Aus Kloster wird Fachklinik

Den Klosterhonig gibt es schon

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Allein 350 Fenster müssen für die psychosomatische Klinik im ehemaligen Kloster St. Vinzenz saniert werden. Die meisten gewähren einen schönen Ausblick, den hier Geschäftsführer Michael Kneis genießt.

Dießen – „Wir haben hier eine rundum vorbildliche Baustelle, das wurde uns schon von vielen Fachleuten bestätigt, und wir liegen gut in der Zeit“. Michael Kneis, Geschäftsführer der Artemed Fachklinik München und der Psychosomatischen Klinik Dießen, freut sich beim Rundgang durch das ehemalige Kloster St. Vinzenz, das seit Juli unter der Leitung des Architekten Hans Neuner Schritt für Schritt in eine psychosomatische Klinik verwandelt wird.

Noch stapelt sich Baumaterial in den Gängen, an Böden und Wänden wird gearbeitet, in einigen Räumen befinden sich Gerüste, um die hohen Decken zu erreichen, andere sind mit Stahlträgern abgestützt. Doch die Metamorphose scheint zu gelingen, in wenigen Wochen sollen die technischen Gewerke wie Heizung und Sanitär mit der Arbeit beginnen, die Eröffnung ist für September geplant: Auf 7.000 Quadratmetern werden dann 100 Mitarbeiter beschäftigt sein, bis zu 100 Patienten können hier betreut werden. Auch der Bau des Patienten- und Mitarbeiterparkplatzes südlich des Klosters an der Probst-Herkulan-Karg Straße soll in Kürze in Angriff genommen werden.

„Natürlich wird hier kein Handgriff gemacht, der nicht mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt ist“, betont Kneis. Er ist glücklich, dass der Eingangsbereich insofern verändert werden kann, dass der eher enge Zugang vorbei an der Klosterpforte zum anschließenden Gebäudetrakt hin so weit geöffnet werden darf, um daraus eine großzügige, helle Eingangssituation mit Empfangstheke zu gestalten. Sogar die Kutsche des Grafen Schacky, die seit vielen Jahren in der Klosterremise steht, soll restauriert und im Foyer ausgestellt werden.

Gleich rechts im ehemaligen Besucherraum der Schwestern und der einstigen Klosterküche soll ein gemütliches „Kaminzimmer“ mit einer kleinen Cafeteria entstehen. Das übrige südliche Erdgeschoss, auch das lichtdurchflutete ehemalige Nähzimmer, verwandelt sich in einen hellen, freundlichen Gemeinschafts- und Therapiebe­reich.

Der medizinische Teil wird auf der Seeseite des hufeisenförmigen Klosterbaus integriert. In den ehemaligen Klosterzellen werden Behandlungszimmer eingerichtet und Eingangsuntersuchungen mit Ultraschall, EKG und so weiter durchgeführt. Die meisten Patientenzimmer befinden sich im Obergeschoss, wo einst die Schwestern in ihren Klosterzellen lebten, sowie im Dachgeschoss, das ebenfalls ausgebaut wird. Während die Wände in einem angenehmen Weißton erscheinen sollen, der noch mit den Denkmalschutz abzustimmen ist, sollen die Patientenzimmer je nach Ausrichtung (Dorf, Wald, See) in Braun-, Grün- oder Blautönen ausgestattet werden. „Auf Pflegebetten können wir in einer psychosomatischen Klinik weitgehend verzichten. Es soll kein fundamentales Krankenhausgefühl aufkommen“, erklärt Kneis.

Alte Türen und Fenster werden nach Möglichkeit erhalten und ertüchtigt. Allein die über 350 Fenster seien ein großes, kostenintensives Thema, so der Geschäftsführer. Doch dank geeigneter Fachfirmen, nicht zuletzt aus Dießen und Umgebung, sei dies zu bewältigen.

Sensibel möchte Artemed auch mit den Außenanlagen des 2,5 Hektar großen Kloster­geländes umgehen. So sollen die beiden alten Brunnen im Innenhof und im Südgarten bald wieder sprudeln. Das bestehende Wegenetz wird erhalten und aufgearbeitet, Obstgarten, Wald und Bachlauf werden weiterhin gepflegt. Auch eine Schafherde darf wie bisher im Park weiden, die Bienenstöcke einer ortsansässigen Imkerin sind nach wie vor willkommen und der ehemalige Klostergärtner ist bereits Mitarbeiter von Artemed. „Heuer konnten wir zum ersten Mal Klosterhonig probieren“, freut sich Kneis.

Die alte Schreinerei und die Pfarrerwohnung im Ostflügel sollen ebenfalls zur Therapie genutzt und in der Orangerie soll kunsttherapeu­tisch gearbeitet werden.

Mit dem Mitarbeiter-Rekruting möchte Artemed noch diesen Monat beginnen. Aktuell sind bereits die Stellen einer leitenden Oberärztin und einer leitenden Psychotherapeutin vergeben.

Öffentliche Angebote

Zu den Standortvorteilen zählt Kneis neben dem historischen Klosteranwesen, das „nicht wie ein Klinikneubau auf der grünen Wiese steht, sondern mit seiner geschützten Atmosphäre wunderbar in den Ort eingebunden ist“ auch das Einkaufs-, Gastronomie- und Kulturangebot der Gemeinde und nicht zuletzt den See und die Landschaft rund um Dießen: „Unsere Patienten sind in der Regel mobil und werden das örtliche Angebot nutzen.“

Große Events im Kloster kann Michael Kneis sich weniger vorstellen: „Große Räumlichkeiten, wie die Refektorien, gibt es ja nicht mehr“. Aber kleinere Veranstaltungen im Kaminzimmer oder im Garten seien durchaus denkbar. „Das wird sich ergeben“, meint Kneis. „Grundsätzlich stehen wir Dießen und seinen Bürgern sehr offen gegenüber.“

Ursula Nagl

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