Unüberwindbare Hindernisse

Das einzige, barrierefrei zu erreichende Gleis am Kauferinger Bahnhof ist Gleis 1 – doch nur die wenigsten Züge fahren von hier ab. Foto: Kruse

Es hat sich viel getan am Kauferinger Bahnhof: Ein großer Parkplatz ist in den letzten Jahren entstanden, auch das Angebot an Fahrradständern wurde ausgebaut und zur Zeit werden die Zugänge zu den Bahnsteigen saniert. Sieht eigentlich gut aus – aber nur, wenn man nicht mit einer Behinderung zu kämpfen hat. Für Menschen mit Handicap ist der Bahnhof nicht benutzbar. Damit sich das ändert, ist am Freitag um 15 Uhr eine große Kundgebung vor Ort geplant.

Tatsächlich fehlt es an allen Ecken und Enden an Einrichtungen für Behinderte. Wer meint, die zwei für sie ausgeschilderten Parkplätze seien ein guter Anfang, irrt schon einmal: Vom Parkplatz führen ausschließlich Zugänge mit Stufen zu den Bahnsteigen, Rollstuhlfahrer kommen da nicht weiter. Was wie ein Schildbürgerstreich klingt, ist nach Auskunft von Manfred Eder schlicht den Paragrafen geschuldet. „Ab einer bestimmten Parkplatzgröße sind die Behindertenplätze Vorschrift“, sagt der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Fuchstal, der selbst seit seinem achten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. „Dann werden sie eben gebaut. Nur benutzen kann man sie halt in diesem Fall nicht.“ Fast verhöhnt müssen sich Rollstuhlfahrer auf den Bahnsteigen fühlen, wenn diese denn für sie erreichbar wären. „Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht geeignet“ prangt es neben dem Treppenaufgang. Das gelbe Schild hätte man sich sparen können, es wird vermutlich nie ein Rollstuhlfahrer sehen – es gibt keine Möglichkeit für ihn, auf den Bahnsteig zu kommen. Lediglich Gleis 1 ist in Kaufering barrierefrei von der Straße her zu erreichen. Dort fahren allerdings die wenigsten Züge ab und selbst die sind für Behinderte praktisch nicht zu benutzen. „Ein Problem in Kaufering ist die geringe Höhe der Bahnsteige. Von der Schienenoberkante bis zum Bahnsteig sind es nur 30 Zentimeter,“ so Eder. Damit wird das Einsteigen in den Zug schon für Nicht-Behinderte zur Kletterpartie, für Rollstuhlfahrer ist es unmöglich. „Ich kann in Kaufering auch nicht aussteigen, ich muss bis Augsburg fahren. Ein Bekannter von mir hat sich einmal mit dem Rollstuhl aus dem Zug heben lassen, das wurde dann schon eine größere Aktion.“ Da klingt die Selbsteinschätzung der Deutschen Bahn zum Bahnhof Kaufering fast ein wenig geschönt. „Teilweise“ heißt es auf der Website bei „Stufenfreier Zugang“. Klartext immerhin bei „Hilfeleistung für mobilitätseingeschränkte Reisende“: „Nein“. Doch es fehlen nicht nur Aufzüge und Einstiegshilfen in Kaufering. Sogenannte „taktile Leitstreifen“, die in den Boden eingelassen werden und an denen sich Sehbehinderte ohne fremde Hilfe orientieren können, sind in anderen Ländern seit Jahren Standard, werden inzwischen auch in Deutschland zunehmend verbaut, fehlen hier komplett. Auf der Liste der Veranstalter der Kundgebung stehen außerdem „verständliche optische und akustische Fahrplaninformationen“. Die Bahn macht derzeit laut Manfred Eder wenig Anstalten, den Wünschen der Behinderten nachzukommen. „Man sagt, bis die Elektrifizierung der Strecke Geltendorf – Memmingen abgeschlossen ist, könne man nicht in den Umbau investieren.“ Seine Meinung dazu: „Ich weiß doch, wo meine Pfosten hinkommen, bevor ich anfange zu bauen. Ich halte das für ein vorgeschobenes Argument.“ Keine Vorwürfe muss sich dagegen wohl die Marktgemeinde Kaufering machen, die ebenfalls zu den Veranstaltern der Kundgebung gehört: Derzeit ist eine neue barrierefreie Unterführung vom Parkplatz zum Bahnhof in Planung. Den Behinderten wird es wohl kein Trost sein, dass das Angebot der Bahn in Kaufering für ihre fast 7000 Kunden pro Tag auch nicht gerade berauschend ist. Es gibt kein Servicecenter, kein Gepäckrollband an den Treppen, keine Einkaufsmöglichkeit und keinen Fahrradverleih. Immerhin heißt es im Internet bei WC „ja“. Stimmt nur leider nicht. „Wegen Planung und Umbauarbeiten geschlossen“, erfährt man vor Ort am Örtchen... Die Kundgebung für einen barrierefreien Bahnhof Kaufering findet statt am Freitag, 23. September, um 15 Uhr am Bahnhof Kaufering. Veranstalter sind die VKIB (Vereinigung kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung in Bayern – unter anderem zählen dazu alle Einrichtungen der Behinderten- und Altenhilfe im Landkreis), die Gemeinde Kaufering sowie das Netzwerk Kaufering.

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