testen aus, wer Herdenführerin ist – weil es hier ja keinen Stier gibt.“ Aber das Beste: Die hochwertige Milchqualität mit guten Omega-3- und Omega-6-Fettsäure-Werten. „Besser kann Kuhmilch gar nicht sein.“

Übrigens: Original Kuhmilch gibt es auf dem Wernseher-Hof in Dießen/St. Georgen schon seit 22 Jahren an einer „Zapfsäule“ für Milch.

Beate Bentele.

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