Küche ohne Wert

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Um eine Einbauküche (Symbolfoto) stritten sich zwei Parteien vor Gericht.

Landsberg – Eigentlich will sie keiner haben, und trotzdem wird darum gestritten: Die Küche aus einer Mietwohnung im nördlichen Landkreis hat jetzt das Amtsgericht beschäftigt. Nicht etwa als Zivilverfahren, was vielleicht der bessere Weg gewesen wäre. Doch die Sache landete vor dem Strafrichter. Der Vorwurf lautete auf Unterschlagung.

Angeklagt waren ein 58-Jähriger und seine zwei Jahre jüngere Lebensgefährtin. Der Mann war Ende 2011 in die Wohnung in einem Sechs-Parteien-Haus gezogen. Die Vormieterin habe ihm damals die Küche überlassen, gab der Kfz-Mechaniker an. Dafür habe er die Renovierung der Wohnung übernommen. „Sie musste nur die Tapeten entfernen und zwei Eimer Farbe hinstellen.“

Als der Mann und seine Partnerin im letzten Sommer aus der Wohnung auszogen, nahmen sie die Küche mit. Dass sie in ihrer neuen Wohnung gar keine Verwendung dafür hatten, steht auf einem anderen Blatt.

Nun meldete die Vermieterin Anspruch auf die Küche an – ebenfalls mit der Begründung, diese sei ihr von der Vorgängerin des 58-Jähriger überlassen worden. Bezahlt habe sie dafür zwar nichts, genaue Absprachen seien auch nicht getroffen worden. Dennoch behauptete die 81-Jährige: „Die Küche gehört mir. Ich hätte damit machen können, was ich will.“ Im Falle eines Verkaufs hätte sie das Geld behalten dürfen, so die Seniorin.

Das wiederum sah die Vormieterin anders. Wäre die Küche verkauft worden, wäre der Erlös an sie gegangen, sagte die 62-Jährige im Zeugenstand. Wirklich gesprochen worden sei darüber nie. Dies, obwohl die Küche 11.000 Euro gekostet hatte und bei ihrem Auszug erst fünf Jahre alt war. „Sie überlassen Ihrer Vermieterin die Küche, ohne über Geld zu sprechen, und nehmen in Kauf, dass sie jedes Jahr an Wert verliert?“, bohrte Richter Andreas Niedermeier nach.

Man sei zwar nicht befreundet, habe aber „nicht das schlechteste Verhältnis“, räumte die 62-Jährige über die Beziehung zu der 81-Jährigen ein. Sie würde sogar gerne mit ihrer Familie wieder in das Haus einziehen, wenn dort zwei benachbarte Wohnungen frei würden.

Dass die Küche im Mietvertrag des Kfz-Mechanikers nicht erwähnt wurde und auch im Übergabeprotokoll seines Einzugs nicht auftaucht, veranlasste Staatsanwältin Andrea Hobert zu der Frage, ob die 81-Jährige „eine erfahrene Vermieterin“ sei. Die Senioren erklärte, sie vermiete die Wohnungen schon seit 1973.

Angesichts dieser Sachlage stellte das Gericht das Verfahren gegen den Angeklagten ohne Auflagen ein. Die Beteiligten können bei Bedarf in einem Zivilverfahren weiterstreiten – oder die Sache formlos beenden. Der 58-Jährige erklärte nämlich, er sei gerne bereit, die Küche zurückzugeben. „Sie steht bei mir im Keller. Die will keiner haben."

Ulrike Osman

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