Endlich eine Heizung

Die Bewohner danken den "Stadtwerken mit Herz"

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Die „chaotische“ Baustelle ruht seit Monaten: Wann und wie es mit welchem Bauherrn in der Brudergasse weitergeht, ist nach wie vor unklar.

Landsberg – „Das kann man doch nicht mit ansehen. Da müssen wir etwas tun.“ So reagierten das Vorstandsmitglied der Stadtwerke Landsberg, Norbert Köhler, und der Abteilungsleiter Energieerzeugung und Wärmeversorgung, Thomas Schneider, als sie mitbekamen, dass die insolvenzgeschädigten Bewohner der Brudergasse 213c das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel ohne Heizung im Kalten verbringen würden. Sie trafen eine unbürokratische Entscheidung und installierten auf eigene Initiative eine temporäre Ersatzlösung für die nach dem Konkurs nicht mehr eingebaute Fernwärmeheizung. Die Bewohner haben sich jetzt mit einem Sektempfang bei ihnen und ihren Mitarbeitern bedankt.

Die Lösung besteht aus einer Elektroheizung, die heißes Wasser erzeugt und in die Fußbodenheizung pumpt. Damit können die Betroffenen nun zumindest ein Grundbedürfnis verwirklichen: Überwintern. Unmittelbar begünstigt sind davon die beiden Familien, die schon seit Monaten in der brach liegenden Baustelle wohnen: Ursula und Christian Karner sowie Martina Lewis und Antonio de la Vega.

„Ihr ward die einzigen, die uns unterstützt haben“, sagte Christian Karner bei dem Empfang am Freitag vor Weihnachten an die Adresse der Stadtwerke. Er habe bei allen Beteiligten, vom Bauherrn Torsten Schaub über die VR-Bank Landsberg-Ammer­see bis zum Insolvenzprüfer aus Nürnberg, etwas zu erreichen versucht. „Alle waren gesprächsbereit. Keiner sah Möglichkeiten, zu helfen. Das war zermürbend“.

Die Initiative der Stadtwerke führe dazu, dass nun alle Zimmer der Wohnungen beheizt seien. Bislang hatten sich die Betroffenen mit Brennholz beholfen, das sie nach oben tragen mussten. Meist hätte man sich in der Nähe des Kamins aufgehalten. Eine längere Abwesenheit war dadurch unmöglich; in der Zeit wäre die Wohnung ausgekühlt.

Beim Empfang der Betroffenen (von links): Ursula und Christian Karner (Bewohner), Thomas Schneider und Norbert Köhler von den Stadtwerken Landsberg, Antonio de la Vega und Martina Lewis (Bewohner).

Natürlich koste der Strom Geld, berichtete Karner, aber die Stadtwerke hätten den Bewohnern einen „fairen Preis“ gemacht.

Zwar hätten sich die zwei Fami­lien sowie ein weiterer Wohnungsbesitzer der Brudergasse 213c darauf verständigen können, ein Fernwärmeaggregat auf eigene Rechnung zu erwerben und einbauen zu lassen. Die Eigentümergemeinschaft sei über eine Schicksalsgemeinschaft zu einer echten Hausgemeinschaft geworden, sagen die Beteiligten. Es gab aber keine Zusagen der Käufer aus den anderen Gebäuden, sich an den Kosten dieser Zentralheizung zu beteiligen. Offenbar befürchteten viele, „schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen“.

Die beiden Familien, die bereits im Haus wohnen und von der Heizung profitieren, sind nur ein Teil der Geschädigten des Baukomplexes Brudergasse. Zu ihnen gehört auch die Landsberger Geschäftsfrau Karin Federl, die zwei Wohnungen gekauft hat. Auch sie hat inzwischen viel Eigenleistung erbracht, um das Schlimmste abzuwenden. Auch sie war beim Empfang dabei, der von einer Mischung aus Hoffnung und Galgenhumor geprägt war.

