"Er ist unbelehrbar"

Nur eine Auswahl jener Waffen und Sprengkörper, die die Polizei auf dem Anwesen des Walleshauseners Josef W. bei einer groß anglegten Durchsuchungsaktion fand. Foto: Kripo

Der 55-jährige Waffennarr aus Walleshausen, dessen Haus vor gut einem Jahr von der Polizei gestürmt worden war, muss für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Anschließend wird er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Der Walleshausener wurden in der vergangenen Woche von der 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg wegen unerlaubten Waffenbesitzes, versuchter gefährlicher Körperver­- letzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung verurteilt. Einem psychologischen Gutachten zufolge leidet der dreifache Familien­- vater unter Verfolgungswahn und stellt zudem eine Gefahr für andere dar. „Weitere Straftaten sind zu erwarten“, befand die Psychologin Gisa Lieweris-Amsbeck. Schon seit seiner Jugend ist Josef W. fasziniert von Waffen. Dass das Gesetz deren Besitz größtenteils verbietet, interessiert ihn nicht. Er sei erwachsen und brauche keine Erlaubnis, ließ er die Gutachterin wissen. So machte es auf ihn keinen Eindruck, dass ihm schon 1988 seine Waffenbesitzkarte entzogen und 2006 auch der Besitz erlaubnisfreier Waffen untersagt wurde. Stattdessen häufte ein gewaltiges Arsenal an Pistolen, Colts, Gewehren, Munition und selbstgebastelten Sprengkörpern an, die er überall im Haus versteckte – in Hohlräumen zwischen Treppenstufen, hinter Spiegeln, in der Speisekammer, im Kleiderschrank, sogar zwischen Sofapolstern. Gern streifte Josef W. mit einer Metallsonde durch die Wälder und spürte alte Weltkriegsgeschosse, aber auch archäologische Funde auf, die er zu Hause in Schaukästen ausstellte. „Er ist ein Schatzsucher“, legte Verteidiger Georg Karl vor Gericht dar. 2005 wurden die Artefakte vom Denkmalschutz beschlagnahmt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt fühlte sich der 55-Jährige von den Behörden verfolgt und drangsaliert, fiel immer wieder mit kleineren Delikten auf und stand sieben Mal vor Gericht. Nachdem sein jüngster Sohn beim Hantieren mit einer Handgranate schwer verletzt worden war, rückte die Polizei mit einem Sondereinsatzkommando zu einer gründlichen Durchsuchung bei der Familie W. an. Das Problem dabei: Der Hausherr bedrohte die Beamten mit einer Lanze – eine versuchte gefährliche Körperverletzung „sehr nah am versuchten Totschlag“, wie der Vorsitzende Richter Wolfgang Rothermel sagte. Selbst aus der Untersuchungshaft bombardierte Josef W. noch Staatsanwälte und Ermittlungsrichter mit Briefen, in denen er sie als „Menschenrechtsverletzer“ und „Nazi-Richter“ beleidigte. Es fehle ihm jegliche Einsicht in seine wahnhafte Störung, so Staatsanwältin Tanja Horvath. „Er ist unbelehrbar.“ Auch die psychologische Sachverständige hält Josef W. für nicht therapierbar. Umsonst bemühte sich sein Verteidiger um ein weiteres Gutachten, um seinem Mandanten die Unterbringung in der Psychiatrie zu ersparen. Josef W, sei „ein Exzentriker, ein Sonderling“, aber nicht gefährlich. „Das Fuchteln mit der Lanze war eine Demonstration, kein Abwehrkampf auf Leben und Tod.“ Während der Verhandlung verhielt sich Josef W. ruhig und kooperativ, beharrte aber darauf, dass die Erstürmung und Durchsuchung seines Hauses ein Unrecht gewesen sei. Seine Waffensammlung spielte er als „Silvesterknaller“ und „verrostete Karabiner“ herunter. Das Urteil, das ihn für den Rest seines Lebens der Freiheit beraubt, nahm er unbewegt entgegen.

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