Gibt´s bald einen weiteren Standort im Süden des Landkreises?

Rettungsdienst: Mehr Einsätze mit weniger Personal

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BRK-Kreisvorsitzender Andreas Lehner (Mitte) stellte neben der Einsatz-Bilanz des vergangenen Jahres auch den neuen Rettungsdienst-Chef Christian Haberkorn (links) vor. Außerdem verabschiedete Lehner Haberkorns Vorgänger Thomas Nerlinger (rechts).

Landkreis – Die Einsatzzahlen für den Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) steigen stetig – das dokumentiert auch die jüngste Bilanz des Landsberger Kreisverbandes, den aber zugleich Personalprobleme plagen. Diese zu lösen, wird auch Aufgabe des neuen Rettungsdienst-Chefs Christian ­Haberkorn sein. Er ist ab Februar im Amt.

Dabei bringt Haberkorn reichlich Erfahrung mit: Sieben Jahre lang leitete er bereits den Rettungsdienst an verschiedenen Standorten. Seine Aufgabe in Landsberg tritt der Kauferinger nun an einem Standort an, der „ein bisserl größer ist“, wie BRK-Kreisvorsitzender Andreas Lehner sagt. Lehner verabschiedete zugleich Haberkorns Vorgänger Thomas Nerlinger, der nach 26 Jahren beim Kreisverband und drei Jahren als Rettungsdienst-Leiter in den oberbayerischen Bezirksverband wechselt.

Eine große Herausforderung, die den ausgebildeten Notfallsanitäter Haberkorn in der Lechstadt erwartet, ist der Fachkräftemangel im sozialen Bereich. Wie Lehner berichtet, hätte es vor einigen Jahren für eine freie Stelle rund zehn bis 15 Bewerbungen gegeben. Heutzutage sei es genau umgekehrt. Immerhin: „Wir haben ein lebendiges Ehrenamt“; die vielen Freiwilligen würden großes Engagement zeigen. Das beweist auch der Blick auf die Zahlen des Vorjahres: Von den 112.000 Einsatzstunden des Landsberger Rettungsdienstes leisteten rund zehn Prozent die Ehrenamtlichen ab. Der Rest verteilt sich auf die hauptamtlichen Mitarbeiter (92.100 Stunden) und die Einsatzleiter (8.800 Stunden).

Die Schichten zu besetzen, sei oft eine echte Herausforderung, erzählt der scheidende Rettungsdienst-Chef Nerlinger. Viele Ehrenamtliche seien zeitlich nicht mehr so flexibel wie in der Vergangenheit. Offene Stellen zu besetzen, sei ohnehin schwer. Und auch die Verfügbarkeit der bestehenden Mitarbeiter sei derzeit schwer kalkulierbar. Hintergrund: 2014 lief die Berufsbezeichnung des Rettungs­assistenten aus – bis dato die zentrale Qualifikation im Rettungswesen nach dem Arzt, wie der BRK auf seiner Homepage schreibt. Weil es aber vielerorts an Notärzten mangle, gibt es nun den Notfallsanitäter, neue ranghöchste nichtärztliche Position im Rettungsdienst. Ausgelernte Notfallsanitäter sind von den 46 hauptamtlichen Mitarbeitern im Landsberger Kreisverband derzeit allerdings erst 14. Bedeutet: Einige, die bislang noch Rettungs­assistenten sind, müssen wieder die Schulbank drücken, um sich fortzubilden – dann mit mehr Befugnissen und dem Ziel, den Mangel an Notärzten zu kompensieren. Nichtsdestotrotz würden sich dadurch bis Ende 2019, so Lehners Rechnung, Schwierigkeiten in der Personalplanung ergeben.

Während man „mit dem Personal nicht hinterher kommt“, wie der Kreisverbandsvorsitzende sagt, nehmen die Einsatzzahlen zu. Musste der Rettungsdienst 2016 noch 12.800 Male ausrücken, wurde er vergangenes Jahr sogar über 13.500 Mal gerufen. Als Gründe für den wachsenden Bedarf sieht Lehner die demographische Entwicklung und das stetige Wachstum des Landkreises – mehr Menschen, mehr Einsätze. Und was die Einsatzkräfte ebenfalls auf Trab hält: „das geänderte Alarmierungsverhalten“, wie Lehner es ausdrückt. Gemeint ist damit, dass zunehmend Leute mit kleineren Beschwerden den Rettungsdienst rufen.

Ist ein Patient aber tatsächlich schwerer verletzt, steht den Sanitätern ein neues Tool zur Verfügung, das in den entscheidenden Sekunden womöglich Leben retten kann: das sogenannte NIDA-Pad, das künftig an Bord der Rettungswagen sein wird. Was das Gerät kann? Auf dem Weg von der Erstversorgung ins Krankenhaus nehmen die Sanitäter beispielsweise EKG-Werte des Patienten und schreiben sie auf dem Pad in eine Art digitale Patientenakte ein. Elektronisch können die Notfallsanis dann an die Zielklinik nicht nur übermitteln, wann der Patient eingeliefert wird, sondern auch EKG- oder Blutwerte, über die die Klinik beim Eintreffen des Rettungswagens dann bereits im Bilde ist. „Ein Riesen-Vorteil im Ablauf“, findet Christian Haberkorn. Vor allem für Autounfälle könnte sich das Pad als wertvoll erweisen: Denn auch Fotos, die mit dem NIDA-Pad gemacht werden, sendet das Gerät bereits auf der Fahrt ins Krankenhaus. So bekommt der behandelnde Klinik-Arzt schon vorab eine erste Vorstellung, worauf er sich einstellen muss und welche Untersuchungen er vornehmen sollte. Auch wenn die Landsberger Autos schon mit dem Pad ausgestattet sind: Die hiesige Klinik arbeitet bis dato noch nicht mit dem System, das in anderen Kliniken vor allem im Münchener Raum oder beispielsweise Schongau bereits existiere, sagt Andreas Lehner.

Mit dem NIDA-Pad können die Notfallsanitäter Patientendaten direkt an die Klinik übermitteln.

Bald könnten aber auch die Landsberger nachziehen, meint Lehner, der auch anderweitig daran feilt, wertvolle Sekunden für eine zügige Erstversorgung zu gewinnen. Derzeit ist der ­Rettungsdienst in Landsberg mit zwei und in Dießen mit einem Rettungswagen positioniert, um Aufträge entgegenzunehmen – von Landsberg aus waren es 2017 übrigens fast 10.000 ­Einsätze. Schon deutlich weniger sind es vom jüngst ­geschaffenen dritten Standort in Windach, wo zwischen 8 und 20 Uhr ein Rettungswagen postiert ist. Mit jährlich rund 800 Einsätzen vom neuen Standort aus hatte Lehner eigentlich kalkuliert – 2017 waren es sogar etwa 1.400.

Vierter Standort?

Eine Baustelle, wo es oft schon schwer fällt, die vorgegebene Hilfsfrist von zwölf Minuten einzuhalten, sieht Lehner im südlichen Landkreis Landsberg. Auch dort möchte der BRK-Kreisgeschäftsführer künftig einen fixen Stellplatz für einen Rettungswagen einrichten. Wo genau der Wagen stehen soll, ist derweil noch nicht klar. „Das läuft gerade erst an.“

Marco Tobisch

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