Flüchtlinge drücken die Schulbank

Viel Spaß mit "Faulpelz"

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Konzentriert arbeiten die „Unbegleiteten Minderjährigen“ im Deutschunterricht an der Schlossbergschule mit. Innerhalb von drei Monaten haben sie große Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht.

Landsberg – Khalid kennt sich aus. Weder Präpositionen wie „auf“, „unter“ und „neben“ noch die erste Vergangenheit machen ihm Probleme, nur mit „zum” und „zur” steht er noch auf Kriegsfuß. „Sie machen schnell Fortschritte“, freut sich Lehrerin Johanna Schaufler über den Eifer der „Unbegleiteten Minderjährigen“, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind. Seit einem guten Vierteljahr genießen sie nun den Deutschunterricht in der Schlossbergschule und selbst die Analphabeten unter ihnen können mittlerweile Lesen, Rechnen und Schreiben.

Für heute hat Johanna Schaufler Verben mitgebracht, die den Jugendlichen noch schwer fallen: „dürfen“, „müssen“, „können“, „wollen“ und „sollen“ werden an der Tafel dekliniert. Die Jungen helfen sich gegenseitig und freuen sich über den Erfolg der Kameraden.

Das Schwierigste war anfangs die Schulstruktur, erzählt Johanna Schaufler. Viele der Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan, dem Senegal und anderen krisengeschüttelten Ländern haben nie eine Schule besucht, kannten die Situation „ein Lehrer – viele Schüler“ nicht, wollten Schaufler ganz für sich alleine. Doch mittlerweile ist es ruhig geworden im Klassenzimmer, die neun Jugendlichen arbeiten in der fortgeschrittenen Gruppe konzen- triert an den Aufgaben zur komplizierten deutschen Grammatik.

Im Klassenzimmer nebenan beschäftigen sich 13 schwächere Schüler gemeinsam mit den Sozialpädagogen Eva Jung und Markus Wierl damit, wie man jemanden in kurzen Sätzen vorstellt. Ganz nebenbei lernen sie das Wort „Faulpelz“, das ihnen großen Spaß macht – und kein bisschen auf sie zutrifft. Denn einige von ihnen waren Analphabeten und haben nun in kürzester Zeit Deutsch schreiben und lesen gelernt.

„Sie sind voll motiviert“, strahlt Eva Jung und berichtet, dass viele abends mit dem Deutschbuch in der Hand einschlafen. Zwar sind etliche Wiederholungen des Stoffs nötig, die Jugendlichen müssen schließlich nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die hier geltenden Regeln, Werte und Gepflogenheiten erlernen. Aber das machen die Jugendlichen mit ihrem Eifer wieder wett.

Ein paar von ihnen, wie der 14-jährige Harrison aus dem Senegal, dürfen deshalb schon stundenweise eine Regelklasse in der Schlossbergschule besuchen. „Dort ist ein toller Klassenlehrer, die Jugendlichen sind sehr gut integriert“, freut sich Schaufler. Überhaupt unterstütze die Schule die Unbegleiteten Minderjährigen „wo es nur geht“. Die Lehrerin übt mit ihren Schützlingen heute für den Einstufungstest, mit dem die Berufsschuleignung der Unbegleiteten Minderjährigen eingeschätzt werden soll. Dazu verteilt sie Arbeitsblätter, die es in sich haben: Die Jugendlichen müssen wissen, was sie in Bäckereien und auf dem Postamt erledigen können, sollen richtig nach dem Weg fragen, aus einem Bild Präpositionen ableiten und Verkehrszeichen erkennen.

Schaufler ermahnt sie, deutlich zu schreiben. Schließlich wäre bei Bestehen des Tests ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu den angestrebten Berufsausbildungen geschafft. Dann könnten die Jugendlichen zumindest an zwei Tagen die Berufsschule besuchen – und ansonsten weiterhin in der Schlossbergschule Deutsch lernen.

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