Den Protesten zum Trotz

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Die Anwohner der Jahnstraße machen Druck, trotzdem werden dort jetz Asylbewerber untergebracht.

Kaufering – Trotz heftiger Proteste der Anwohner der Jahnstraße werden nach dem Willen des Marktgemeinerates dort zukünftig die 60 Asylbewerber in Containern untergebracht, die bislang in landkreiseigenen Wohnungen in der Schlesierstraße lebten. Das Haus muss, wie berichtet, aus bautechnischen Gründen abgerissen werden.

Gleichzeitig beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine Fläche in der Hiltistraße südlich der Realschule als weiteren Standort für eine Containersiedlung dem Landkreis zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Entscheidung, die mit 15 zu 9 Stimmen getroffen wurde, waren auch die Anträge von CSU und Kauferinger Mitte überholt. CSU-Fraktionssprecher Meinrad Mayrock hatte dafür geworben, das Verfahren nochmals neu aufzurollen und die Anwohner mit zu beteiligen. 

Mayrock betonte, die Abwägung über die möglichen Standorte sei ausschließlich in nichtöffentlichen Sitzungen behandelt worden. Dadurch sei bei den Bürgern der Eindruck entstanden, es sei über ihre Köpfe hinweg entschieden worden, ohne ihre begründeten oder unbegrün- deten Argumente zu berücksichtigen. „Wir hätten früher an die Öffentlichkeit gehen sollen“, betonte Mayrock. Die Kauferinger Mitte hatte für die Marktgemeindesitzung einen eigenen Beschlussvorschlag eingereicht. Die Wiese an der Jahnstraße hält die Fraktion, wie Dr. Klaus Bühler erläuterte, für weniger geeignet, da die Fläche „als ökologisch wertvoller einzustufen sei“. Für die Wiese an der Hiltistraße schlug Bühler eine ebenerdige Bebauung vor. 

Im Bedarfsfall könne man dann aufstocken und so 120 bis 160 Plätze schaffen. Ganz abgelehnt wurde der Standort im Gewerbegebiet Viktor-Frankl-Straße, da es sich hier um hochwertige baureife Gewerbeflächen handelt. Alex Glaser von der GAL sagte in einer eher persönlichen Anmerkung, er empfinde die ganze Diskussion unehrlich, wenn jetzt wegen des Widerstands der Bevölkerung nach neuen Standorten gesucht werde. Bereits in der Marktgemeinderatssitzung vom 16. September war klar geworden, dass die Anwohner der Jahnstraße heftig Druck machten. 

In einem Schreiben an alle Marktgemeinderäte wurde erneut deutlich, dass die Asylbewerber in der Jahnstraße nicht willkommen seien. Es blieb Ratsmitglied Sascha Kenzler vorbehalten, doch noch eine Stellungnahme zu dem Brief abzugeben. Der UBV-Fraktionssprecher zeigte sich entsetzt über die Formulierungen „einer nicht näher bezeichneten Bürgerschaft“. Der Brief gipfelt mit der Drohung „… die entstandene negative Stimmung (könne sich) auch in der Einstellung gegenüber der Gruppe von Asylanten und Flüchtlingen negativ niederschlagen“. 

Sascha Kenzler hatte an die zahlreich erschienenen Anwohner appelliert, „machen Sie sich doch einmal Gedanken, wie man die 60 neuen Nachbarn freundlich willkommen heißen könnte. Geben Sie denen doch zunächst eine Chance“. Kenzler fügte hinzu, er würde für ein Willkommensfest 200 Euro spenden. Der UBV-Marktgemeinderat bedankte sich auch bei den vielen ehrenamtlichen Helfern. „Wir brauchen und wollen in Kaufering keine Stimmungsmache gegen Asylbewerber, nicht in Petitionen, nicht mit Internetseiten oder anderen Aktionen“.

Siegfried Spörer

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