Ins unendliche "Blau"

Die Klippe über dem Atlantik als Zuflucht: (von links) Bandi Bassermann, Philip Dechamps und Myrtha Reinhold. Foto: Eckstein

Was kann man tun, wenn man jung ist, sich nach Abenteuern sehnt, aber in einem kleinen Dorf an der Atlantikküste wohnt? Mit „Blau“ hat die irische Autorin Ursula Rani Sarma auf dieser Basis ein einfühlsames und subtiles Portrait dreier Jugendlicher geschaffen, das die jungen Darsteller der Moreth Company überzeugend in Szene setzten.

Drei Freunde: Des (Philip Dechamps), ruhig, grüblerisch, möchte mithilfe eines Sportstipendiums einen Studienplatz in Berkeley bekommen, Joe (Bandi Bassermann), ein Möchtegern-Draufgänger, der in ständiger Angst vor seinem Vater lebt und Danny (Myrtha Reinhold), zwischen Mädchen und Frau, kränklich, linkisch, die von einem Leben in Griechenland träumt – mit Des. Die einzige Abwechslung vom Einerlei bieten samstägliche Besäufnisse in der Stadt und ihre regelmäßigen Treffen auf der Klippe, hoch über dem Blau, dem Schauplatz ihrer ritualisierten Mutproben. Die Sache eskaliert, als Joe seine Freunde in einen Drogendeal hineinzieht, der mit dem Tod des Mädchens endet und die Träume der Jungen zerstört. Ursula Rami Sarma, Jahrgang 1978, studierte am University College Cork, wo sie zusammen mit der Produzentin Kate Neville 1999 die Djinn Theatre Company gründete, mit der ihr erstes Theaterstück „Durchge­- brannt“ uraufgeführt wurde; die Produktion wurde im gleichen Jahr auf dem Edinburgh Festival gezeigt. Seither hat sie Hörspiele und Theaterstücke für Häuser in Großbritannien geschrieben, „Blau“, im Jahr 2000 am Half Moon Theatre in Cork uraufgeführt, wurde für den Stuart Parker Award nominiert und mit dem Irish Times/ESB Theatre Bursary ausgezeichnet. 2004 erhielt sie dafür den Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts. „Blau“, sensibel inszeniert von Konstantin Moreth und musikalisch kommentiert mit den Drums von Peter Voigtmann, erzählt in Rückblenden, kurzen Sequenzen, Bildern und zeichnet so ein verstörendes Psychogramm. Den Darstellern gelingt es, lebendig und authentisch zu agieren, mit sehr intensiven Momenten. Sehr dicht sind dabei die Monologe auf den Klippen, die Discoszene mit dem stroboskopartigen Zeitraffer-Effekt überzeugt mit nahezu artistischer Leistung. Ein Abend, der neugierig macht auf die weitere Entwicklung der jungen Theatergruppe und der mehr Zuschauer verdient hätte.

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