Unruhe im Dorf

Auf dem Hang im Hintergrund soll ein neues Baugebiet entstehen – allerdings gab es vor einigen Jahren bereits Erdrutsche. Foto: Osman

Seit der vergangenen Woche kursieren in Finning Flugblätter mit der Überschrift: „Wichtige Mitteilung“. Darin beschreiben die anonymen Autoren das jüngst vom Gemeinderat beschlossene Baugebiet „Leitenberg III“ als gefährlich, da es sich nahe eines Hanges befindet und dieser drohe zu rutschen. Außerdem gehöre Finnings Bürgermeister Fritz Haaf genau dort ein Grundstück – die Autoren der Mitteilung werfen ihm Amtsmiss­brauch vor. Haaf weist die Vorwürfe zurück, ebenso wie der beauftragte Gutachter, Dr. Gerhard Gold.

„Das Baugebiet Leitenberg III war mit seinem steilen Abhang nie als Baugebiet vorgesehen“, schreiben die „Finninger Bürger“, wie sie sich nennen. In ihrem anonymen Flugblatt, das an sämtliche Haushalte in Finning verteilt wurde, betonen sie, dass sie nicht die direkt Betroffenen seien, sondern aufmerksame Bürger, die für Transparenz und Offenheit eintreten. Beim Beschließen von Leitenberg III sei verschwiegen worden, dass der Hang beim Pfingsthochwasser 1999 ins Rutschen geriet – Eichen seien losgerissen worden und Gebäude gefährdet gewesen. Das Land dort sei unverbaubar – allerdings habe Bürgermeister Fritz Haaf persönlich dafür gesorgt, dass es nun bebaubar wird, angeblich weil ihm „ein ordentliches Stück des zu bebauenden Geländes gehört“. In ihrem Schreiben werfen die „Finninger Bürger“ Haaf vor, dass er „sein öffentliches Amt missbraucht, um persönliche materielle Interessen durchzu-setzen“. Daher haben laut Schreiben mehrere Finninger Bürger bereits Anzeige gegen Haaf erstattet. Auf Anfrage bestätigt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, dass ihm der Sachverhalt bekannt sei. Jedoch könne er nichts genaueres dazu sagen, da die Anzeigen auch bei der Staatsanwaltschaft anonym eingegangen seien. „Ich bin überrascht und verärgert über die persönlichen Anschuldigungen“, sagt Fritz Haaf. Man habe schließlich rechtzeitig Einspruch erheben können. Außerdem sei es feige und hinterhältig, sich nicht zu erkennen zu geben. Zwar gehöre Haaf tatsächlich ein kleines Grundstück in dem neuen Baugebiet, aber er habe sich komplett rausgehalten. „Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat sieben Standorte für ein Baugebiet vorgeschlagen“, erinnert Haaf. Der Gemeinderat habe dann eine Reihenfolge festgesetzt, bei dieser Sitzung sei er nicht anwesend gewesen und auch im weiteren Verlauf der Planungen habe er wegen Befangenheit stets vorher den Raum ver­lassen. Die Gemeinde Finning zog bei den Planungen zum Baugebiet Leitenberg III zudem einen Gutachter aus Utting zu Rate. Dr. Gerhard Gold vom Ingenieurbüro Crystal Geotechnik könne sich nicht erklären, wieso die Bürger das Baugebiet als gefährlich erachten. „Ich weiß nicht, worauf sich die Stimmen stützen“, so der Ingenieur. „Wir haben alles genau geprüft und angesehen und haben keine Bedenken.“ Er sei seit 25 Jahren in Utting tätig und habe kein Interesse daran, etwas durchzusetzen, was technisch nicht möglich sei. Die Bebauung sei im oberen Bereich vorgesehen – mit ausreichendem Abstand zum Hang. „Außerdem verbessert sich sogar durch die Bebauung die Situation, was das Grundwasser angeht“, verspricht Ingenieur Dr. Gerhard Gold. „Dieses Baugebiet ist vollkommen unbedenklich – sonst hätten wir es gar nicht zugelassen.“

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