Umfrage von mobi-LL

Mit dem ÖPNV am Ammersee-Westufer nicht zufrieden

Bus in Dießen
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Als Ergänzung zu den ÖPNV-Bussen wünscht man sich am Ammersee-Westufer flexible Sammeltaxis und Rufbusse ohne Fahrplan und feste Standplätze.
  • Dieter Roettig
    vonDieter Roettig
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Schondorf – Sabine Pittroff, grüne Gemeinderätin in Schondorf und Mitinitiatorin von „mobi-LL“, hat jetzt das mit Spannung erwartete Ergebnis ihrer Mobilitätsumfrage in der Ammersee-Region vor. Die 228 ausgewerteten Fragebögen spiegeln deutlich die Unzufriedenheit mit dem ÖPNV-Angebot wieder. Eine überwältigende Mehrheit von 89 Prozent sprach sich zudem für die Einführung einer Mobilitäts-App als Beitrag für den Umweltschutz aus. 

Die 2017 gegründete Initiative mobi-LL ist ein Zusammenschluss von Bürgern vom Ammersee-Westufer bis Windach, die sich insbesondere um mobile Alternativen zum eigenen Auto konstruktive Gedanken machen. Man möchte die Mobilität im ländlichen Bereich zwischen dem Westufer und Landsberg verbessern. Und zwar klimaverträglich, sozial und ressourcenschonend.

Laut der Umfrage benutzt jeder Zweite sein Auto „sehr häufig“, 30 Prozent „häufig“ und gerade mal 15 Prozent „selten“. Der Medianwert für die täglich im Auto zurückgelegte Strecke liegt bei 20 Kilometern. Das heißt, die eine Hälfte fährt kürzere Strecken, die andere Hälfe längere, teilweise auch mehr als 100 Kilometer. Zur Ehrenrettung der Autofahrer sei gesagt, dass insgesamt ein Drittel kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt. Nur bescheidene sechs Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel, die meisten davon in Orten mit Bahnanschluss. 60 Prozent fahren selten mit Bus oder Regional­bahn und klickten beim derzeitigen ÖPNV-Angebot die Antwortvorgabe „unzu­frieden“ an.

Als alternative Mobilitätsform und Ergänzung zum klassische ÖPNV sprachen sich 60 Prozent für Anrufsammeltaxis aus, mehr aber noch für „Rufbusse“. Mit diesem System ließen sich Lücken im öffentlichen Verkehrsnetz schließen. Dieser bedarfsgesteuerte Betrieb, auch „On-Demand-Ridepooling“ genannt, kann als Hybrid zwischen Taxi und ÖPNV beschrieben werden. Die Fahrt im Rufbus findet unabhängig von einem Fahrplan oder Linienweg statt, wobei unterwegs Fahrgäste ein- und aussteigen können.

Mit einem digitalen Rufbus-­System haben sich bereits die Stadt Landsberg und die Marktgemeinde Dießen beschäftigt. Das in Murnau mit Erfolg ein­gesetzte StartUp „Omobi“ (Oberland-Mobilität) mit Kleinbussen sowie ohne festen Fahrplan und ohne Haltestellen stieß auf starkes Interesse und soll weiter verfolgt werden.

Die App soll‘s richten

Obwohl die Befragten zu 93 Prozent Wert auf eine gute und nachhaltige Mobilität legen, nutzen sie selten (44 Prozent) oder nie (weitere 43 Prozent) die Möglichkeit, ihr Auto auf einem Park&Ride-Platz stehen zu lassen, um auf öffentliche Verkehrsmittel oder in ein anderes Auto umzusteigen. Nur einer von zehn Autofahrern steigt „häufig“ um, nur einer unter 43 „sehr häufig“. Die vielerorts angebotene Alternative Carsharing ist laut Sabine Pittroff „noch nicht in der Praxis“ angekommen. Nur drei Prozent nutzen „häufig“ das Autoteilen.

Eine Mobilitäts-App würden laut der Fragebogen-Auswertung 57 Prozent nutzen, unab­hängig davon, ob sie selbst mit dem Auto fahren oder sich fahren lassen. Freie Sitzplätze auf alltäglichen Fahrten würden mit Hilfe der App 46 Prozent mit anderen teilen. Weitere 36 sagen „manchmal“ und 17 Prozent „nie“.

Mehr Mitfahrer

Da die Auslastung der Autos im Pendelverkehr bei nur 1,2 Personen pro Fahrzeug liegt, sei die einfachste Lösung laut mobi-LL „in der Erhöhung des Besetzungsgrades durch Mitfahrgelegenheiten.“ Man habe deshalb ein Projekt initiiert, durch eine Navigations-App die Auslastung der Autos deutlich zu erhöhen, die tägliche Mobilität zu verbessern und gleichzeitig die Emissionen zu reduzieren.

Fahrer oder Mitfahrer geben über die App Standort und Ziel ein. Die App berechnet einen für Beide gut erreichbaren Treffpunkt. Das integrierte Navigationssystem bringt das Auto dann unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage zum Treffpunkt und Ziel. Nach jeder Fahrt hat der Mitfahrer die Möglichkeit, nach dem Prinzip „Pay what you want“ dem Fahrer über das Payment-System einen Obolus zukommen zu lassen.

Wie Sabine Pittroff betont, habe sie der Wunsch nach Nachhaltigkeit und des Teilens selbst überrascht. Beim Mobilitätstag des Landkreises am 22. Juli möchte sie die App näher vorstellen.

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