Neues Gelände für den TSV Landsberg?

Umzug seltener Arten

Eine Schlingnatter auf einem Haufen von Laub, Ästen und Moos (Symbolbild).
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Sie macht einer Erweiterung des TSV-Sportgeländes Probleme: die Schlingnatter
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Eine Erweiterung des TSV-Sportgeländes wird, wenn sie denn beschlossen wird, noch Jahre auf sich warten lassen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses deutlich. Denn bevor das Gelände östlich des bestehenden Sportparks genutzt werden kann, müssen seltene Arten umgesiedelt werden.

Und das ist zeitaufwändig, wie Landschaftsarchitektin Stephanie Fuß vom Büro Daurer + Hasse in der Bauausschusssitzung erklärte. Aus der Brache, die bis 2008 als Sportplatz genutzt wurde, ist eine extrem artenreiche Fläche mit diversen seltenen Tierarten geworden, darunter eine Fledermausart, drei Falter- und fünf Heuschreckenarten, die auf der Roten Liste stehen, 36 Vogelarten und die Zauneidechse, deren Bestände in Deutschland ebenfalls schrumpfen.

Noch nicht bestätigt ist das Vorkommen der Schlingnatter, die auf dem Gelände vermutet wird, weil sie dort optimale Bedingungen vorfindet. Über einen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren soll nun geklärt werden, ob die gefährdete Schlange dort lebt oder nicht.

Die Reptilien müssten umgesiedelt werden, bevor die Fläche anderweitig genutzt werden kann, machte Fuß klar. Dazu müsse ein funktionierender Ersatzlebensraum von 5000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, auf dem entsprechende Habitate geschaffen werden müssten, etwa in Form von Totholzhaufen. Die Tiere würden dann über mehrere Monate von der Fläche im Frauenwald abgefangen und in den neuen Lebensraum gebracht. Wenn keine geeignete Fläche vorhanden ist, muss sie angelegt werden, zum Beispiel durch Umnutzung einer bisher intensiv bewirtschafteten Wiese. Allein diese Vorbereitungszeit würde mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen, so Fuß. Wichtig ist auch die Lage der Ersatzfläche – es muss eine Anbindung an Gebiete bestehen, die von den Reptilien bereits besiedelt sind.

Auch für die Fledermäuse wäre durch Aufhängen von Fledermauskästen in umliegenden Gehölzen Vorsorge zu treffen. Die auf dem Grundstück vorhandenen Gebäude müssten vor dem Abriss auf Fledermausbestände überprüft werden.

Die Stadt möchte dem TSV zwar entgegenkommen, doch Umwelt- und Naturschutzreferent Lennart Möller (Grüne) findet die Brache zu wertvoll, um sie aufzugeben. „Die Fläche ist unbedingt erhaltenswert. Es ist doch ein Wahnsinn zu denken, dass man die Arten alle einfangen und woanders hinsetzen kann. So ein Habitat ist nicht einfach reproduzierbar.“ Umsiedlungen würden durchaus nicht immer funktionieren.

OBin Doris Baumgartl (UBV) sah den Konflikt mit dem Naturschutz durchaus, konnte sich aber gleichzeitig für den TSV keine andere Fläche vorstellen. „Und wir brauchen auch dringend Gewerbeflächen.“

Vorläufig musste noch keine Entscheidung getroffen werden. Der Bauausschuss nahm die Ausführungen von Stephanie Fuß lediglich zur Kenntnis.

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