Unterschiedliche Ansichten

Die Bürgermeisterkandidaten (von links) Gabriele Triebel (GAL), Erich Püttner (UBV), Stefan Puchmayr (CSU), Thomas Salzberger (SPD) und Josef Mayrock (FW) stellten sich bei der Podiumsdiskussion im Dorf den Fragen von über 200 Bürgern. Foto: Kruse

Auch wenn es manchen Zuhörern nicht gefiel: Kaufering ist und bleibt in den Köpfen in „Dorf“ und „Siedlung“ getrennt. Dementsprechend gibt es auch zur Bürgermeisterwahl am 11. März zwei Podiumsdiskussionen: eine im Brückenwirt für das Dorf, eine für die Siedlung in der Gaststätte Lechau (Freitag, 17. Februar). Bei der ersten Veranstaltung, die vom Dorfverein organisiert wurde, drängten sich über 200 Bürger im überfüllten Saal der Gaststätte und die fünf Kandidaten stellten sich vorwiegend Fragen, die den alten Dorfkern östlich des Lechs betreffen. Allerdings bezogen sie auch zu aktuell diskutierten Themen Stellung – und das teilweise überraschend unterschiedlich.

Bei der neuen Südumgehung etwa kamen die Bewerber auf keinen gemeinsamen Nenner. „Das können wir uns nicht leisten. Alle anderen Argumente sind damit schon hinfällig“, meinte Gabriele Triebel (GAL) und war sich so mit Erich Püttner (UBV) einig: „Das wird auch in Zukunft nicht bezahlbar sein, wir brauchen da eine andere Lösung.“ Für Josef Mayrock (FW) steht der Umweltgedanke im Vordergrund: „Diese Straße würde durch unser einziges Wasserschutzgebiet gehen. Das ist nicht verhandelbar.“ Die zwei anderen Kandidaten lehnen die neue Verbindung südlich der Eisenbahnbrücke nicht generell ab. „Da geht es ja auch um die Erreichbarkeit eines neuen Industriegebietes in Penzing, das ist eine Maßnahme von überörtlichem Charakter, die Notwendigkeit müsste also vom Land kommen“, hofft Thomas Salzberger (SPD) auf Zuschüsse aus München. „Was aber schon vorher denkbar wäre, ist eine Spange im Südosten, um Entlastung zu schaffen und eine Zufahrt zu einem neuen Industriegebiet im Südosten.“ Stefan Puchmayr (CSU) stellte klar: „Ich bin für eine Südumgehung – irgendwann. Die muss aber in ein Gesamtkonzept eingebunden werden, da brauchen wir eine Lösung mit Landsberg und Penzing.“ Auch beim heißen Eisen „Schmitterbauerhof“ schieden sich die Geister. Püttner: „Ein Investor prüft gerade einen Einstieg. Die Gemeinde soll nicht noch mehr Geld in die Hand nehmen, aber das Ortsbild erhalten bleiben. Wenn der Investor aber abspringt, wird man um einen Abriss nicht herumkommen.“ Puchmayr: „Ich bin für einen Abriss und eine privatwirtschaftliche Nutzung. Das Dorf soll sich auch weiterentwickeln können.“ Mayrock: „Der Schmitterbauerhof ist ein großes Glück für uns, wenn er weg ist. Von der Substanz her ist er so, dass man ihn abreißen muss. Dann könnten wir die Kurve zur Kirche hinauf wegbekommen und auf dem Restplatz bauen.“ Triebel: „Es ist da vieles vorstellbar, aber auf jeden Fall kein Museum. Und die Gemeinde darf nicht noch mehr Geld in die Hand nehmen. Hätte man aber nicht gekauft, würden an der Stelle jetzt schon acht Reihenhäuser stehen.“ Einen spektakulären und völlig neuen Vorschlag brachte Thomas Salzberger ein: „Ich habe vom Brückenwirt erfahren, dass er das alte Forsthaus kaufen möchte, um seine Übernachtungsgäste darin unterzubringen. Mit diesem Geld könnte man dann den Hof sanieren und die Vereine darin unterbringen, das wäre ein neues gesellschaftliches Zentrum.“ Ein heikles Thema ist im Dorf auch die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Die Mehrheit der Bürger steht dem kritisch gegenüber, weil sie Einschränkungen bei Umbauten befürchten. Salzberger: „Ich würde versuchen, mit einer Ortsentwicklungssatzung auszukommen. Die weist Ziele aus, lässt aber Einzelfallentscheidungen zu.“ Mayrock: „Das Ortsbild muss erhalten bleiben, aber wir müssen so flexibel sein, dass die Kinder die Häuser noch umbauen können.“ Triebel: „Das ist ein ganz schwieriges Unterfangen, weil private Belange betroffen sind. Ich bin für einen partiellen Bebauungsplan, den alle zusammen mit Fachleuten erstellen.“ Püttner: „Da steht die Freiheit des Einzelnen gegen die Interessen der Gemeinschaft. Ich bin für ein Leitbild oder eine Richtlinie, die Einzelfälle müsste man individuell aushandeln.“ Puchmayr: „Das hört sich alles sehr friedlich an, aber es werden bald wieder Hofstellen vererbt und verkauft. Wenn wir keinen Plan haben, kann jeder dort machen, was er will und die Gemeinde kann nicht jedesmal Feuerwehr spielen. Ich bin aber dafür, das „soft“ zu handhaben.“ Der gebürtige Berliner hatte zum Schluss dann auch noch einen Vorschlag zur Dorfentwicklung, der aber nur bei einem Teil der Zuhörer gut ankam: „Ich würde Wert darauf legen, Dorf und Siedlung mehr zu einen. Es geht doch nicht an, dass man das immer noch getrennt betrachtet.“ Über die Energiewende waren die Ansichten ebenfalls unterschiedlich. Puchmayr ist „für einen gesunden Mix, aber das ist nicht vorrangig Aufgabe der Gemeinde“, Triebel setzt auf das Energiekonzept des Landkreises und auf Einsparpotenzial, Salzberger kann sich „auch kleine Windräder vorstellen“, Püttner sieht einen Schwerpunkt „bei Warmwassererzeugung aus Solaranlagen“ und Mayrock empfiehlt, „das Gutachten herauszuholen, das vor 20 Jahren erstellt worden ist. Da steht alles drin, da braucht man kein neues.“ Fast auf einer Linie waren die Kandidaten dagegen bei anderen Punkten wie dem Vereinsstadl am Grillplatz (soll kommen) und verstärkter Beteiligung der Bürger an Entscheidungen (alle dafür).

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