Unter einen Hut

Der Motocrosssport hat in Reichling Tradition und hat im Ort zahlreiche Anhänger – aber auch Gegner. Foto: Lorenz

Vor keiner leichten Aufgabe stand der Gemeinderat Reichling: Für die geplante Ausweisung eines Motorsportgeländes für den MSC auf der bestehenden Motocrossstrecke (wir berichteten) mussten zwei ganz gegensätzliche Interessen unter einen Hut gebracht werden – die des Motorsportvereins und die der Anwohner.

Nach der Genehmigung eines Planentwurfs für die erforderliche Aufstellung eines Bebauungsplans hatten sich drei Anlieger jetzt mit Bezug auf einen Artikel im KREISBOTEN an die Gemeinde gewandt und schriftlich ihre Bedenken mitgeteilt. Nach einer mehr als einstündigen Diskussion kamen die Räte schließlich einstimmig zu einem Kompromiss: Die Gemeinde hält auch weiterhin daran fest, das Motorsport-gelände auszuweisen und dem Verein damit die weitere Ausübung ihres Sports zu ermöglichen – allerdings solle nicht außer Acht gelassen werden, dass die Bevölkerung durch den Lärm beeinträchtigt werde, hieß es im Beschluss. Dies bedeutet vor allem, dass sich die Motocrossfahrer künftig genau an festgeschriebene Zeiten halten müssen: An den Trainingstagen darf nur zwischen 13 und 18 Uhr gefahren werden, an den Renntagen nur zwischen neun und 18 Uhr. Falls möglich, sollen eventuell auch die Renn- und Trainingstage vorher bekannt gegeben werden. In den Stellungsnahmen an die Gemeinde hatten sich die Anwohner beklagt, dass auf ihrer Terrasse keine ungestörte Unterhaltung möglich wäre, während auf dem Gelände gefahren werde, und sogar dass der Lärm „kaum auszuhalten“ wäre. Ein Bürger forderte auch feste Termine, damit sich die Familien auf die Rennen bzw. Trainingstage einrichten könnten. Beklagt wurde in einer Stellungnahme auch, dass teilweise bis 20 Uhr auf dem Gelände Betrieb herrsche, während die Kinder aber bereits um 19 Uhr ins Bett müssten. Dem widersprach allerdings MSC-Vorsitzender Reinhold Graf: „Wir sind sicher nie länger als 18.30 Uhr gefahren“, erklärte er. Der Verein habe sich jetzt aufgrund der Anwohnerbeschwerden eh schon ziemlich eingeschränkt, legte Graf dar. Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler war es vor allem wichtig, einen Konsens zu finden und die Bedürfnisse des Vereins (der Motorsport sei ja in Reichling verwurzelt, meinte sie) und die der Bevölkerung gegeneinander abzuwägen. Annette Socher berichtete, dass viele Bürger den Motocrosssport als Belastung empfinden würden. Gemeinderat Alexander Graf erklärte jedoch, dass mehrere Anwohner im Bereich Eggarten/Bruckberg ausgesagt hätten, dass sie die Lärmbelästigung als nicht so schlimm empfinden würden. MSC-Vorstand Reinhold Graf erörterte, dass der Verein schließlich auch Jugendarbeit leiste und immer wieder viele Erfolge eingefahren haben: „Wir haben bayerische und deutsche Meister – das ist nicht nur irgendein wildes Umeinandergefahre!“, verteidigte er den Verein. Hubert Frankl stimmte zu, dass der MSC ein „gewachsener Verein“ sei, schlug aber vor, auch auf die Bürger zuzugehen und zum einen feste Zeiten einzuhalten, und zum anderen zwei Wochen vorher die Termine bekannt zu geben. Graf erklärte, er könne die Termine zwar vorher bekannt geben, allerdings könnte es aufgrund der Wetterlage immer wieder mal kurzfristig zu Änderungen kommen. Zu einem „runden Tisch“ mit den Anwohnern, wie von mehreren Gemeinderäten vorgeschlagen, wäre er natürlich ebenso bereit, erklärte der MSC-Vorstand. Der vom Gemeinderat gebilligte Bebauungsplan, den die zuständige Landschaftsplanerin in der Sitzung vorstellte, entsprach – mit kleineren Änderungen – im Wesentlichen dem ursprünglichen Planentwurf.

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