Wohnungen für Asylbewerber?

Eine Chance auf Teilhabe

Landsberg – In einem förmlichen Antrag auf dem Tisch von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) fordert Grünen-Stadtrat Andreas Hartmann, die Stadt möge für eine mögliche Unterbringung von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen alle freistehenden städtischen Wohnungen dem Landratsamt mel­den.

Hartmann möchte damit der geplanten „Massenunterkunft“ an der Iglinger Straße zuvorkommen beziehungsweise „auf eine Mindestmaß verkleinern“. Nicht nur Hartmann, sondern auch CSU-Fraktionschef Helmut Weber missfällt, dass städtische Wohnungen leerstehen, während der Landkreis händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge sucht. So bat Weber jüngst im Plenum die Verwaltung „eindringlich“, die städtischen Liegenschaften für diesen Zweck zu prüfen. „Ich könnte Ihnen auf Anhieb drei leerstehende Projekte nennen“, sagte er und stieß offensichtlich in der Verwaltungsspitze auf wenig Gegenliebe.

Besagte Wohnungen seien derzeit nicht be­wohnbar und müssten erst saniert werden, signalisierte das Stadtoberhaupt. Kämmerer Peter Jung ergänzte: „Wir sind dabei, die Wohnungen vorzube­reiten und anzubieten.“ Den Grünen dauert das offensichtlich zu lange, angesichts der aktuellen Flüchtlingslage ist Eile geboten. Gemeinsam mit dem Landrat solle zunächst entschieden werden, welche Wohnungen für eine „vorüberge­hende Belegung“ mit Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen geeignet sind.

Danach könne man, „wo nötig, die Bewohnbarkeit mit einfachen Mitteln herstellen“, so Hartmann in seinem Antrag, eine Totalsanierung sei nicht notwendig. Mit Blick auf die Finanzen schlägt der Grünen-Fraktionschef vor: „Die Kosten dafür sind entweder direkt oder umgelegt über die Miete an die Regierung von Oberbayern weiterzugeben.“

Der Antrag der Grünen dürfte bei der Bürgerinitiative „Asylunterkunft Landkreis Landsberg“ auf Wohlgefallen stoßen. Sie fordert „Wohnungen statt Gemeinschaftsunterkünfte“ und er­achtet die von der Regierung an der Iglinger Straße geplante Massenunterkunft für „150 Personen und mehr“ als nicht zeitgemäß. Man müsse zunächst alles dafür tun, so der Tenor beim jüngsten BI-Treffen, dass die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden können – „möglichst gerecht auf die Gemeinden im Landkreis verteilt.“

Das fördere nicht nur die Chance für deutlich mehr Bürger, ehrenamtlich tätig zu werden, sondern verteile die Gesamtaufgabe „Betreuung der Hilfesuchenden“ auf eine viel breitere Basis. Erst wenn das nicht möglich sei, könne man über andere Lösungen sprechen. Auch Hartmann weist in seiner Antragsbegründung darauf hin, dass die Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis mit kleineren, dezentralen Standorten bisher „vorbildlich“ gelöst sei.

Ein gutes Beispiel dafür ist Erpfting, wo sich eine Gruppe um Stadträtin Martha Borgmann (UBV) für die Asylbewerber in städtischen Wohnungen besonders engagiert. „Es funktioniert wunderbar“, berichtete Borgmann im Stadtrat, aber dafür brauche es freiwillige Helfer. „Öffnen Sie Ihre Herzen“, appellierte sie eindringlich an die Anwesenden.

Die Forderung der Landsberger Mitte, zu der Anfang Oktober stattfindenden Infoveranstaltung von Stadt und Landkreis Regierungspräsident Christoph Hillenbrand einzuladen erteilte die UBV-Rätin eine Abfuhr: „Wir brauchen keinen Regierungspräsidenten, sondern ehrenamtliche Helfer, das ist viel wichtiger.“

Hier setzt Andreas Hartmann gerne weiter an. So gebe es bei der dezentralen Unterbringung keine Essenspakete, sondern Bargeld für die Flüchtlinge, bei Behördengängen und Arztbesuchen seien stets Übersetzer dabei und der Landkreis finanziere über das BRK einen „Sozialdienst“. Dies und das große ehrenamtliche Engagement der Bürger leisteten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Asylbewerber eine „Chance auf Teil­- habe“ hätten.

Toni Schwaiger

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