Das Umfeld betrachten

„Von einem Großkino, das der Altstadt nichts bringt und uns in Ortsrandlage nur Ärger beschert, sollten wir lieber die Finger lassen.“ Helmut Weber (CSU) sagt’s und die Mehrheit der Bauausschussmitglieder ist ähnlicher Ansicht. Gleichwohl gibt es in der Kinofrage noch keine abschließende Antwort. Erst im Spätherbst soll es soweit sein. Zuvor wird sich eine Arbeitsgruppe mit dem Gesamtkonzept für den möglichen Kinostandort Landsberg-Ost be­- fassen.

Die Bedenken der Ratsmitglieder hätten das Vorhaben beinahe schon am Mittwoch zu Fall gebracht. Erst in der zweiten Abstimmung einigte man sich mit einer Zweidrittelmehrheit darauf, den Standort zwischen Fachmarktzentrum und Autohaus Reisacher nach der Sommerpause in einer Arbeitsgruppe in Augenschein zu nehmen. Landsberg-Ost hat Dipl.-Geograf Stefan Gortan von der Münchener CIMA Beratungs- und Management Gmbh nicht zuletzt aufgrund er Nähe zur A96 gewisse Vorteile im Vergleich zu Kaufering-Süd zugesprochen. Im Mittelpunkt des städtischen Interesses steht auch die weitere Bebauung, da ein Großkino allein noch keinen guten Standort ausmacht. Im Gespräch sind Fastfood-Restaurant, Bowling-Bahn, Fitnesscenter und sogar eine Tankstelle. Zwei Investoren präsentierten am Mittwoch ihre Konzepte im Bauausschuss. Da ist zunächst Werner Rusch. Er betreibt Cineplex-Häuser in Königsbrunn, Aichach und Meitingen und will sein Vorhaben mit zehn Sälen in Landsberg auf alle Fälle durchziehen – unabhängig davon, ob Hermann Huber und Michael Haid das Großkino in Kaufering nach dem Spatenstich am 9. Juni tatsächlich bauen werden. Stefan Gortan warnt: „Wirtschaftlich wäre das nicht tragfähig, da sich die Einzugsbereiche beider Großkinos zu 85 Prozent überschneiden.“ Ohnehin ist Werner Rusch auf Huber nicht gut zu sprechen, da dieser 15 Jahre lang in leitender Funktion für ihn gearbeitet hat und nun in Konkurrenz zu ihm steht. Dass diese Fehde in der Lechstadt ausgetragen wird, bringt den Geschäftsführer der Olympia Filmtheater GmbH, Rudolf Gilk, auf die Palme und in Zugzwang. Sowohl die CIMA-Studie als auch die Stadtspitze gehen davon aus, dass das altehr­- würdige Kino in der Altstadt mit einem Großkino vor der Nase höchste Existenzprobleme bekäme. Nach Ansicht Gortans ist es als Programmkino langfristig nur überlebensfähig, wenn es vom selben Betreiber geführt würde. Eben das hat Gilk vor und plant mit dem Kaufbeurer Kinobetreiber Josef Scheibl als Investor „realitätsnah, ohne dem Größenwahn zu unterliegen“. Ein Haus mit vier Sälen und Erweiterungsmöglichkeit steht den Beiden im Landsberger Osten im Sinn. Derweil investiert Gilk erstmal weiter ins Olympia-Filmtheater, will noch im September auf Digital- und 3D-Technik umrüsten.

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