"Der Ort, wo man das Leben lernt"

Ulrich Hampl lebt für und mit der Natur

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Ulrich Hampl ist begeisterter Hobby-Imker. Dabei geht es ihm weniger um die Honigernte, sondern vielmehr um den Schutz der Insekten.

Pflugdorf – Geschichten aus der Landwirtschaft faszinierten Ulrich Hampl schon als Kind. Vielleicht weil er instinktiv spürte, was er heute mit Sicherheit weiß: „Der Bauernhof ist der Ort, wo man das Leben lernen kann.“ Dass er sein ganzes Berufsleben der Landwirtschaft beziehungsweise der Bauernhofpädagogik widmen würde, war eine logische Entwicklung. Als Berater für ökologischen Landbau hat der 57-Jährige viel Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile ist ein weiteres Herzensthema hinzugekommen: die Rettung der Insekten, die akut vom Mangel an blühenden Pflanzen bedroht sind.

Auf den ersten Blick überrascht es, dass Hampl nicht auf dem Land großgeworden ist, sondern in München-Obermenzing. Als Städter hat er sich trotzdem nie gefühlt. Seine schwäbischen Großeltern, mit denen er in einer Großfamilie aufwuchs, kamen aus der Landwirtschaft. Ihre Geschichten über das Leben auf dem Bauernhof hat er regelrecht aufgesogen. Und so war der Weg nach dem Abitur vorgezeichnet: Zivildienst beim Bund Naturschutz in Erding, anschließend Landwirtschaftsstudium in Freising.

Danach wurde er Projektbetreuer in Baden-Württemberg und beriet umstiegswillige Bauern zum Thema Bodenbewirtschaftung in der ökologischen Landwirtschaft. Bald schon reiste er mit diesem Thema durch ganz Deutschland. Damals betrug der Anteil der Biobauern an der gesamten Landwirtschaft zwei Prozent. „Heute sind es sieben Prozent“, so Hampl. „Das ist immer noch nicht viel, aber immerhin schon das Dreifache wie damals.“ Später leitete er im Auftrag des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums ein Forschungsprojekt und baute für die Stiftung Ökologie & Landbau den Seminarbauernhof Gut Hohenberg auf, den er auch jahrelang leitete. Der Hof liegt bei Annweiler „in der wunderschönen Südpfalz“ und ist ein Lernort für Schulklassen wie für Erwachsene, „damit die Leute wieder sehen, wo das Essen herkommt“.

Schüler der dritten bis sechsten Klassen erfahren hier ganz praktisch, wie Landwirtschaft funktioniert – und zwar nicht durch Zuschauen, sondern durch Mitmachen. Selber melken, Käse machen, Brot backen, Kartoffeln hacken, Schweine füttern - alles gehört dazu. „Meistens wollten die Kinder am Freitag gar nicht heim“, erinnert sich Hampl. Bald war der Hof lange im Voraus ausgebucht. Inzwischen gibt es dort auch einen fest installierten Kindergarten - die Plätze sind immer schnell vergeben.

Hampl sieht den Bauernhof als „eine kleine Welt, die die große Welt abbildet“. Der Pädagoge in ihm ist überzeugt davon, dass man in der Landwirtschaft alle Kompetenzen erlernen kann, die man zum Leben braucht: allein und im Team arbeiten, vorausdenken, Entscheidungen treffen.

Inzwischen ist er aus der Südpfalz nach Bayern zurückgekehrt, lebt mit seiner Familie in Pflugdorf und ist 50 Prozent seiner Arbeitszeit im ganzen Land unterwegs - lehrend, coachend, begleitend. Unter anderem ist Hampl für das Netzwerk Blühende Landschaft aktiv und wirbt landauf, landab dafür, dass Landwirte, Kommunen und Hobbygärtner für mehr blühende Pflanzen auf ihren Flächen sorgen. Denn der Mangel an Nahrung bedroht Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten dramatisch. Am liebsten würde Hampl auf jedem Bauernhof ein paar Bienenvölker sehen. Dann würde die natürliche Fürsorge des Landwirts angesprochen. „Dann sieht man die Landschaft durch die Augen der Bienen und macht sich automatisch Gedanken darüber, wo sie Futter finden.“ Er selbst hat auf Gut Hohenberg eigene Völker gehalten und betätigt sich auch jetzt noch als Hobby-Imker. Extensiv betrieben und nicht auf maximale Honigernte ausgelegt, mache das noch nicht mal viel Arbeit. Wer als Nicht-Landwirt und Nicht-Gärtner etwas für die Insektenvielfalt tun will, kann „Blüh-Patenschaften“ übernehmen (Infos unter www.bluehende-landschaft.de). Im übrigen rät Hampl Verbrauchern zum Kauf von Bio-Produkten. „Das ist der effektivste Weg, um eine vielfältige bäuerliche Landwirtschaft zu fördern.“

Ulrike Osman

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