Die Baustelle unter Leitung von Projektleiter Rainer Makowski sei, so bewerten es die Betroffenen im Gespräch mit dem KREISBOTEN, „chaotisch“ verlaufen. Und zwar nicht nur wegen der Gebeine des früheren Friedhofs, „von denen man nichts gewusst haben will“. Sie mussten im Folgenden aufwändig gesichert werden, was Mehrkosten in fast siebenstelliger Höhe verursachte. Schon das verlief nicht reibungslos. Teilweise stockte die Bergung, teils lagen die Gebeine tagelang offen sichtbar auf dem Grundstück herum.

Auch später registrierten die Erwerber der Wohnungen einen unbefriedigenden Verlauf der Baustelle. „Überall lag Müll. Es gab nicht einmal ein Dixie-Klo.“ Die meisten Handwerker hätten nicht genau gewusst, was sie eigentlich tun sollen. Zuletzt hätten viele Gewerke nur noch „auf Regie“ gearbeitet. Die Kommunikation sei in dieser Zeit „nahezu null“ gewesen. Am Ende gab es noch nicht einmal eine Sicherung des aktuellen Baustands. Die Gebäude lagen schutzlos offen. „Verantwortung wurde da nicht ausgeübt.“

Rechtliche Unsicherheit

Die Karners und das Paar Lewis/La Vega wohnen in dem Teil des Projekts, der am weitesten fortgeschritten ist. Dennoch ist die Lage auch dort noch trist. Der Weg zum Haus ist unbefestigt. Im Eingangsbereich hängen Kabel herum. Der Aufzug funktioniert noch nicht. Auf dem Balkon steht zentimeterhoch Wasser. Dort gibt es auf ganzer Breite eine Absenkung, deren Sinn nicht ersichtlich ist. Das Terrassendach ist nicht fertiggestellt. Ein Vordach sieht bereits rostrot aus. Dafür kann man an den Balkonbegrenzungen die aktuelle Regenmenge ablesen. „Fertig“ ist in diesem Haus noch weit weg.

Dazu kommt die rechtliche Unsicherheit. Zwischenzeitlich gab es offenbar das Ange­bot, Wohnungen zum Ursprungspreis zurückzukaufen, um sie nach Erledigung der Restarbeiten mit Gewinn erneut zu verkaufen. Die Kosten von Einbauten und Verbesserungen wären dabei aber nicht erstattet worden. Das wäre für diejenigen, die Eigenleistungen erbracht haben, ein Verlustgeschäft geworden. Außerdem, in den Worten eines der Betroffenen: „Die Preise sind seit 2015 weiter gestiegen, der Markt ist leergefegt. Wo bekomme ich dann eine Wohnung her?“

Bewohner Christian Karner und Thomas Schneider von den Stadtwerken Landsberg neben der Zwischenlösung, einer Elektroheizung der Firma „Hotmobil“.

Einen Lichtblick gibt es: Dem zuständigen Amtsgericht liegt der Antrag des Insolvenzprüfers vor, das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Dann gäbe es endlich einen Insolvenzverwalter; man wäre einen Schritt weiter. Ob der selbst Bauherr sein will und das Projekt mit den bestehenden Werkverträgen zu Ende baut? Das darf man bezweifeln. Denkbar ist, dass das Areal an einen Bauträger geht, der mit eigenem Konzept weiterbaut und verpflichtet wird, auch die Wohnungen fertigzustellen, die bereits bewohnt sind. Die Chance ist realistisch: Für einen Nachfolger sind ja nur die Beträge verloren und nicht noch einmal liquidierbar, die die Betroffenen bereits bezahlt haben.

Man spürt es deutlich: Die Stadtwerke Landsberg haben den Anwohnern durch ihre Initiative nicht nur warme Räume beschert, sondern auch wieder mehr Mut gegeben, die nächste Zeit zu bestehen. „Von allen Beteiligten hat einer Herz gezeigt“, sagt Christian Karner, „wenigstens einer. Wir sind dankbar dafür“.

Werner Lauff

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