Ganzes Dorf im Schutzgebiet

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Das Wasserschutzgebiet für Denklingen: Kann Rathauschef Kießling auf der Bürgerversammlung zu diesem Thema einige Fakten wieder gerade rücken?

Denklingen/Dienhausen – Mittlerweile gibt es drei Gutachten, die sich mit der Ausdehnung des Wasserschutzgebietes für Denklingen befassen. Die Aussagen in den drei Untersuchungen sind konträr. Laut der aktuellen Analyse, die von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurde, soll sich die äußere von drei Zonen – mit geringen Auflagen für Landwirte und Grundstückseigentümer – so weit Richtung Süden erstrecken, dass die ganze Ortschaft Dienhausen im Wasserschutzgebiet für Denklingen liegt.

Dies ist der Hintergrund dafür, warum Gemeinderat Martin Steger von der Wählervereinigung Dienhausen im Gemeinderat einhakte, als es darum ging, dem landwirtschaftlichen Betrieb Wasserle am Ortseingang von Dienhausen die Errichtung einer Biogasanlage zu genehmigen, in der Material aus dem eigenen Hof verwertet wird. Dazu gehören der Bau eines Fermenters mit Betondecke und ein Nachgärer/Endlager mit Folienhaube. Der Heizkraftraum bzw. der Elektroraum sind in einem bestehenden Gebäude vorgesehen. Martin Steger argumentierte, den Bauantrag angesichts der Thematik mit der Ausdehnung des Wasserschutzgebietes, die in den verschiedenen Gutachten unterschiedlich bewertet wird, wenigstens bis zur nächsten Sitzung zu vertagen.

Man könne der Biogasanlage jetzt nicht zustimmen, wenn noch Fragen zum Schutzgebiet offen seien und laut aktuellem Gutachten die ganze Ortschaft Dienhausen in die Zone 3 falle. Auf Nachfrage des KREISBOTEN erklärte der langjährige Gemeinderat aus Dienhausen, nicht nur die Biogasanlage sei in diesem Zusammenhang zu bewerten. Da sei auch zu klären, ob auch ein Misthaufen oder eine Güllegrube auf einem Hof noch erlaubt seien. Vor allem aber müssten Kriterien wie das Oberflächenwasser von Dienhausen, das nahe des Anwesens Wasserle versickere, sowie der Zustand der Rohre für den Kanal von Dienhausen nach Denklingen bedacht werden.

Da könnten erhebliche Folgekosten auf die Gemeinde zukommen. Doch mit dem Ansinnen, das Thema zu vertagen, stand Martin Steger auf der letzten Sitzung allein da. Johann Hartmann, der Geschäftsstellenleiter im Denklinger Rathaus, entgegnete dem Gemeinderat aus Dienhausen, der Landwirt habe „einen Anspruch darauf“, dass der Bauantrag rechtzeitig behandelt wird. Bürgermeister Kießling merkte an, wenn das Schutzgebiet dort greife, dann müsse sich der Landwirt trotz der Zustimmung des Gemeinderates an die Auflagen halten, die vom Wasserwirtschaftsamt bzw. vom Landratsamt kämen. In der Abstimmung zum Thema gab es im Gemeinderat drei Gegenstimmen. Mit Nein votierten Martin Steger, Anita Gropp und Wolfgang Martin. Eine Mehrheit von neun Gemeinderäten und Bürgermeister befürwortete das Bauvorhaben. Es ist privilegiert. Dies bedeutet, dass es z.B. einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb bzw. einer Gärtnerei dient.

Darunter fällt auch die energetische Nutzung von Biomasse. Bürgermeister Kießling hat sich bisher zu dem Thema Wasserschutzgebiet bedeckt gehalten. Doch hat er angekündigt, auf der Bürgerversammlung am heutigen Mittwoch, 18. November – Beginn ist um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle – die Bewohner der Gemeinde über den aktuellen Stand der Trinkwasserversorgung und zu den Überlegungen hinsichtlich des Wasserschutzgebietes zu informieren.

Eigenes Gutachten

 Vor mehr als fünf Jahren hat die Gemeinde bei einem Büro im Allgäu das erste Gutachten angefordert. Anlass dafür war, dass die Rechte für das Wasserschutzgebiet wie in jeder Gemeinde nach mehreren Jahrzehnten Laufzeit neu beantragt werden müssen. Demnach war die Zone 2 südlich von Denklingen, in der kein Weideaustrieb und kein Ausbringen der Gülle erlaubt sind, viel größer als im ursprünglichen Zuschnitt. Diese reichte weit nach Süden. Das rief wiederum die Grundstückseigentümer auf den Plan. Es bildete sich, wie Gemeinderat Johannes Schelkle am Wochenende auf Nachfrage der Redaktion geschildert hat, eine Schutzgemeinschaft mit mehr als 25 Eigentümern. Das war im April 2010.

Die Landwirte und Grundstücksbesitzer legten Widerspruch ein. Es kam zu einer Anhörung im Landratsamt Landsberg. Außerdem gaben sie auf eigene Kosten bei einem Geologen ein Gutachten in Auftrag, demzufolge die Schutzzone 2 deutlich enger einzugrenzen sei als in der ersten Untersuchung, die der Gemeinde vorlag. Nach Informationen unserer Redaktion haben die Räte in der aktuellen Legislaturperiode – offenbar aus Unzufriedenheit mit den Feststellungen im ersten Gutachten – eine weitere geologische Untersuchung gefordert. Doch der Schuss ging wohl nach hinten los. Und zwar deswegen, weil in der aktuellen Analyse die dritte, äußere Schutzzone sogar das Gebiet der Ortschaft Dienhausen einschließt, die ungefähr zwei Kilometer südlich der Denklinger Fassung liegt.

Warum er ob dieses Hintergrunds dann dem Bau der Biogasanlage auf dem Betrieb Wasserle in Dienhausen zum jetzigen Zeitpunkt zugestimmt habe, lautet unsere Frage an Gemeinderat Schelkle (Wählervereinigung Dienhausen). Der Antrag des Landwirts sei heuer schon mal im Gemeinderat aufgerufen worden, es handle sich aktuell nur um eine Tektur mit geringen Änderungen, gibt Schelkle zu verstehen. Er sehe keinen Grund, die Anlage mit Fermenter und Nachgärer abzulehnen. Zumal dort Material vom eigenen Betrieb verwertet werde und nicht Gras bzw. Mais von weither.

Johannes Jais

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