Urbanes Leben am Papierbach

Die grobe Planung steht

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Nach diesem Entwurf des Büros morpho-logic soll das Pflugfabrik-Areal entwickelt werden.

Landsberg – In den nächsten sechs Wochen haben interessierte Bürger die Möglichkeit, den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan zur Neugestaltung des Geländes der Pflugfabrik einzusehen und zu kommentieren. Wie bei einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung zu einem solchen Mammut-Projekt zu erwarten, gibt es ausreichend Raum für Anregungen. Vieles ist noch offen, und wichtige Gutachten stehen noch aus.

Die grobe Planung steht und ist in den Zeichnungen visualisiert, die jetzt im Bürgerbüro einsehbar sind. Was beabsichtigt ist, kommt darin gut zum Ausdruck: eine abwechslungsreiche Bebauung, mehrere Sichtachsen, „Entrees“ und Plätze (insbesondere ein großzügiger „Platz der Kulturen“) sowie viel Natur und Kultur. In Verbindung mit Entscheidungen, die bereits getroffen sind (die von-Kühlmann-Straße bleibt, wird aber durch Baumaßnahmen verkehrsberuhigt), ergibt sich ein erstes Bild davon, wie es im Pflugfabrik-Gelände am Ende der Bauzeit, also 2023, wohl aussehen wird.

Bei einer „Bürgerinformation“ am Tag der Auslegung unter Leitung des städtischen Referatsleiters Alfred Ganzenmüller wurde aber auch deutlich, dass so Manches in den Plänen noch nicht viel bedeutet. „Grün“ heißt zum Beispiel: „15 Prozent begrünen“, aber wo und wie genau, ist noch nicht festgelegt. Die Wasserläufe sollen möglichst erhalten bleiben, „aber in welcher Form wissen wir noch nicht“. Und wie soll die entstehenden Kreuzung zwischen dem Lechsteg und der von-Kühlmann-Straße ausgestaltet werden? Darüber gibt es noch keine Entscheidung; „vielleicht machen wir da einen Zebrastreifen“.

"Von bis?"

Viele der rund 100 Bürger, die ins Sportzentrum gekommen waren, zeigten sich zwar dankbar, früh informiert zu werden. Aber sie hatten gedacht, dass sie mehr als nur ein Bild vom derzeitigen Planungsstand bekommen; sie hatten konkretere Antworten auf ihre Fragen erwartet, zum Beispiel auf die, was denn eine Wohnung am Papierbach künftig kosten wird. „Sagen Sie mal von bis“, insistierte ein Bürger, der angab, an einem Erwerb interessiert zu sein.

Stadtplaner Stefan Hofer (LARS Consult) erstellt im Auftrag der Stadt die Flächennutzungs- und Bebauungspläne zum Urbanen Leben am Papierbach.

Lediglich dass die Bahnlinie unterquert werden muss, weil die Deutsche Bahn AG einen ebenengleichen Übergang ablehnt, nahmen die Anwesenden aus erster Hand mit. Und wer genau hinhörte, spürte, dass die als Kulturraum vorgesehene Alte Schmiede wohl nicht erhalten bleiben kann, zumal dort ein unterirdisches Parkhaus entstehen soll – ein Neubau im industriehistorischen Stil wird nun geprüft. Fest steht wohl auch, dass der Flächennutzungsplan drei Arten der baulichen Nutzung vorsehen wird. Etwa die Hälfte des Gebiets wird als reines Wohngebiet eingestuft. Etwas weniger als die Hälfte wird als Mischgebiet ausgewiesen (dort sind Wohnungen, aber auch Büros, Praxen und Geschäfte zulässig). In einem Teilbereich entsteht schließlich ein Sondergebiet für einen Lebensmittel-Nahversorger.

Die Mischgebiete sind auf der Stadtseite des Areals (Osten) angesiedelt und durch den geplanten Lechsteg gut zu erreichen. Das legte für einen Bürger die Vermutung nahe, dass dadurch Wettbewerb zu den Einzelhändlern in der Innenstadt entsteht. Aber Alfred Ganzenmüller verwies auf das Zentrenkonzept, das derzeit erarbeitet wird. Demnach gelten für das Papierbach-Gebiet starke Sortiments-Einschränkungen.

Der städtische Umweltexperte Rolf Mergler-Völkl wies darauf hin, dass auch in Sachen Bebauungsplan noch viel unklar ist. Bei drei von vier relevanten Umweltthemen – Schall, Boden und Grundwasser – gebe es „Probleme, aber noch keine Lösungen“; lediglich beim Thema Erschütterungen (durch die Bahn) ist man im grünen Bereich, wenn genug Abstand eingehalten wird.

Die größte Herausforderung gibt es wohl beim Schallschutz. Selbst in den Mischgebieten, in denen es lauter sein darf, werden die Grenzwerte überschritten. Gründe dafür sind der Auto- und Bahnverkehr, aber auch Geräusche, die vom Jugendzentrum und dem Inselbad ausgehen. Kann das Jugendzentrum Bestand haben? Muss die Grundrissorientierung der neuen Bauten geändert werden? Ist im Einzelfall festzulegen, das Fenster nicht geöffnet werden können? Das alles müssen nun erst einmal Untersuchungen zeigen. Auch beim Boden (es gibt Verunreinigungen und unqualifizierte Aufschüttungen) wird nach den Darlegungen von Mergler-Völkl hoher Aufwand entstehen. Ungeklärt ist zudem, wie die Gebäude mit dem hohen Grundwasserspiegel in Einklang zu bringen sind.

Persönliche Auskunft

Dennoch sei die jetzige Bürgerbeteiligung von großer Bedeutung; darauf wiesen Oberbürgermeister Mathias Neuner und Stadtbaumeisterin Birgit Weber übereinstimmend hin. Alle schriftlichen Einwendungen werden nicht nur von der Verwaltung gelesen, sondern auch an den Bauausschuss und den Stadtrat weitergeleitet. Alfred Ganzenmüller bot sogar an, dass die Mitarbeiter des Bauamts persönlich Auskunft geben – „aber rufen Sie vorher durch“.

Architekt Michael Gebhard (Büro morpho-logic) äußerte sich unverblümt zu einem Nebeneffekt der Bürgerbeteiligung: „Auf dem Weg vom ersten Plan bis zur Realisierung geht gerne schon mal ein Stück Qualität verloren. Achten Sie darauf, dass das in diesem Fall nicht geschieht!“

Werner Lauff

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